Review

Das Duo Deep Black aus Berlin präsentiert sein Debütalbum „Nails“ und die erste Frage, die sich stellt, lautet: wo lassen sich die Mannen namens Cain & K. Tonga stilistisch verorten?

Während sich der Infotext zu „Nails“ diesbezüglich mit alles und nichts bedeutenden Beschreibungen wie „düstere Melodien“ und „heavy Grooves“ noch eher bedeckt hält, gehen Deep Black selbst auf ihrer Facebookseite weniger sparsam mit Genrezuordnungen um, denn dort ist die Rede von „Dark / Experimental / Progressive / Goth Rock“. Entsprechend soll der Name des Zweiergespanns wohl Programm sein, und in der Tat dominiert eine positive ‚tiefe Schwärze‘ auf „Nails“, die der genannten Ausrichtung zudem eine hörbare Portion (Dark)Wave beimischt. Durch die Schnittmenge dieser Stilelemente profitiert das Album vor allem in Sachen Atmosphäre.

Die Mehrheit der Titel auf „Nails“ klingt dabei wie ein zwangloses Gejamme, bei dem gewollt Songstrukturen auf der Strecke bleiben, um vielmehr die progressiv-experimentelle Seite des Projekts zu betonen. Das bringt den betreffenden Tracks eine gewisse Gelassenheit ein, die in ihrer chillig-düsteren Aufwartung das eine oder andere Mal an Fields of the Nephilim und The Cure („Them“) erinnert.
Unterstützt wird dieser Eindruck durch eine schön natürlich gehaltene Produktion, welche die Dichte der Songs unterstreicht.

Ab und an blitzen neben den experimentellen und progressiven Einlagen zudem Melodien hervor, die sofort packen und den Titeln eine deutlichere Richtung geben, sodass jene dann auch im Ohr des Hörers bleiben. Von solchen Songstrukturen und Momenten, wenngleich sie dem experimentellen Freigeist der Band zu widersprechen scheinen, hätten es auf „Nails“ gerne mehr sein dürfen.

Stattdessen beschränken sich Deep Black immer wieder auf repetitive Phasen im Düster-Groove, die vor allem in den Abschlusstracks „This Road“ (nahezu über die Hälfte seiner Spielzeit unplugged gehalten) und „Truth And Failure“ zu lang vor sich hin treiben, ohne die Spannung halten zu können. Kürzungen wären diesbezüglich ratsam gewesen, um an die Stärken der ersten Tracks auf „Nails“ anzuknüpfen.

Deep Black (Copyright: Deep Black)

Deep Black (Copyright: Deep Black)

Die Instrumentierung wird insbesondere in den Introsequenzen der Tracks reduziert, um den Gesang in den Vordergrund zu stellen. Ein Merkmal von Deep Black, das immer wieder hörbar ist. Dabei könnte oftmals jedoch eher von einem Rezitator als von einem Sänger die Rede sein, denn passend zum tragenden Tempo der Titel werden die Songtexte mehr gesprochen als gesungen. Dies muss man mögen, es bringt den Songs aber gleichzeitig auch das gewisse Etwas ein, das wiederum der Stimmung dient.

Während „Deep Black – Nails“ als Suchbegriff bei Google sicherlich floppen wird, stößt man dabei doch eher auf pechschwarz lackierte Fingernägel statt auf die Band aus Berlin – (kein allzu cleverer Schachzug, um den Bekanntheitsgrad zu erhöhen) -, mausert sich das Album der zwei Mannen immerhin nach mehrmaligem Hören zu einer empfehlenswerten Scheibe, dessen Bewertung Freunde von Fields of the Nephilim und gitarrendominierten Darkwaves gerne einen Stern hinzuaddieren dürfen.
Hätten Deep Black auf die Noise-Einschübe in Form der skipable Tracks „Spring“, „Autumn“ und „Winter“ verzichtet, die das Album weder vorantreiben noch bereichernd wirken, auch wenn sie schließlich solide in die jeweils nachfolgenden Titel überleiten, und darüber hinaus einige ihrer Songs in ihrer Länge derart gekürzt, dass sie eher auf den Punkt gekommen wären, dann hätten auch wir noch einen weiteren Stern für das Duo springen lassen. So aber bleibt ein positiver Gesamteindruck für ein Album, das im Laufe seiner Spielzeit allerdings ein wenig an „Biss“ verliert.

Video

Tracklist

01 Nephilim
02 Spring
03 Them
04 Nails
05 Year Of The Lamb
06 Autumn
07 Like You
08 Some Day
09 Winter
10 I Will
11 This Road
12 Truth And Failure

Details

Deep Black – Facebook

Label: Ván Records / Soulfood
Vö-Termin: 28.08.2015
Spielzeit: 47:37

Copyright Cover: Ván Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde