Review

Mit neuem Schlagzeuger (Dave Mackintosh wurde durch Gee Anzalone ersetzt; wir berichteten darüber) und neuem Album melden sich die Briten DragonForce im Power Metal Zirkus zurück.

Unter dem Namen „Maximum Overload“ möchte das Sextett mit ihrem sechsten Studioalbum unter anderem auf die Informationsflut bzw. -überlastung unserer heutigen Zeit aufmerksam machen und spiegelt seine Gedanken dazu nicht nur in einigen Texten, sondern vorrangig im Coverartwork wider, welches so detailliert ausfällt, dass ein mehrmaliger Blick darauf nötig ist, um die modern gehaltenen Einzelheiten in Gänze erfassen zu können.

Doch es ist nicht ein künstlerisches Coverartwork, welches in diesem Fall rein optisch sicherlich die Geschmäcker unterschiedlich befriedigen wird, was DragonForce ausmacht, sondern ihre Musik und diese präsentiert sich gewohnt schnell.

Nach knapp 50 Minuten ist der Geschwindigkeitszug namens „Maximum Overload“ am Hörer vorbeigerauscht, glücklicherweise aber nicht ohne Spuren zu hinterlassen. Denn die Mannen um Gitarren-Virtuose Herman Li liefern unter den insgesamt zehn Songs den einen oder anderen Ohrwurm, der sich sowohl zügig im Oberstübchen einnistet, als auch aufgrund seiner Melodiösität mehrmals gehört werden will.

DragonForce (Copyright: DragonForce)

DragonForce (Copyright: DragonForce)

Auch Livepotenzial ist einigen Titeln zu bescheinigen; davon überzeugen können sich Interessierte bereits Anfang 2015, denn dann sind DragonForce gemeinsam mit den Symphonic Metallern Epica auf Tournee.

Trotz des im Artwork aufgegriffenen Technologie-Themas, ist „Maximum Overload“ allerdings weit davon entfernt, ein reines Konzeptalbum zu sein. Andernfalls wäre es schwer zu erklären, wie sonst die Covernummer „Ring Of Fire“ (im Original von Johnny Cash) Einzug auf den Silberling hielt.
Diese ist im Übrigen sehr gewöhnungsbedürftig, denn während die Strophen emotionslos und ohne nennenswerte Betonung runtergesungen und -gespielt werden, tendiert der Refrain sogar in poppige Gefilde. Auf Kosten der an den Tag gelegten DragonForce-typischen Schnelligkeit verliert der Originaltitel an seiner ursprünglichen Intensität und Atmosphäre. Das ist schade, aber diese Interpretation macht „Ring Of Fire“ auf „Maximum Overload“ zu keiner Bereicherung, sondern viel eher überflüssig.

Ganz anders sieht es da schon mit „The Game“ aus, dem Opener, zu welchem bereits ein Musikvideo produziert wurde. Dieser leitet das Album gelungen ein und macht Lust auf mehr.
Die Eingängigkeit des Songs wird bereits in den Strophen deutlich und der gutturale Zusatz, inszeniert von Trivium-Kehle und -Gitarrist Matthew Heafy, der einigen weiteren Songs auf „Maximum Overload“ eine gesangliche Extranote verleiht, integriert sich hervorragend in das Songgeschehen, das von schnell gespielten Gitarren und Drums beherrscht wird. Damit ist bereits der erste Dauerbrenner der Scheibe geboren.

Matthew Heafy ist es auch, der stimmlich sehr gut mit Leadsänger Marc Hudson harmoniert und mit gutturalen Elementen zu gefallen weiß, die eher derberen (Gang)Shouts in „No More“ hingegen wollen erst einmal nicht so gut ins musikalische Geschehen passen, dann allerdings lockern sie den Titel auf angenehme Weise auf und verpassen ihm sogar stilistisch einen neuen Touch.

