Review

Nach Veröffentlichungen wie „37 Promille“, „Keine Gnade – Saufgelage“ oder „Stockbesoffen und genial“ folgt 2015 das vierte Album „Stürmische Zeiten“ von DIE BoNKERS. Haben jene also dem Alkohol entsagt? Abzeichnen könnte sich diese Entwicklung bereits in den Versen des Songs „Unsere Zeit“, die da heißen „Von den jungen Wilden – Zu niveauvollen Narren“, und auch im Verlauf des gesamten Albums „Stürmische Zeiten“ bestätigt sich, dass die Band aus Rostock ihr neues Werk reifer, durchdachter, ja irgendwie unalkoholisiert konzipiert hat.

So wird es mit der Ballade „Wenn wir gehen“ mal ruhig, dann schlägt man wieder kritische Töne an – doch DIE BoNKERS wären nicht DIE BoNKERS, wenn ihr typischer Humor hier nicht ebenfalls seinen Platz finden würde. Innerhalb der insgesamt 13 Songs liefert die Band den Hörern derart viel Abwechslung, dass jene sogar auf Rap („Knüppel aufn Kopp (feat. Ostmaul)“) stoßen werden. Das passt zwar in den musikalischen Kontext von „Stürmische Zeiten“ genauso wie ein Dreieck auf einen Kreis, noch dazu hört sich der Sprechgesang eher nach einem Fremdkörper an, aber sei es drum; wozu gibt es schließlich die Skipptaste.

Diese möchte man zunächst auch beim Witz-Track „1 € Job“ drücken, doch bereits beim zweiten Hördurchlauf stellt man fest, dass der Song schon wieder so schlecht ist, dass er letztlich doch richtig gut ist. Wortwitz, Ironie und Humor inklusive.

Doch kommen wir zum eigentlichen Geschehen auf „Stürmische Zeiten“. Schon der Opener „Wohin der Wind mich treibt“ gibt den maßgeblichen Ton an und der gleicht, wie kann es im Deutsch Rock anders sein, verblüffend den Songs aus der Hochzeit der Böhsen Onkelz. Der Onkelz-Stil weicht jedoch schon bald dem eigenen BoNKERS-Sound: kompromisslos, schnörkellos und dann wieder auf der Suche nach dem musikalischen Abenteuer, indem die Grenze des Deutsch Rock nicht nur in Richtung Metal, sondern zeitweilig sogar wie bereits erwähnt in gänzlich andere und unerwartete Gefilde wie jene des Rap überschritten wird. Darüber hinaus erinnert das Riffing in „Unsere Zeit“ an Running Wild oder kommt im Song „Lasst uns brennen“ äußerst bluesig daher. Ebenfalls sticht „Vorschlaghammer“ aus dem sonstigen mehr als solide gefahrenen Programm auf „Stürmische Zeiten“ heraus. Hier scheint der Name des Titels auch das Prinzip von Text und Musik zu sein. Core-artiger Gesang, der hin und wieder erneut Ähnlichkeiten zum Rap hat, verleiht dem Track einen gewissen Crossover-Charme, der konsequent auf schnell ablaufenden 4:09 Minuten durchgezogen wird.

DIE BoNKERS (Copyright: Stefan Weidner | www.stefan-weidner-fotografie.de)

DIE BoNKERS (Copyright: Stefan Weidner | www.stefan-weidner-fotografie.de)

Der Name „Stürmische Zeiten“ spiegelt gekonnt den Abwechslungsreichtum der neuen Scheibe von DIE BoNKERS wider. Kein Song gleicht tatsächlich dem anderen, und doch schafft es die Band, ein einheitliches musikalisches Bild zu erzeugen, sodass trotz der stilistischen Kombinationen ein in sich stimmiges Werk zu hören ist. Ganz ohne Klischees und typische Texte kommt das Quartett um Rau-Rock-Kehlchen Philly nicht aus, umso prägnanter setzen sich die Tracks jedoch schnell im Kopf des Hörers fest.
Für Genrefans eine Art Volltreffer, bei dem man den Ausflug in den Rap-Sektor sicherlich verschmerzen oder mit einem Schmunzeln abnicken kann.

Video

Tracklist

01 Wohin der Wind mich treibt
02 Unsere Zeit
03 Vorschlaghammer
04 Tage im Nebel
05 Multimilliardär
06 Lasst uns brennen
07 Wenn wir gehen
08 Was lange gärt
09 Lady Sinister
10 Kurzer Prozess
11 1€ Job
12 Was dich tötet
13 Knüppel aufn Kopp (feat. Ostmaul)

Details

DIE BoNKERS – Homepage
DIE BoNKERS – Facebook

Label: Metalville / Rough Trade
Vö-Termin: 18.09.2015
Spielzeit: 50:13

Copyright Cover: Metalville



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde