Review

Deadlock sind eine Institution im deutschen Metalcore-/Melodic Death Metal-Bereich geworden. Über die Jahre konnten sie zahlreiche Fans gewinnen und waren ziemlich angesagt. In dieser Zeit passierte jedoch eine Menge und bedenkt man, was der Band – allein an persönlichen Schicksalsschlägen – in den letzten Jahren widerfahren ist, ist es schwer vorzustellen, dass es das Projekt nicht vollständig zum Erliegen gebracht hat. Doch Deadlock rappelten sich auf und sind mit neuem Drummer und neuer Frontfrau sowie neuem Bassisten am Start. Gibt es mit dem aktuellen Album „Hybris“ somit auch musikalisch einen Wandel?

Mit neuer Kraft bleibt das Interesse an Intros aus. „Epitaph“ startet ohne Umwege im groovigen Schweden Metal-Gewand. Fronter John brüllt sich die Seele aus dem Leib; leider wirkt das für mich schon seit Jahren etwas aufgesetzt und erzwungen, dennoch passt es zum sehr modernen Stil der Band.
Margies Stimme wird durch einen sehr klaren Gesang dominiert, der ohne Kratzen oder richtigem Charakter um die Ecke kommt. Das soll nicht heißen, dass sie schlecht ist, sondern eher, dass man keinen nennenswerten Wiedererkennungswert hat. Bei Vorgängerin Sabine war das wiederum noch anders. Margies Platz ist natürlich kein leichter und vielleicht ändert sich der Eindruck zum nächsten Album. Immerhin: in „Wrath-Salvation“ gibt es nichts an den Gesangslinien von Margie auszusetzen, allerdings hätten die folgenden Gangshouts nicht sein müssen und zerstören dieses melancholische Duo etwas.

Dank starkem Death Metal-Einfluss und Gitarren-Tuning weit unter der Gürtellinie sticht „Carbonman“ aus der Masse hervor, denn in diesem Track kauft man der Band die Gefühle und die Leidenschaft auch wirklich ab. Da ist hier mal ein schönes Gitarrensolo, wenn auch etwas schief, und da mal eine gute Gesangslinie. Eben ein solides Gesamtpaket.

Liest man den Pressetext, so wird Schlagzeuger Werner als „Wunderkind“ betitelt, er bedient auf jeden Fall sämtliche Metalcore-Klassiker. Die Doublebass läuft sauber durch („Berserk“, „Hybris“), Skank Beats und breakdownartige Pattern werden ebenfalls abgeliefert, aber so richtig fehlt da der Drang zum anders sein. Ein solider Drummer ist schön und gut, aber ein wenig mehr Spielerei wünscht man sich schon von einem „Wunderkind“.

Vor allem die Songs „Blood Ghost“ und „Hybris“ kann man nur wärmstens empfehlen. Ein Hauch von Periphery-Intro und Metalcore aus 2006 herrschen vor. Alle Bandmitglieder spielen ihre Stärken aus und klingen dabei mal nicht aufgesetzt, sondern viel stärker nach Komposition und Gemeinschaft. Mit neuen Mitgliedern muss sich das erst einspielen, daher sind „Blood Ghost“ und „Hybris“ schon ein guter Schritt in die richtige Richtung. Gerade „Hybris“ erinnert mich an As I Lay Dying der früheren Tage sowie Caliban auf ihren früheren Platten – nur dass Deadlock ihre eigene Note mit einbringen, die zudem gegen klassische Breakdowns geht und somit schon mal einen Pluspunkt erhält.

Passend zum modernen Songwriting ist der Plattensound sehr frisch und kraftvoll produziert. Leider fehlt es des Öfteren an Druck und Intensität. Man will es der Band ja abkaufen, aber sie schaffen es nicht durchgängig.

Deadlock (Copyright: Severin Schweiger)

Deadlock (Copyright: Severin Schweiger)

„Ein Deutsches Requiem“ ist dem verstorbenen Drummer Tobias Graf gewidmet und ein ganz schönes Monster mit klassischem Gesang, was zum besagten Thema wie die Faust aufs Auge passt. Hier gibt es nichts zu meckern, denn allein die Idee sollte jedem eine Träne in die Augen treiben.

Hat man „Hybris“ durch, bleibt nicht viel übrig. Wie bereits beschrieben hat das Album seine Momente und besitzt wirklich gute und gefühlvolle Songs, doch das Werk verkommt durch den Metalcore-Anteil zu einer Platte aus dem Jahr 2006 und früher. Viele Riffs sind einfallslos und wirken eher als Lückenfüller. Dennoch muss man der Band größten Respekt zollen. Viele Musiker zerbrechen verständlicherweise an derartigen Schicksalsschlägen, wie sie Deadlock erleben mussten, doch sie geben weiterhin Gas und das ist gut so. Vielleicht werden die nächsten Platten wieder richtige Kracher, sobald sich das neue Team richtig gefunden hat. Zu wünschen wäre es.

Video

Tracklist

01 Epitaph
02 Carbonman
03 Berserk
04 Blood Ghost
05 Hybris
06 Wrath – Salvation
07 Backstory Wound
08 Ein Deutsches Requiem
09 Vergebung
10 Welcome Deathrow

Details

Deadlock – Homepage
Deadlock – Facebook

Label: Napalm Records
Vö-Termin: 08.07.2016
Spielzeit: 49:38

Copyright Cover: Napalm Records



Über den Autor

Marcus
Marcus