DragonForce (Copyright: DragonForce)

DragonForce (Copyright: DragonForce)

Auffallend ist aber, dass der Gesang in vielen Songs notwendig ist, um die offensichtlichen Unterschiede zwischen den einzelnen Liedern herauszuhören. Nicht immer wirken die temporeichen Drums und Gitarren nämlich derart abwechslungsreich, als dass sie sich nennenswert voneinander unterscheiden. Daher ist es von DragonForce ein kluger Schachzug, auch mal eine balladesk angehauchte Nummer in den Spielplan von „Maximum Overload“ einzubauen. „Three Hammers“ ist so ein Titel, der mit Variationen am Schlagwerk aufwartet und zeitweise Hudsons Kopfstimme fordert. Die Nummer treibt gemächlich nach vorne, weiß auch zu gefallen, trumpft sogar mit einem Rhythmus- und Melodiewechsel ‚gen Mitte auf, ist alles in allem aber keine Innovation im Power Metal Sektor. Gut ja, herausragend nein, darüber täuscht auch ein verspieltes Gitarrensolo nicht hinweg.
Jeder der besseren Tracks der Scheibe ist für sich genommen sehr gut, am Stück hintereinander weggehört allerdings zu ähnlich. Fans der Band werden jedoch sehr gut bedient werden.

Dem einen oder anderen Song hätte es zudem gutgestanden, etwas kürzer angelegt zu werden, um die Akzente, die die Titel bergen und sie abwechslungsreich machen, nicht unnötig in die Länge zu ziehen, sondern auf den Punkt zu bringen. „The Sun Is Dead“, der längste Titel auf „Maximum Overload“ ist dafür ein gutes Beispiel, denn der an Scanner (in den 80ern) erinnernde Track, der eher geschmeidigen Rock als temporeichen Metal birgt, wirkt auf Dauer etwas zu eintönig.

Ein „Extraction Zone“ hingegen hätte auf die experimentierfreudigen Gitarrenspielereien und -verzerrungen, welche auf einen Popbeat gelegt wurden, verzichten können. Diese stören den Hörfluss des ansonsten guten Liedes zu sehr und wirken deplatziert. Ich bin sicherlich nicht die einzige, die sich nach der Sinnhaftigkeit dieser Klangexperimente fragt.

Klangtechnisch kommt „Maximum Overload“ sehr hell und kühl beim Hörer an. Während der Gesang schon sehr hell wirkt, hätte vielleicht etwas mehr Basslastigkeit oder eine dunklere Note im Sound einen schöneren Kontrast geboten, zum technisierten Coverartwork passt diese gewisse Kühle jedoch gut.
Produziert wurde übrigens erstmals nicht im eigenen Studio, sondern in den schwedischen Fascination Studios in Örebro und Varberg unter Leitung von Jens Bogren.

Insgesamt können Power Metal Fans ohne selbst auferlegtes Tempolimit bei „Maximum Overload“ zugreifen und über die genannten Kritikpunkte hinwegsehen. Sie werden damit keine Weltneuheit des Genres entdecken, aber die gewohnten DragonForce-Zutaten bekommen, die das Album sehr viel besser als den Durchschnitt machen. Und mal ehrlich, nach sechs Alben Speed Power Metal kann man vermutlich auch nicht großartig anders klingen, als DragonForce es eben tun. Fans der Briten finden daher verlässliche Songs vor, die immer wieder in ihren Längen durch instrumentale Zwischenstücke, Gitarrensoli und Rhythmus- und Melodiewechsel aufgepeppt werden. Damit sind selbst die langen Nummern, die eigentlich im Widerspruch zum Tempo der Tracks stehen, abwechslungsreich.

Video

Tracklist

01 The Game
02 Tomorrow’s Kings
03 No More
04 Three Hammers
05 Symphony Of The Night
06 The Sun Is Dead
07 Defenders
08 Extraction Zone
09 City Of Gold
10 Ring Of Fire

Details

DragonForce – Homepage
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DragonForce – Twitter
DragonForce – YouTube

Label: earMusic / Edel
Vö-Termin: 15.08.2014
Spielzeit: 49:40
Info: als Standard CD, Standard Digital Version, Special Edition CD mit fünf Bonustracks und einer Bonus DVD, Special Edition Digital Version (mit dem gleichen Bonusmaterial wie die Special Edition CD) sowie als Vinyl erhältlich

Copyright Cover:earMusic / Edel



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde