Review

Die Neuseeländer rund um Frontfrau Jennie Skulander mit dem klangvollen Namen Devilskin haben sich Zeit gelassen. Nach der Gründung 2010 dauerte es ganze vier Jahre bis zum Plattendebüt „We Rise“, dessen weltweite Veröffentlichung sogar erst 2016 erfolgte. Nach vergleichsweise kurzer Wartezeit erscheint jetzt der zweite Tonträger „Be Like the River“.

Wie schon auf dem Vorgänger machen bereits die ersten Takte klar: Hier geht es härter zur Sache. Irgendwo zwischen Metal und Rock siedeln sich die Klänge an, die das Quartett ihren Instrumenten entlockt. Der Opener „In Black“ geht ohne Umschweife direkt nach vorn. Doublebass, ein staccato Gitarrenriff und catchy Hooklines bilden einen kraftvollen Sound. Einzig das kleine Gitarrensolo wirkt ein wenig wie ein Fremdkörper. Nach minimaler Verschnaufpause zwischen den Tracks geht es mit „Mountains“ nahtlos zum nächsten Krachersong über. Auch hier findet der Hörer alles, was das Rockerherz begehrt.

Weniger nach vorn und dafür ausgefeilter konstruiert ist hingegen „Voices“. Zwar beginnt der Song ruhig mit atmosphärischen Klängen, nimmt dann aber kontinuierlich an Stärke zu. Wieder gibt es treibende Beats an den Drums, die für Spannung sorgen. Hier kommt außerdem das Gitarrensolo gut zur Geltung, vor allem durch die Einbettung in den Gesangsteil. Obwohl dieser Track im Vergleich zu den anderen Nummern der Platte durch seinen Aufbau herausstechen kann, fehlt noch das bombastische Finale. Beim Hören ertappt man sich bei der Frage „Wann kommt die musikalische Pointe?“ – aber der Song geht trotz dieses kleinen Mankos gut ins Ohr.

Und so geht es dann in den übrigen Tracks kontinuierlich weiter, bis es „We Rise“ mit Gangshouts noch mal gut herausreißt. Ein gelungener Abschluss.

Insgesamt dominieren auf „Be Like the River“ harte, schnelle Klänge. Einzig „Closer“ zeigt mal eine etwas andere, wirklich ruhige Facette des Quartetts. Damit unterscheidet sich dieses Album nicht vom Devilskin-Debüt. Wenn allerdings wirklich jede Nummer ein echtes Brett ist, führt dies unterm Strich allerdings schnell zu Monotonie. Infolgedessen bleibt auch nicht jeder Song im Kopf. Gerade zum Ende scheinen die Tracks beim Durchhören ineinander zu verschwimmen, ohne dass man jetzt noch einen Liebling ausmachen könnte.

Hervorheben muss man allerdings noch mal die Arbeit von Sängerin Jennie. Eine wirklich beeindruckende und weite Spannbreite, die sie da präsentiert. Von Screams über Growls bis zu Klargesang beherrscht sie ihre Stimmbänder ganz gewaltig. Aber gerade in den dominierenden Gesangsteilen ähnelt sie vielen anderen female fronted-Bands. Ein typischer Vergleich wären wohl Evanescence, die zudem mit einer ähnlichen Kombination aus Gesang und harten Klängen reichlich Fans haben. Klar, diese Gesangsstücke klingen schon schön, aber es fehlt einfach das Alleinstellungsmerkmal.

Devilskin (Copyright: Devilskin)

Devilskin (Copyright: Devilskin)

Das findet sich auch nicht in der Instrumentenfraktion wieder. Alle Musiker liefern gute Arbeit ab, besonders Drummer und Jungspund Nic Martin gelingen einige wirklich schöne Beats. Und die Riffs von Nail lassen sich ebenfalls hören – aber auch in diesen Teilen fehlt einfach der Kick zur Eigenständigkeit. Außerdem sind die Gitarren-Soli immer eher ein Glücksspiel – möglicherweise rächt es sich hier, dass die Songs von Sängerin und Bassist geschrieben werden?

Alles in allem lässt sich sagen: Wer Platte 1 mochte, wird auch das mögen. Ein wirklicher Geheimtipp sind Devilskin allerdings noch nicht, dafür fehlt es an Abwechslung und Eigenständigkeit.

Video

Tracklist

01 In Black
02 Mountains
03 Pray
04 Voices
05 Believe In Me
06 F.Y.I
07 Bury Me
08 House 13
09 Grave
10 Animal
11 Limbs
12 Closer
13 We Rise

Details

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Label: Rodeostar Records / Soulfood
Vö-Termin: 11.11.2016
Spielzeit: 48:09

Copyright Cover: Rodeostar Entertainment GmbH



Über den Autor

Ivonne
Ivonne
"Gute Bücher sind Zeitgewinn, schlechte Bücher Zeitverderber, gehaltlose Bücher sind Zeitverlust." - Rosette Niederer