Review

Ein 30-jähriges Bestehen ist Anlass genug, die eigene musikalische Geschichte einmal Revue passieren zu lassen. Bei Deine Lakaien fällt diese Werkschau aufgrund ihres enormen kreativen Outputs so umfangreich aus, dass das Ergebnis gerne schon mal vier CDs umfassen kann. Jene Zusammenstellung (auch in abgespeckter Form als 2CD-Set käuflich zu erwerben) hört auf den Namen „XXX. – The 30 Years Retrospective“ und lässt den interessierten Hörer wie Fan gleichermaßen teilhaben am bisherigen Werdegang der Band von Alexander Veljanov und Ernst Horn.

Das Ganze in Zahlen ausgedrückt, liest sich dann wie folgt:
10 Albumveröffentlichungen in 3 Dekaden, wovon nun 10 unveröffentlichte Songs (von 1992 bis 2016), 5 unveröffentlichte Remixes (von 1991 bis 2016), 15 unveröffentlichte Live-Aufnahmen (von 1992 bis 2015) sowie 29 Best-of- und Rare-Tracks (von 1986 bis 2014) ihren Platz auf „XXX. – The 30 Years Retrospective“ gefunden haben. Das macht zusammen eine Spielzeit von knapp 4 Stunden und 40 Minuten, die den Hörer von Altbewährtem über Neu-Arrangiertes bis hin zu Livegenüssen führen und ihn so auf eine Reise schicken, die gelungen Einblick in das bisherige Tun der Band gibt.

Während des Trips stößt man auf kleine Raritäten, vor allem aber auf große Klassiker der Band, die damit nicht selten auch maßgeblich die „Schwarze Szene“ geprägt hat. Gleichzeitig spiegelt „XXX. – The 30 Years Retrospective“ die Experimentierfreudigkeit und Kreativität des Duos wider.

Gut und übersichtlich strukturiert nach „Best of 1“ (CD 01), „Best of 2“ (CD 02), 12 unveröffentlichte Songs/Remixe, 2 „Rare Tracks“ (CD 03) und „Live mit Band und „acoustic“, alles (außer Nr. 7) ebenfalls unveröffentlicht“ (CD 04) hat man die freie Wahl, wie und was man von Deine Lakaien konsumieren möchte. An Songs mangelt es hier jedenfalls nicht.

Und auch an der Qualität der Titel kann man nichts kritisieren. Während man die Best-of Tracks bereits kennt und scheinbar zeitlose Hits wie „Love Me To The End“, „Dark Star“, „Into My Arms“ – die Liste ließe sich beliebig fortführen und einige der Songs wurden zudem als Single veröffentlicht und konnten Chartpositionen verzeichnen – immer wieder hören kann, wurde auch perfekte Arbeit hinsichtlich der neuen oder erstmalig abgemischten Songs (zu hören auf CD 03) geleistet. Einzig einige der Live-Aufnahmen könnten den individuellen Geschmack des Hörers insofern fordern, da sie zwar eine großartige Liveatmosphäre mit sich bringen und in der Mehrheit überzeugen, die knarzende Elektronik jedoch hin und wieder derart dominiert, dass das eigentlich gefühlvolle Klangbild eines Songs ge- oder gar zerstört wird. Als Beispiel sei hier die Aufnahme des Tracks „Lonely“ vom 1992er Auftritt in der Markthalle in Hamburg genannt (zu finden auf CD 4, Song Nr. 6).

Scheint bei dieser Aufnahme der avantgardistische Zug der Band (ob gewollt oder durch Sounddefizite versehentlich) stark ausgeprägt, versteht es Alexander Veljanov auch in diesem Fall, den Hörer mit seiner ausdrucksstarken Gesangsstimme zu packen, zu fesseln und zu berühren, wodurch alles andere zur Nebensache wird und jegliche Kritik im Sande verläuft.
Kombiniert mit mal melancholischen, mal tanzbaren, mal experimentellen oder mal hochgradig emotionalen Melodien, sorgt Veljanovs Stimme für das gewisse Etwas, das nicht nur Aushängeschild von Deine Lakaien, sondern auch dramatischer Akzent, stimmungsvoller Richtungsgeber, Intentionsuntermaler und Alleinstellungsmerkmal ist.

