Review

Deconstructing Sequence wird auf Anhieb niemandem etwas sagen. Es verstecken sich hinter diesem Projekt zwei ehemalige Bandmitglieder von Northwail; im Grunde eine Black Metal Band, die durch einen progressiven Einschlag ein wenig aus der grauen Masse herausstechen konnte. Morph und Tiberius, so die Namen der beiden, wollten etwas mehr in die extreme und avantgardistische Richtung gehen und schauen, wohin dies führt. Tja, geführt hat es zur vorliegenden EP „Access Code“.

Sehr interessant ist, dass sich auf der Platte lediglich zwei Songs befinden. Der eine oder andere fragt sich jetzt natürlich: Warum sollte man dafür Geld ausgeben?
Ganz einfach: Die beiden Songs sind zusammen 16 Minuten lang und vollgestopft mit grandiosem Material.

Morph und Tiberius (Copyright: Deconstructing Sequence)

Morph und Tiberius (Copyright: Deconstructing Sequence)

„A Habitable World is Found“ startet zunächst mit einem kleinen Einspieler. Kurz darauf legen Deconstructing Sequence aber los. Die Riffs klingen ziemlich spacig und das Schlagzeug kracht mit schneller Doublebass und groovigem Beat nur so in den Song. Synthis in Form von chorartigem Gesang bringen die nötige Stimmung in den Song.

Das Grundtempo bleibt schnell und wird noch progressiver, denn das haben sich die beiden Jungs ebenfalls auf die Fahne geschrieben. Es ist aber kein Technical Death, sondern eher Prog wie ihn zum Beispiel Dream Theater machen, der auf unsere Ohren trifft.

Abwechslung bringt der Gesang in Form von brutalen Death Metal Vocals, aber auch klarer Gesang, der teilweise geflüstert wird, ist auszumachen. Es erwartet uns kein Kindergesang, sondern eine männliche intensive Stimme. Ich persönlich bin kein Fan davon, aber es wirkt.

Der Einsatz der Synthesizer ist dem avantgardistischen Anspruch geschuldet. Kann das überhaupt im extremen Metal funktionieren? Und ob, Morph und Tiberius wissen diese beiden Elemente zu verbinden.

Die grandiose Schlagzeugarbeit kommt übrigens von Jaroslaw Jablonski, der jedoch nur als Session Drummer behilflich war, dennoch aber sein ganzes Können abgerufen hat. Man kann hier nichts hinzufügen, denn sie ist einfach klasse.

Der zweite Songs „We have the Access Code“ beginnt – was die Gitarren angeht – ziemlich konfus. Der folgende Blastbeat bringt ein wenig Klarheit rein. Die Art ihrer Riffs ist ziemlich technisch und man fragt sich, wie sie auf solche Ideen kamen. Leider ist dieser Songs streckenweise schlecht gemixt, sodass es zu Überlagerungen zwischen allen Instrumenten kommt.

Session Drummer Jaroslaw Jablonski (Copyright: Deconstructing Sequence)

Session Drummer Jaroslaw Jablonski (Copyright: Deconstructing Sequence)

„Access Code“ bietet mit seinem zweiten Stück ein wenig mehr Black Metal, was die Fans ihrer vorherigen Band Northwail freuen wird. Dazu gesellt sich ein sehr deathmetallischer Klang inklusive progressiver Keyboardarbeit.
Leider kann „We Have the Access Code“ nicht so überzeugen, wie es „A Habitable World is Found“ schafft, allerdings fügt er sich gut in das Konzept ein und kracht mit seinen über acht Minuten durch die Lautsprecher.

Fazit: Deconstructing Sequence haben „Access Code“ in Eigenregie produziert und das merkt man der EP auch an. Ab und an ein paar Unstimmigkeiten und Überlagerungen verringern den Spaß beim Hören. Was die beiden Jungs hier allerdings erstellt haben, ist grandios. Trotz einer Laufzeit von gerade mal 16 Minuten sind die beiden Songs so dermaßen vollgestopft mit guten Ideen und Innovationen, dass man seit langem mal wieder das Gefühl hat, etwas Neues und Frisches in den Händen zu halten. Das Tempo ist schnell, die Gitarrenarbeit sauber und auch nach dem fünften Durchlauf stellen sich keine Ermüdungserscheinungen ein.
Wer gerne über den Tellerrand im extremen Metalbereich schaut, sollte hier unbedingt reinhören und die Jungs in irgendeiner Form unterstützen. Da kommt etwas Großes auf uns zu.

Video

Tracklist

01  A Habitable World is Found
02 We Have the Access Code

Details

Deconstructing Sequence – Facebook

Label: Self Release
Vö-Termin: 12.08.2014
Spielzeit: 16:05

Copyright Cover: Deconstructing Sequence



Über den Autor

Marcus
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