Review

Mit ihrem ersten Album „This Should Work“ konnte die Wiener Band DAWA schon einige Kritiker von sich überzeugen. Jetzt legen sie mit „Psithurisma“ nach und präsentieren auch darauf ihre sehr eigenständige Singer-Songwriter-Musik, welche die Band selbst als „Acousticcellofolksoulpop“ oder aber auch als „Akustik-Cello-Folkrock mit Beat, 2 Stimmen und Hüten“ bezeichnet.

Diese Beschreibungen treffen es auch schon ganz gut, und doch lassen sich DAWA in keine richtige Schublade pressen.
Sicherlich bedient sich das Quartett an Elementen der genannten Genres, „Psithurisma“ ist aber mehr als nur das Resultat dieser stilistischen Mixtur. Das Album besitzt eine Seele und reinigt zugleich die ihrer Zuhörer.

Wie es das tut? Indem DAWA in jeder Hinsicht auf Reduktion setzen, ohne ein Fundament in jedem Track vermissen zu lassen.
So setzt sich die Musik der Wiener hauptsächlich zusammen aus einer Gitarre, Percussions mittels eines Cajon, einem Cello und natürlich dem Gesang, bestehend aus einer männlichen und weiblichen Stimme, die beide perfekt miteinander harmonieren, auch wenn man der Ansicht sein kann, dass der männliche Gesang komplett ausreichen würde, um die Songs zu tragen und ihnen Lebendigkeit einzuhauchen.

Die Stimmung auf „Psithurisma“ ist oftmals entsprechend ruhig, wirkt nachdenklich und regt gleichsam zum eigenen Nachdenken an.
Zudem wird auch das Tempo in der Mehrheit der Songs zurückgenommen.

An mehreren Stellen fällt „Psithurisma“ derart „ruhig“ aus, dass man geneigt ist, die Lautstärke höher zu drehen, um an der Atmosphäre des Silberlings teilhaben zu können. Daher empfiehlt es sich sogar mehr noch, zu Kopfhörern zu greifen, um die teils zaghaften Töne in ihrer gesamten Schönheit und Klarheit wahrzunehmen und um ganz in die Welt von DAWA eintauchen zu können.

Schafft man dies, lassen die ruhigen Tracks u.a. folgende Assoziationen zu: Es ist Herbst, man hört förmlich den Wind durch die noch wenigen am Baum hängenden Blätter rauschen (hier schließt sich auch der Kreis zur Titelgebung, denn das altgriechische Wort „Psithurisma“ bedeutet so viel wie „Blätterrauschen“), braune Farben dominieren die Landschaft.
Klar wird dabei, dass DAWA nicht unbedingt eine Band ist, die ihren Platz auf den großen Bühnen findet. Vielmehr sieht man sie auf kleinen, beschaulichen Bühnen, dessen Bretter mit Teppich ausgelegt sind, umringt von ihren Zuhörern, die mit geschlossenen Augen in dieser Wohnzimmeratmosphäre den immer richtigen Tönen lauschen, die DAWA mal (insbesondere durch das Cello) sehr melancholisch, mal (durch helle Akustikgitarrenklänge und schöne Stimmfarben) hoffnungsvoll erzeugen.

DAWA (Copyright: DAWA)

DAWA (Copyright: DAWA)

Sie können aber natürlich auch anders. Das beweisen die temporeicheren und noch dazu folklastigeren Stücke auf „Psithurisma“.

Insgesamt entsteht dadurch eine abwechslungsreiche Mischung aus Songs, die sowohl musikalisch als auch atmosphärisch sehr häufig an Tracks von Tracy Chapman erinnern. Dieser Vergleich ist unweigerlich als Kompliment zu verstehen und sollte Fans von Chapman dazu animieren, auch einmal in „Psithurisma“ hineinzuhören.

Stellt sich abschließend nur noch die Frage: Wie bewertet man ein Album, das zwar nicht die breite Masse erreichen wird, dafür aber sehr gefühlvoll, fast schon intim ausgefallen ist? Bedenkt man das handwerkliche Können der hier agierenden Musiker und das Konzept des Quartetts, vor allem mit zwei Stimmen, einer Gitarre, Percussions und Cello so eine Dichte und Harmonie zu erschaffen, wie sie auf „Psithurisma“ zu hören ist, dann kann eigentlich nur die Höchstpunktzahl die Folge sein. Und auch, wenn es überwiegend äußerst ruhig auf dem Album zugeht, so wird es doch zu keinem Moment langweilig, uninteressant oder monoton. All jenen, die dem Alltag mal auf unkonventionelle Art entfliehen wollen, wird mit „Psithurisma“ ein möglicher Fluchtweg aufgezeigt.

Video

Tracklist

01 Psithurisma
02 Dying Star
03 If You Return
04 Slow Down
05 A Journey
06 Saloon
07 Pushed
08 On The Run
09 Unexpectedly
10 Owe You

Details

DAWA – Homepage
DAWA – Facebook

Label: LasVegas Records / Rough Trade
Vö-Termin: 27.02.2015
Spielzeit: 41:26

Copyright Cover: LasVegas Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde