Review

Es fängt schon mit diesem Pressetext an, der die halbe Musikgeschichte der 60er enthält. Wow, toll, und was für Musik macht die Band jetzt? Rock ’n‘ Roll und musikalische Rebellion, den Namen DeSerter kann ich mir auch ohne dreiseitigen Essay erklären.
Das Ein-Mann-Projekt DeSerter fabriziert Synthpop im Stile der 80er. Na, das weckt doch die Neugier in Anbetracht solcher Größen wie a-ha, Camouflage oder Yes.

Das Prinzip hinter „The Good Life“ ist, dass die Musik ganz einfach gestrickt ist, sodass jeder sie nach Belieben nachmachen kann. Das spiegeln auch die Beats wider. Diese sind ok, aber leider auch nicht mehr. Es ist kaum etwas wirklich Spektakuläres dabei. Ab und zu sind da ein paar nette Synthi-Klänge, die man aus verschiedenen Klassikern kennt, aber es fehlt dieser „Wow-Effekt“. Es ist ja schön und gut, wenn die Musik menschlich klingen soll, aber gerade bei einem so geradlinigen Genre will man doch überrascht werden und Ohrwürmer bis ans Ende seiner Tage haben.

Aber so ein Popsong besteht ja nicht nur aus einem Beat, denn üblicherweise gibt es auch Gesang. Und jetzt kommen wir zu der großen Schwäche auf „The Good Life“. Der Gesang ist grundlegend nicht schlecht, aber auch nicht überragend. Leider fallen doch so viele schiefe Töne auf, von der Verständlichkeit der Lyrics ganz zu schweigen. Oft werden die Zeilen geleiert und viel zu lang gezogen. Aber selbst wenn man dann etwas versteht, stellt man die Ohren dann doch lieber auf Durchzug, denn die Texte sind einfach nichtssagend und unkreativ.

Oft hat man das Gefühl, sich das Best-of der „Deutschland sucht den Superstar“-Castings anzuhören. Ernsthaft gemeinter Gesang, den man einfach nicht ernst nehmen kann.

Dieses Genuschel zieht sich so durch die Platte, dass mir erst später aufgefallen ist, dass auch auf Deutsch gesungen wird. Aber wer kann es mir verübeln? Es geht alles in diesem englischen Gemurmel unter, sodass sich selbst das Deutsche einfach nur nervig anhört.

DeSerter (Copyright: DeSerter)

DeSerter (Copyright: DeSerter)

Nach sechs drittklassigen Pop-Songs ist man auch schon kurz davor „The Good Life“ abzuhaken. Doch überwindet man sich dann noch mal, einen Song weiter zu schalten, wird einem „Tomorrow I´ll Be Gone“ auffallen. Mit Abstand der beste Song des gesamten Albums, einer, der den Rest wie ein Intro oder Interlude wirken lässt. Denn dieser Titel hat einen guten atmosphärischen Beat und eine catchy Hook. Kaum zu glauben, aber „Tomorrow I´ll Be Gone“ ist der Song, der auch gerne öfter gehört werden kann. Der Gesang ist hier auch gar nicht so laienhaft, sondern echt kraftvoll und mit verschiedenen gut getroffenen Tonlagen.

Das bringt mich zu dem großen „Warum?“. Warum ist von elf durchschnittlichen bis schwachen Songs nur ein Titel dabei, der dermaßen positiv hervorsticht? „The Good Life“ hinterlässt keinen einzigen Eindruck, dafür ist es einfach zu irrelevant.

Um fair zu bleiben, DeSerter ist ein Newcomer und die Beats sind stellenweise auch ganz nett anzuhören. „Tomorrow I´ll Be Gone“ ist die Richtung, die eingeschlagen werden sollte. Keine politischen, gesellschaftlichen oder sonstigen Pseudotexte. DeSerter sollte sich auf kommerziellen, modernen Pop mit etwas 80er Charme konzentrieren. Das Potenzial ist auf jeden Fall vorhanden, wurde aber mit „The Good Life“ total verschwendet.

Video

Trackliste

01 First World Third
02 Pictures Of Me
03 On A Moonlit Day
04 Weites Land/Great Wide Plain
05 Dreams Of CPUs
06 Those Last Days Of Summer
07 Tomorrow I´ll Be Gone
08 The Human Condition (Die Stadt schläft schon)
09 The Good Life
10 The Art Of Falling
11 First World Third – Edit

Details

DeSerter – Homepage
DeSerter – Facebook

Label: DeSerter Music / Membran
Vö-Termin: 14.11.2014
Spielzeit: 45:41

Copyright Cover: DeSerter Music



Über den Autor

Christopher