Review

Die türkisch-deutsche Symphonic Metal Band Dream Ocean hat ihr zweites Album „The Missing Stone“ veröffentlicht.

SAOL (Service For Artist Owned Labels) findet dafür folgende lobende Worte:

Mit wunderschönen Harmonien und aufwendigen orchestralen Elementen transportieren Dream Ocean ungezügelte Emotionen. […] Begleitet von krachenden Metal-Drums erschaffen Dream Ocean atemberaubende orchestrale Soundwelten, geprägt von hochtechnischer Sensibilität und großartigem Storytelling: „The Missing Stone“ ist zweifellos ihr bisher komplexestes Projekt.

Ob sie damit Recht behalten, klären wir jetzt.

Die Tracks

Mit dem rein instrumentalen Intro „Nightmare“ bekommen die Hörer:innen bereits einen kleinen Eindruck, was sie im Folgenden noch alles erwartet. Zunächst ist zu hören, wie eine Spieluhr aufgezogen wird und beginnt, eine Melodie zu spielen. Diese Melodie verhallt schließlich und wird von unheilvollen, düsteren Klängen ersetzt. Durch Streicher, Pauken und Bläser wird der Sound mit jeder Sekunde epischer und opulenter. Abschließend ist zudem eine verzerrte E-Gitarre zu vernehmen.

Unfassbar schnelle Drumschläge treiben das folgende Stück „Dark Miracles“ voran. Der Track wirkt sehr komplex. Dabei verschmelzen klassische Klänge und Metal zu einer perfekten Einheit. Ist das Schlagzeug in den Strophen noch zurückhaltend, wird der Refrain gnadenlos durchexerziert. Einzig Gesang und Streicher nehmen hier gefühlt etwas die Geschwindigkeit heraus.
Apropos Gesang: Die stimmliche Darbietung von Frontfrau Basak Ylva bildet (nicht nur hier) das Sahnehäubchen; im instrumentalen Zwischenpart schmettert sie gar orientalisch anmutende Klänge zwischen die Instrumente, während sich etwas später zudem eine männliche Gesangsstimme hinzugesellt, die growlend mit der Frauenstimme ein Duett performt.

In „Pendulum of Time“ mischen sich anfangs Synthesizer-Klänge unter den bereits bekannten Sound. Auch ein Klavier webt seine Klänge mit ein. Gefühlvoll und kraftvoll trägt der Gesang den Hörer durch die hier erzählte Geschichte. Dabei merkt man besonders in den Höhen, dass Basak Ylva eine Ausbildung als Opernsängerin genossen hat.

Nachdem ein verzerrter, schräger Gitarrensound „The Great Silence“ einleitet, folgt ein ausschweifendes instrumentales Intro. Extrem lang wirkt auch der Refrain, während die Strophen sehr kurz erscheinen. In diesen hat man zusätzlich das Gefühl, dass die Gitarre synkopenartig spielt und so einen gegenläufigen Rhythmus zu den restlichen Instrumenten und dem Gesang erzeugt.
Auch bei „Lucid Air“ entsteht der Eindruck, dass Streicher, Gitarre und Drums gegenläufig zueinander spielen, was etwas verwirrend ist. Man hat Mühe, den Melodien zu folgen.

Dream Ocean (Copyright: Artem Selennov; Zimtshots)

Fallen in „As I Die“ vor allem die extrem hohen Gesangstöne von Basak auf, ist es in „Eterna Espera“ ein ausschweifender Instrumentalpart, der aufmerken lässt. Ein besonderes Highlight bietet jedoch der äußerst gefühlvolle Titeltrack „The Missing Stone“.  Ohne Intro setzt sofort der Gesang ein, welcher mit Streichern und Klavier begleitet wird; gefolgt von einem ausgiebigen Instrumentalpart, der die komplette Instrumentierung auffährt. Mit 10:35 Minuten ist dies der längste Track auf dem Album. Das bietet Raum für Abwechslung. So wechseln sich im Song Gesangsparts mit reinen instrumentalen Parts ab, die in ihrer Instrumentierung und hinsichtlich des Tempos variieren. Dies alles auf einmal zu erfassen, ist schwer. Man muss den Track einfach auf sich wirken lassen – und mehrmals hören.

Zu guter Letzt gibt es den Song „Uyan“, die türkische Version des Titels „Daydreamer“, der ebenfalls auf dem Album seinen Platz gefunden hat. Aus musikalischer Sicht sind beide Tracks identisch, lediglich die Sprache ist anders und sorgt für eine dezent andere Atmosphäre.

Fazit

Sowohl musikalisch als auch gesanglich kann die Band mit ihrem Album punkten. Die Komplexität der Tracks ist faszinierend und der Gesang von Frontfrau Basak Ylva ist kaum zu toppen. Ein richtiger Kracher oder Ohrwurm fehlt allerdings, was eventuell der eher ernsten und schweren Thematik von „The Missing Stone“ geschuldet ist.


Missing Stone

Video

Tracklist

01 Nightmare (Intro)
02 Dark Miracles
03 Pendulum of Time
04 The Great Silence
05 Lucid Air
06 As I Die
07 Eterna Espera
08 Daydreamer
09 Song to the Ocean
10 The Missing Stone
11 Uyan (Turkish version of Daydreamer)

Details

Dream Ocean – Homepage | Dream Ocean – Facebook | Dream Ocean – Twitter | Dream Ocean – Instagram

Label: SAOL
Vö-Termin: 24.09.2021
Spielzeit: 53:56

Copyright Cover: SAOL



Über den Autor

Selina
Carpe Noctem