Review

Das Niveau sind in vielerlei Hinsicht eine ganz außergewöhnliche Band. Vor allem live performen sie auf eine ganz besondere Art und Weise, die man zumindest einmal miterlebt haben sollte. Denn neben der Tatsache, dass kein Konzert von Das Niveau wie das andere ist, wird bei jedem Auftritt eine ganz spezielle Aktion gestartet: Die Niveauisation.

Hierbei holt sich die Band aus Zurufen des Publikums eine Tonart, ein Genre und einen Titel. Aus diesen Informationen wird dann spontan ein Song improvisiert. Da sich diese extrem großer Beliebtheit erfreuen, haben sich Das Niveau endlich entschieden, eine Platte zu veröffentlichen, die ausschließlich eben diese Niveauisationen beinhaltet.

Legt man „Niveauisationen Eins“, so der Name des Silberlings, dann in das Abspielgerät des Vertrauens, wird man zunächst von „Das eklige Tafelwasser“ begrüßt. Hierbei wird nicht nur – wie so oft – die Band Saltatio Mortis liebevoll ein wenig gedisst, sondern auch das Tafelwasser in Grund und Boden gesungen.
Stilistisch bietet sich ein recht ruhiger Folksong, der jedoch spätestens in dem Moment, in dem Martin anfängt zu brüllen, deutlich mehr Dynamik gewinnt. Im Übrigen wird in diesem Titel endlich die wirklich wahre Wahrheit über den Bart von Martin Spieß erzählt.

Das folgende „Käse-Sahne-Kuchen“ ist ein Metalsong, was vor allem aufgrund der Tatsache, dass Das Niveau lediglich eine akustische Gitarre und ein paar kleinere Instrumente besitzt, sehr interessant ist.
Das Duett gibt jedoch sein Bestes und schindet zunächst einmal mit gegenseitigem Beleidigen ein wenig Zeit. Im Anschluss erfährt man eindrucksvoll, dass man auch mit langsamem Gegrowle und einer Mundharmonika durchaus einen metalesken Eindruck erwecken kann. Auch mit der Akustikgitarre, die kurz darauf verwendet wird, lässt sich zumindest entfernt der Eindruck eines Metalsongs erwecken. Ganz großes Kino!

Das Niveau (Copyright: Das Niveau)

Das Niveau (Copyright: Das Niveau)

Man könnte fast meinen, Jan Delay steht als Gastmusiker auf der Bühne, wenn das Niveau „Die Bahn“ spielen. Denn diese Nummer soll ein Reggae-Song werden, wodurch natürlich gravierende Stimmanpassungen nötig sind. Musikalisch ist „Die Bahn“ bis auf den Gesang eher unspektakulär, weil ein wenig dröge, dafür ist der Text umso amüsanter, was diese Nummer durchaus noch rettet.

Auch der Youtuber „Lord Abbadon“ hat eine eigene Niveauisation bekommen. Diese heißt „Ich bin für die Heerscharen“. Da Das Niveau laut eigener Aussage nicht viele Youtuber kennen, haben sie aus dem Titel kurzerhand einen YouTube Song gebastelt. Dieser mutet ziemlich balladesk an, besitzt aber durchaus Mitwackelpotenzial.

„Niveauisationen Eins“ ist ein CD gewordener Beweis dafür, dass man auch durch spontanes Improvisieren durchaus gelungene Songs schreiben kann. Diese sind extrem mannigfaltig und decken diverse Genres ab.
Es sei zudem bemerkt, dass es sich aufgrund der Tatsache, dass Das Niveau ihre Niveauisationen generell nur vor Livepublikum aufführen, um eine Live-CD handelt, die durch extrem gute Tonqualität überzeugt. Das Sound-Verhältnis zwischen Band und Publikum ist zudem perfekt ausgewogen. Doch bei Das Niveau steht die Musik fast im Hintergrund, denn die Texte und Ansagen besitzen einen enormen Unterhaltungswert, der nicht zu unterschätzen ist.
Bei der Band Das Niveau scheiden sich allerdings auch die Geister. Viele können mit dieser Musik gar nichts anfangen, etliche jedoch sehr viel. Am besten ist es daher, sich ein eigenes Bild von dieser außergewöhnlichen Kapelle zu machen.

Video

Tracklist

01 Das eklige Tafelwasser (Kiel, 31.03.2012)
02 Käse-Sahne-Kuchen (Magdeburg, 24.11.2012)
03 Die Bahn (Kiel, 01.11.2013)
04 Ich würd‘ ma sagen Flaschenbier (Erfurt, 23.11.2012)
05 Heerscharen (Köln, 10.10.2013)
06 Spiel um Throne (Karlsruhe, 13.04.2012)
07 Zurück in den Untergrund (Karlsruhe, 13.04.2012)
08 Äffchen im Schrank (Wuppertal, 22.11.2012)
09 Flugzeuge am Himmel (A-Steyr, 01.12.2012)
10 Die haben sich gerade das Ja-Wort gegeben (Borken, 14.09.2013)
11 Mutschekiebchen (Leipzig, 29.03.2012)
12 Holzhobel (Lindau, 30.11.2012)

Details

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Label: Pretty Noice Records
Vö-Termin: 20.06.2014
Spielzeit: 71:22

Copyright Cover: Pretty Noice Records



Über den Autor

Stefan †
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Die Lücke, die Stefan als Magazinmitbegründer, Administrator, Redakteur und Freund durch seinen plötzlichen und viel zu frühen Tod im Dezember 2014 hinterlässt, bleibt groß. Er wird immer in unseren Herzen und ein Teil des DeepGround Magazines bleiben.