Review

Mit „Zero Soldier Army“ veröffentlichen Diorama ihr neuestes Album und präsentieren damit gleichsam ein kleines Kunstwerk, denn nicht nur musikalisch verausgaben sich Torben Wendt und Kollegen in sperrigen Songstrukturen, die einiges vom Hörer abverlangen und sich fern der kurzweiligen elektronischen Unterhaltungsmusik bewegen, auch optisch kleidet man die Veröffentlichung mithilfe von Visual Artist Stefan Alt sehenswert und kunstvoll.

Die auf „Zero Soldier Army“ zu findenden zwölf Tracks machen schon beim ersten Hördurchlauf deutlich, dass sie mehrmals konsumiert werden müssen, um detailliert wahrgenommen werden zu können.
Vom minimalen Electro zu dichten Synthpop- und Darkwave-Strukturen schwankt das Album zwischen eingängigen, tanzbaren Passagen und auf Atmosphäre setzenden Momenten. Dabei zieren progressive Phasen die Titel ebenso wie rockige Parts oder gar technoide Beats. Greifbar wird „Zero Soldier Army“ immer dann, wenn Diorama linearer vorgehen und dabei auf Pfaden wie VNV Nation oder Deine Lakaien wandeln. An jene Größen erinnert vor allem die unterschwellig mitschwingende Melancholie der Titel, die sowohl durch Streicher als auch durch den meist warmen Gesang an die Hörer transportiert wird. Stimmlich schlägt man darüber hinaus aber auch stellenweise aggressivere Töne an, die in Kombination mit der dioramaesken Prog- und Indie-Note gut funktionieren, sodass das Album nicht in völliger Lethargie unterzugehen droht.

Diorama verlangen mit ihren wandelbaren Titeln auf „Zero Soldier Army“ jedoch nicht nur dem Hörer vor der heimischen Anlage einiges an Konzentration und Aufmerksamkeit ab. Auch die Tanzwütigen stellt man mit abwechslungsreichen Songentwicklungen und -längen auf die Probe. So ist auf der Tanzfläche Improvisation gefragt, wenn ein schneller Beat durch sanfte Phasen abrupt an Tempo verliert, und Ausdauer angesagt, wenn sich ein Titel wie „Amnesia Club“ mal der 7-Minuten-Marke nähert.

Diorama (Copyright: Thomas Wuhrer)

Diorama (Copyright: Thomas Wuhrer)

Hörer, die nicht mit Geduld gesegnet oder gewillt sind, sich mit einem Album intensiver auseinanderzusetzen, als jenes lediglich zur unaufdringlichen Beschallung zu nutzen, werden nur schwer Zugang zu „Zero Soldier Army“ finden. Doch auch eingefleischte Diorama-Fans müssen hier bereit sein, sich ganz auf das Werk einzulassen, um auf Albumlänge nicht das Interesse zu verlieren. Leider ist dabei auch der Umstand nicht gerade förderlich, dass die Spannung bis zum Schluss nicht aufrechterhalten werden kann. Insbesondere gegen Ende mangelt es an Überraschungen und Highlights, die bereits zu Beginn der CD verarbeitet wurden. Damit ist „Zero Soldier Army“ ein starker Anfang zu bescheinigen, während sich das Interesse des Hörers bei mangelnder Aufmerksamkeit peu à peu zu verflüchtigen droht.

Freunde der extravaganten elektronischen Musik finden hingegen ein Album vor, das sich mutig an Genregrenzen wagt, jene auf experimentierfreudige und komplexe Art überschreitet und sich dabei in der Mehrheit der Titel dennoch eingängig gibt. Kein Mainstream, kein musikalisches Tabu und kein Album für jedermann, aber produktionstechnisch hochkarätig in Szene gesetzt und ein Ausnahmeprojekt repräsentierend, das sich zu Recht einen Namen in der Szene gemacht hat.

Video

Tracklist

01 Zsa
02 Off
03 Defcon
04 Beta
05 Smolik
06 &
07 Polaroids
08 Reality Show
09 Amnesia Club
10 Comfort Zone
11 Nebulus
12 Stay Undecided

Details

Diorama – Homepage
Diorama – Facebook

Label: Accession Records / Indigo
VÖ-Termin: 09.09.2016
Spielzeit: 67:36

Copyright Cover: Accession Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde