Review

Wenn Musik lautmalerisch erklingen soll, bedarf es eigentlich nicht allzu vieler Dinge, wie die Band Dead Leaf Echo auf ihrer Platte „Thought & Language“ beweist. Neben ihren Indie-Rhythmen schweben die Mitglieder mit ihren Instrumenten über den Wellen des Shoegaze. Hier wird sich auch mal sehr viel Zeit für einzelne Passagen innerhalb der Songs genommen.

Auf der Rückseite des Albums ist ein seichter Wellengang abgebildet. Tatsächlich würde kein anderes Bild „Thought & Language“ besser beschreiben als dieses. Die Musik von Dead Leaf Echo bahnt sich ihren Weg an den Strand der Gehörgänge, während sie sich im gleichen Moment wieder zurückzieht.

An den verträumten Sound wie in „Kingmaker“ oder „Child“ wird man sich gewöhnen müssen, da man hier mit luftigen Riffs und effektvollen Drums immer mal wieder abhebt.
Doch die Gewohnheit wird sich schnell einstellen, was nicht zuletzt auf den prägnanten Gesang zurückzuführen ist. Die Texte werden hier fast nur in Richtung Mikrofon gehaucht, aber die Stimme hat etwas Fesselndes an sich, was den Hörer nicht mehr loslässt. Zwischendurch mischt sogar weiblicher Hintergrundgesang zur Abrundung des Ganzen mit. Vor allem ist es jedoch die Kombination aus umherschwirrenden Gitarren, die nur ab und zu mal ein kräftigeres Riff durchlassen, und dem atmosphärischen Organ, die den Hörer sanft in ihrem Sound wiegt.

Dennoch muss man damit rechnen, diesem Muster eine Stunde lang zu lauschen. Zwar schweifen Dead Leaf Echo manchmal von diesem Schema ab, aber diese Ausschweifungen bleiben letztlich nicht mehr als Ansätze. Gegen Ende verschwimmt „Thought & Language“ ein wenig in Monotonie und man merkt gar nicht, wie die Songs an einem vorbeirauschen. Damit etwas hängen bleibt, muss man sich so manches Mal schon ein wenig mehr auf einen Titel konzentrieren.

Dead Leaf Echo (Copyright: Dead Leaf Echo)

Dead Leaf Echo (Copyright: Dead Leaf Echo)

Hat der Hörer es aber geschafft, sich zu fokussieren, begrüßt die Band mit einer Art verzweigten Pop – immer etwas exzentrisch und kaum fassbar, aber dennoch im Unterbewusstsein ansprechend. Zudem kann man sagen, dass der Sound stets sehr voll wirkt. Irgendwo erklingt demnach immer irgendetwas und so scheint der Vibe dieser Platte nie stillzustehen; fast so, als würden die Echos vergangener Töne auch minutenlang danach noch durch den Song schwirren.

Von der Musik auf „Thought & Language“ kann man sich buchstäblich treiben lassen, so dicht und doch beweglich ist sie. Für Shoegaze-Fans ein absolutes Muss, da einem hier eine Menge davon offenbart wird, was man an dem Genre lieben gelernt hat. Aber auch ungeschulte Ohren sollten sich dieses Werk mal zu Gemüte führen, es ist auf jeden Fall eine Erfahrung wert.

Video

Trackliste

01 Conception
02 Kingmaker
03 Featherform
04 Internal
05 Language Of The Waves
06 Memorytraces
07 Birth
08 Child
09 Thought
10 Dream Of The Soft
11 Heavensent
12 Gesture
13 She Breathes
14 Birthright
15 Flowerspeak
16 Language

Details

Dead Leaf Echo – Homepage
Dead Leaf Echo – Facebook

Label: Reptile Music / Altone
Vö-Termin: 01.04.2016
Spielzeit: 68:37

Copyright Cover: Reptile Music



Über den Autor

Christopher