Review

1988 gegründet, mischt die Berliner Synthpop-Formation DE/VISION vor allem seit den 90ern erfolgreich in der Electro-Szene mit. Mit dem 13. Album, als solches auch schlicht mit „13“ betitelt, ist das Duo, bestehend aus Steffen Keth und Thomas Adam, nun im Jahr 2016 angekommen und präsentiert sich – nach einigen Stilexperimenten sowie Kooperations- und Labelwechseln – frisch, kreativ und tanzbar zurück.

Als Vorgeschmack auf das Album, welches via Crowdfunding ermöglicht wurde und in unterschiedlichen Versionen erhältlich ist, veröffentlichten DE/VISION bereits vorab die Single „Who Am I“, die auch den Start in den neuen Silberling markiert. Damit suchte man sich vielleicht nicht gerade einen potenziellen Clubhit aus, stattdessen aber einen soliden Repräsentanten des gesamten Albums.

„Who Am I“ zeigt zunächst einmal die klare, dichte Produktion auf, die „13“ auf ganzer Länge aufweist. Darüber hinaus wird durch die Länge des Songs und die damit einhergehenden innersonglichen Entwicklungen deutlich, dass DE/VISION nicht auf schnelle, beiläufige Nummern aus sind, sondern sich in ihren Titeln viel Raum und Zeit nehmen, damit sich einzelne Elemente entfalten können, um Akzente zu setzen und das eine oder andere Mal auch mit überraschenden Wendungen aufzuwarten, die trotz der Durchbrechung der eigentlich vorhersehbaren Songstruktur nie zu experimentell oder willkürlich erscheinen. Sinnvoll platziert spiegeln sie hier ein abwechslungsreiches Songwriting wider, das (sowohl musikalisch als auch textlich) nicht nur an der Oberfläche kratzt, sondern auch in die Tiefe gehen kann.

Intensität und Atmosphäre resultieren daraus, und beide Faktoren bestimmen das Album „13“. Doch wer nun auf schwere Kost baut oder etwa Sorge davor hat, dem sei gesagt, dass auf stimmige, poplastige und vor allem eingängige Titel nicht verzichtet werden muss. Obschon es beim ersten Durchlauf den Anschein hat, dass die ruhige Seite von DE/VISION dominiert, indem beispielsweise auf sphärische Sounds gesetzt wird, holt das Projekt auch die tanzwütigen und melodiebegeisterten Hörer ab. Knarzende Synthies stehen dann an der Tagesordnung und in Kombination mit dezent verzerrtem Gesang treiben jene Titel die Veröffentlichung immer wieder gut nach vorne.

DE/VISION (Copyright: DE/VISION)

DE/VISION (Copyright: DE/VISION)

Zusätzlich trumpfen DE/VISION in „Read Your Mind“ durch Streicher-Arrangements mit einer gewissen Epik auf, während in „Gasoline“ Zerr- und harsche Sounds vorherrschen, die eine gewisse Extravaganz auf das Album bringen.

So wirkliche Tanzflächen-Eroberer wird man auf „13“ jedoch nicht unbedingt vorfinden, dafür aber Titel, die durch Vielschichtigkeit und Facettenreichtum überzeugen und sich fern von 08/15 Synthpop-Kost bewegen. Die abrupten Tempowechsel und Einschübe ruhiger, stimmungsvoller Parts inmitten der treibenderen Stücke dürften zwar den Tanzflächennutzern zu schaffen machen und sie das eine und andere Mal mitten im Song plötzlich innehalten oder aus den Takt bringen lassen, zuhause und mit genügend Zeit genossen offenbaren sich dem Hörer aber feine Details, die es sogar lohnt, unter Kopfhörern zu genießen.

Teaser

Tracklist

01 Who Am I
02 Essence
03 Starchild
04 Where is the light?
05 Synchronize
06 Prisoner
07 Read your mind
08 Their world
09 Gasoline
10 The firing line

Details

DE/VISION – Facebook

Label: Popgefahr Records / Soulfood
Vö-Termin: 17.06.2016
Spielzeit: 52:03

Copyright Cover: Popgefahr Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde