Review

Der Rest ist ein Projekt von, mit und um Musiker und Produzent Phil Taraz. Mit „10 Lieder für Freunde“ bringt das Trio nun ihr drittes Album auf den Markt und vergangene Auftritte mit Bands wie den Fliehenden Stürmen, Die Art oder Oswald Henke verraten schon, in welche grobe stilistische Richtung das Ganze geht.

Der Rest selbst ordnet sich dem Postpunk und Chanson zu, zudem weisen sie viele Züge des Alternative Rock auf – doch trotz dieser Eingrenzung ist Der Rest keine Band, die man so einfach in Schubladen stecken kann.
So sprechen die ausnahmslos deutschen Texte und harschen Gitarrenriffs für Deutschrock, und doch will man in dieses Genre einfach nicht reinpassen. Auch die Alternative-Ecke, die Der Rest immer mal wieder schrammt, wird nur im Ansatz dem gerecht, was „10 Lieder für Freunde“ musikalisch zu bieten hat. Daher halten wir uns nicht länger auf mit unnötigen Klassifizierungen, sondern betrachten das Album einmal näher.

„Preludio“ stellt – wie der Name schon vermuten lässt – das Intro zum neuen Album dar. Im Zentrum stehen dabei Gitarren, die sehr roh sowie dunkel gestimmt sind und von zunehmendem Schlagwerk schließlich begleitet werden.
Es ist nicht unbedingt eine Eröffnung, die sofort Lust auf mehr macht, denn eher verstörend und bedrohlich ebnet sich der Klangteppich seinen Weg. Wer es mag … wer nicht, skippt am besten gleich zum nächsten und ersten richtigen Titel weiter, zumal auch das Ende von „Preludio“ äußerst abrupt ausfällt und einen eher schonungslosen Übergang zu „Labyrinth“ liefert.

„Labyrinth“ fällt teilweise – vor allem im Refrain – sehr gut aus, dann (in den Strophen) aber erscheint er gewöhnungsbedürftig.
Der Titel selbst ist geprägt vom Wechsel zwischen klaren, hellen Vocals und gesprochenen düsteren Lyrics. Abermals sind die Gitarren roh ausgefallen, was diesem Song allerdings zugutekommt.

„Es ist seltsam“ zeigt dann einerseits die stilistische Vielseitigkeit von Der Rest auf. Andererseits zieht sich ein immer gleiches Gitarrenthema durch den Song, der auch durch nahezu identische Drumbeats begleitet wird. Die Melodie bringt da vor allem der Gesang in das Lied. Die stumpfe melodische Wiederholung, die man auch in allen anderen Tracks feststellen wird, ist es im Falle von „Es ist seltsam“ aber, die dann doch überzeugen kann. Irgendwie, denn es ist schwer, die Musik von Der Rest in Worte zu fassen; vielmehr spricht sie für sich.

Der Rest (Copyright: Der Rest)

Der Rest (Copyright: Der Rest)

Ein eindringlicher Bass dominiert den Beginn von „Das Universum atmet“ und bleibt auch im weiteren Verlauf konstant und deutlich hörbar; hörbarer und herausragender zumindest als in den Songs zuvor.

„10 Lieder für Freunde“ ist insgesamt ein Album, das recht abwechslungsreich ausgefallen ist, die einzelnen Songs auf ihrer jeweiligen Länge hingegen wirken sehr monoton und eintönig.
Sicher, Der Rest versucht, Emotionen zu erzeugen, durch Musik, Texte und Gesang auszudrücken und an den Hörer zu transportieren, um (nach eigener Aussage) „von bittersüß bis nachtschwarz, von sehnsuchtsvoll bis tief ergründend“ entsprechende Stimmungen zu vermitteln, allerdings ermüdet das Album den Hörer im Gesamtdurchlauf recht schnell. Mehr Akzente, Highlights und effektivere Songaufbauten hätten dagegen ansteuern können. Gute Ansätze liefert diesbezüglich z.B. der Titel „Nichts“. Dass solche Versuche jedoch auch scheitern können, beweist das von Verzerrungen gezeichnete Intro zum Song „Der Autor“, während die Backingvocals in „Dein Lächeln“ dann schon wieder überzeugen können.

Neben „Labyrinth“ ist auch „Die Zeit danach“ ein kleiner Lichtblick im sonst sehr eintönigen Album. Täuschen Der Rest zunächst eine Ballade an, so legt man plötzlich mit Tempo los. Damit liefert das Projekt den ersten Song auf „10 Lieder für Freunde“, bei dem die repetitive Struktur durch die Geschwindigkeit nicht allzu sehr negativ auffällt.

Es bleibt festzuhalten: Die Texte werden mehr erzählt als gesungen. Dabei wird stellenweise mit viel Hall gearbeitet.
Musikalisch und melodisch greift Der Rest immer wieder auf Wiederholungen zurück, was die Spannung des Albums nicht gerade lange aufrecht hält. So kommt auch der Inhalt nicht wie eigentlich wünschenswert, da es sich laut Phil Taraz um ein sehr persönliches und intimes Werk handelt, beim Hörer an.
Stilistisch passt Der Rest also durchaus zu oben genannten Bands, die sie bereits auf Konzerten begleiten konnten, allerdings kann Der Rest mit der Klasse genannter Künstler noch nicht mithalten. Sie sind aber auf einem guten Weg und dürften Fans dieser Bands durchaus ansprechen.

Video

Tracklist

01 Preludio
02 Labyrinth
03 Es ist seltsam
04 Das Universum atmet
05 Dein Schatten
06 Nichts
07 Selbstschutz
08 Die Zeit danach
09 Der Autor
10 Dein Lächeln
11 Ungeliebt

Details

Der Rest – Facebook

Label: morganafilms / ASR / Soulfood
Vö-Termin: 27.06.2014
Spielzeit: 47:02

Copyright Cover: morganafilms



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde