Review

Vogg legt endlich wieder Hand an! Nicht an sich selbst, sondern an seine Gitarre.
Drei Jahre ist es her, dass wir eine Neuveröffentlichung aus dem Hause Decapitated in den Händen halten bzw. durch die Boxen blasen konnten. Mit „Blood Mantra“ melden sie sich zurück. Im Gepäck auch einen neuen Drummer. Michal Lysejko übernimmt ab sofort die Kessel, die schon immer die Musik von Decapitated definierten. Lysejko tritt in die Fußstapfen von Krimh, jener wiederum löste damals Vitek an den Drums ab. Leider ist Krimh nun also nicht mehr dabei, was ich sehr bedauere, denn seine Arbeit auf „Canival is Forever“ war klasse.

Laut Aussage von Vogg ist das neue Material das härteste, was Decapitated je geschrieben haben. Den Spruch kennt man leider schon von zu vielen, als dass man so etwas noch ernst nehmen könnte. Aber ist „Blood Mantra“ denn nun der heiß ersehnte große Wurf?

Brutalität haben Decapitated schon immer in ihren Songs verbaut. Fräsende Gitarren hört man auch jetzt wieder.
Der Sound ist sehr natürlich und groovt schön. Vogg ist so oder so ein Groover. Die Riffs müssen nicht ausgefallen sein, aber im Zusammenspiel mit dem Schlagzeug wirken sie erst so richtig. „The Blasphemous Psalm To The Dummy God Creation“ ist so ein Beispiel. Der Song besteht nur aus Rhythmik-Riffs und agiert mit den Drumlinien, die ebenfalls ziemlich einfach gehalten sind.

Bedauerlicherweise muss man feststellen, dass die meisten Songs so aufgebaut sind. Recht belanglose Death Metal Riffs treffen auf Skank Beats und viele Blastsbeats. Rafals Gesang darunter ist leider zu flachbrüstig, um eine wirklich brutale Stimmung zu erzeugen. Da hatte Covan deutlich mehr Eier. Und so groovt ein Song wie der Titeltrack „Blood Mantra“ beispielsweise ordentlich daher, allerdings bleibt der Wouh-Moment aus. Alles ist so vorhersehbar, man findet keine Überraschungen wie damals auf „Organic Halucinosis“. Wo ist der Spirit der alten Platten hin? „Carnival is Forever“ hatte leider auch schon diesen gewissen Grad an Monotonie. „Blood Mantra“ ist daher keine Weiterentwicklung, sondern eine Stagnation, sodass die Scheibe auch „Carnival is Forever 2“ hätte heißen können.

Decapitated (Copyright: Decapitated)

Decapitated (Copyright: Decapitated)

Positiv fällt die Produktion ins Gewicht. Seit der letzten CD klingen Decapitated deutlich natürlicher.

Das Schlagzeug wird nicht totgetriggert und der Rest der Instrumente bildet eine homogene Masse, sodass die Songs an sich gut klingen, jedoch viel Potenzial verlieren. Ab und an verirren sich richtige Melodielinien in die Songs. Das ist schon fast neu und ein kleiner Lichtblick. Erinnert etwas an Melodic Death Metal mit deutlich mehr Death Metal Anteil. Einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es also doch. Nur sind diese Momente zu selten. Der Kopf kreist zwar mit, aber die vorherrschende Euphorie ist dahin.

Fazit: Decapitated veröffentlichen mit „Blood Mantra“ ein solides Album. Die Songs sind gut und machen die ersten paar Male Spaß, aber es handelt sich eben nicht um den großen Wurf, den wahrscheinlich viele erwartet haben. Zudem sieht man keine Weiterentwicklung, sondern eher eine Band, die sich mit ihrem aktuellen Stil treu bleibt. Keine Frage, die Platte wird Erfolg haben und funktionieren, dennoch fehlt der Decapitated-Spirit, den die Band sich aufgebaut hat. Damals galten sie noch als Technical Death Metal Band. Wo ist das denn hin? Kein Technical soweit das Auge sieht. Vielleicht sind sie auch einfach im Mainstream angekommen und öffnen sich einem größeren Feld an Hörern. Ich für meinen Teil hätte mehr erwartet und gehe jetzt „Nihility“ und „The Negation“ hören.

Video

Tracklist

01 Exiled in Flesh
02 The Blasphemous Psalm To The Dummy God Creation
03 Veins
04 Blood Mantra
05 Nest
06 Instinct
07 Blindness
08 Red Sun

Details

Decapitated – Homepage
Decapitated – Facebook

Label: Nuclear Blast
Vö-Termin: 26.09.2014
Spielzeit: 39:43

Copyright Cover: Nuclear Blast



Über den Autor

Marcus
Marcus