Deine Lakaien (Copyright: Deine Lakaien)

Deine Lakaien (Copyright: Deine Lakaien)

Weiß man um Deine Lakaiens Liebe und Leidenschaft zur Musik, steht außer Frage, dass sie zum 30-jährigen Jubiläum locker neues Material aus dem Ärmel hätten schütteln können. Stattdessen servieren sie einen gelungenen Rundumschlag ihres bisherigen Schaffens – und besser oder umfangreicher hätte man jenen nicht gestalten können.
Fans greifen zu, während Interessierte hiermit einen perfekten Einblick in die Bandbreite der Band bekommen, die schnell dafür sorgen wird, aus Interessierten ebenfalls Fans werden zu lassen.

CD 01 – Tracklist

Best of 1
01 Colour-ize (Album „Deine Lakaien“)
02 Love Me To The End („1987“)
03 Reincarnation („1987“)
04 Dark Star („Dark Star“)
05 Lonely ( Mini Album „2nd star“)
06 Mindmachine („Forest Enter Exit“)
07 Away („Winter Fish Testosterone“)
08 Return („Kasmodiah“)
09 Into My Arms („Kasmodiah“)
10 Where You Are („White Lies“)
11 Over And Done („April Skies“)
12 One Night („Indicator“)
13 Gone („Indicator“)
14 Farewell („Crystal Palace“)
15 Where The Winds Don’t Blow („Chrystal Palace“)

CD 02 – Tracklist

Best of 2
01 Wasted Years („Deine Lakaien“)
02 Forest („Forest Enter Exit“)
03 Follow Me („Forest Enter Exit“)
04 Madiel ( Single „Mindmachine“)
05 2nd Sun ( Sampler „Five Years of Zillo“)
06 Fighting The Green („Winter Fish Testosterone“)
07 Manastir Baroue („Winter Fish Testosterone“)
08 The Game („Kasmodiah“)
09 Generators („White Lies“)
10 Wunderbar („White Lies“)
11 Vivre („April Skies“)
12 Nevermore („Crystal Palace“)
13 Colouri-ze, 2nd Version [Remix]
14 Kasmodiah, 2nd Version [Remix]
15 Love Me To The End (Romeo And Juliet) [Remix]

CD 03 – Tracklist

12 unveröffentlichte Songs/Remixe, 2 „Rare Tracks“
01 It’s Alright, Ma (Bob Dylan/Cover, 1999)
02 Revolution (unreleased, 2002)
03 What’s On Your Mind (unreleased, 2014)
04 Black Cat (unreleased, 2014)
05 Night Of Love, 2nd Version [Remix, 1991]
06 Robots (unreleased, 2004)
07 The Joint Of God (unreleased, 1992)
08 In The Land Of („Indicator Special EP“, Sonic Seducer, 2010)
09 Along Our Road, 2nd Version [Remix]
10 On Your Stage Again, 2nd Version (Remix, „Indicator Special EP“, Sonic Seducer, 2010)
11 Frozen Screams (unreleased, 2013)
12 Syndicate (unreleased,2014)
13 One By One (unreleased, 2014)
14 Travelling Through The Dark (unreleased)

CD 04 – Tracklist

Live mit Band und „acoustic“, alles (außer Nr. 7) unveröffentlicht
01 Fight (Kiel, MAX, 1999)
02 Cupid’s Disease (München, Muffathalle, 1999)
03 Gone (Warsaw, Progresja Music Zone, 2015)
04 Europe (Warsaw, Progresja Music Zone, 2015)
05 Lass Mich (Kiel, MAX, 1999)
06 Lonely (Hamburg, Markthalle, 1992)
07 Where The Winds Don’t Blow (Warsaw, Progresja Music Zone 2015)
08 Pilgrim (Leipzig, Werk2-Kulturfabrik, 2015)
09 Generators, acoustic (Berlin, Lukaskirche 2001)
10 Cupid’s Disease, acoustic (Berlin, SFB Sendesaal, 2010)
11 Frühlingstraum, acoustic (Ludwigsburg, Scala, 1995)
12 Reincarnation, acoustic (Bremen, Schauburg, 1992)
13 Days Gone By, acoustic (München, Prinzregententheater, 1992)
14 On The Way To Narmada (München, Prinzregententheater, 1992)
15 Bells Of Another Land (Berlin, Volksbühne, 1992)

Details

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Label: Chrom Records / Soulfood
Vö-Termin: 21.10.2016
Spielzeit: 68:02 + 71:29 + 65:08 + 75:21

Copyright Cover: Chrom Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde