Review

EarMusic befördert Fans von Deep Purple bereits seit einiger Zeit zurück in die Vergangenheit. Im Rahmen ihrer Deep Purple Overseas-Live-Serie, die bereits die Veröffentlichungen „Copenhagen 1972“, „Stockholm 1970“, „Paris 1975“, „Graz 1975“ und „Long Beach 1971“ vorweisen kann, werden nun weitere rare Livemitschnitte in Form von „Live in Long Beach 1976“ veröffentlicht.

Hält die Tracklist der Doppel-CD auf den ersten Blick noch keine großen Überraschungen parat, dürfte die Tatsache, dass hier das Deep Purple MK IV Line-up (namentlich Bolin, Coverdale, Hughes, Lord, Paice) am 27. Februar 1976 in der Long Beach Arena in Kalifornien am Werke war, das Reissue insbesondere für Sammler attraktiv werden lassen. Entsprechend finden Hörer hier viel Songmaterial des zwölften Albums „Come Taste The Band“ vor sowie einen Titel von Bolins Soloalbum „Teaser“ und natürlich der nicht fehlen dürfende Klassiker „Smoke On The Water“.

Die Spielzeit des Doppelalbums kann sich trotz der insgesamt nur zwölf Songs sehen respektive hören lassen, enttäuscht wird man jedoch im Verlauf der beiden Silberlinge im Bonusbereich auf eine ähnliche Setlist stoßen. Die doppelten, wenn auch in anderen Variationen dargebotenen Titel „Smoke On The Water“ und „Highway Star“ (in der zweiten Fassung aufgenommen während derselben Tournee in Springfield) wirken im Gesamtkontext der Veröffentlichung lückenfüllerartig, sodass vor allem bei den nicht eingefleischten Fans hier Skipgefahr besteht.

Musikalisch fällt „Live in Long Beach 1976“ jedoch durchaus wiedererkennungswürdig aus. Die bewährten Deep Purple Trademarks wie ein prägnantes Orgelspiel oder verspielte Gitarrensoli wurden akustisch gut in Szene gesetzt, und auch die zu hörenden Zuschauerreaktionen beweisen, dass die Band hier damals einiges richtig gemacht hat.
Schade nur, dass der Konsument daheim lediglich mit der reinen Akustik vorliebnehmen muss. Immer wieder erzeugen die ausgedehnten Soloparts (oder stellenweise auch jene Passagen, in denen vollkommene Ruhe herrscht) den Wunsch, auch visuell am Geschehen teilhaben zu können, um Stimmung und Liveperformance nachempfinden zu können. So wirkt „Lazy“ während seiner langen Synthi-Effekt- und Gitarrensolo-Phase ohne Bildmaterial auf Dauer doch ziemlich anstrengend und auch im bewährten „Smoke On The Water“ passiert (so ganz ohne bildhafte Eindrücke) partiell mitunter gar nichts.

Deep Purple (Copyright: Deep Purple)

Deep Purple (Copyright: Deep Purple)

Dafür – und dies ist gleichzeitig eindeutig eine Frage des eigenen Geschmacks – wird stimmlich einiges geboten. So duelliert sich der hohe Gesang in „Getting Tighter“ beispielsweise mit den schrillen Gitarren, während „Smoke On The Water“ ebenfalls mit gellender Kopfstimme und Screams versehen wurde. Damals als hohe Kunst gefeiert, könnte dies heute in der dargebotenen Form auch schon mal für Kopfschmerzen sorgen.

Deep Purples „Live in Long Beach 1976“ kann man haben, muss man aber nicht. Sammler und Die-hard-Fans werden Gefallen an der Besetzung mit Tommy Bolin finden, die die Veröffentlichung gleichzeitig zu einem netten Erinnerungsstück werden lassen könnte. Weitere Besonderheiten findet man hier aber nicht vor.

Tracklist

CD 01
01 Intro
02 Burn
03 Lady Luck
04 Getting Tighter
05 Love Child
06 Smoke On The Water / Georgia On My Mind
07 Lazy
08 Homeward Strut

CD 02
01 This Time Around
02 Owed To G
03 Guitar Solo Tommy Bolin
04 Stormbringer
05 Highway Star
06 Smoke On The Water / Georgia On My Mind (Bonus; Live in Springfield 1976)
07 Going Down (Bonus; Live in Springfield 1976)
08 Highway Star (Bonus; Live in Springfield 1976)

Details

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Label: earMusic / Edel
Vö-Termin: 29.04.2016
Spielzeit: 64:18 + 60:35

Copyright Cover: earMusic



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde