Review

Dan Deagh Wealcan sind zurück mit ihrer zweiten Platte „Who Cares What Music Is Playing In My Headphones?“. Immerhin ist der Albumtitel diesmal kürzer als beim Vorgänger, aber immer noch so lang, dass man sein Review künstlich in die Länge ziehen kann. Das Duo aus Russland führt hier ihren experimentellen Sound weiter fort, geht das Ganze aber deutlich ruhiger an als auf „Two Straight Horizontal Lines And The Organized Chaos in Between: Director’s Cut„. Es ist Zeit, weiter in die Tiefen der Musik vorzudringen und sie zu erkunden.

Seit dem letzten Erzeugnis haben sich Dan Deagh Wealcan deutlich weiterentwickelt. Die Jungs gehen ihren Sound nun viel fokussierter an. Wert wird hierbei auch auf den Wiedererkennungswert gelegt. Die Titel klingen zudem viel atmosphärischer, mit immer wieder aufkommender drückender Stimmung. Noch erfreulicher ist, dass dabei ein paar echt catchige Riffs bei rumgekommen sind.

Dabei distanziert sich die Band doch etwas von einem zu extremen Herangehen an ihr neues Album, wie es noch zu Zeiten der ersten Platte der Fall war. Zwar gibt es auch wieder eine Menge Wechsel im Rhythmus, aber dieses Mal gleichmäßiger und weniger abgehackt. Doch ganz auf durchschlagende Energie können Dan Deagh Wealcan dann doch nicht verzichten, wie man es an Songs wie „Dogs In A Box“ oder „Neutral Moresnet“ hören kann. Und wenn es dann mal losgeht, dann geht es auch richtig los. Treibende Drums und gedrücktes Rumgebrülle; oft unterlegt mit einer Menge Elektronik, die sogar stellenweise in den Industrial-Faktor abdriftet. Zwischendurch eröffnen sich für den Hörer hin und wieder auch progressive Züge.

Üblicherweise wird sich, wie eben beschrieben, auf „Who Cares What Music Is Playing In My Headphones?“ regelmäßig die Kehle wund geschrien. Allerdings liegt das Hauptaugenmerk mehr auf dem klaren Gesang. Selbstbewusst springt dieser aus dem Schatten der Geräuschkulisse und sorgt für eine Menge überraschende Momente. Denn auch hier hat man sich um einiges gesteigert. Auch wird viel mit der Stimme gespielt, so klingt sie mal sehr melodisch wie im ebenfalls schon genannten „Dogs In A Box“ oder auch mal durchgedreht in „What Was That?“. Letzterer ist übrigens ein weiteres Indiz für Dan Deagh Wealcans experimentierfreudige Ader, die sie in diesem sehr alternativ angehauchten Titel ausleben.

Dan Deagh Wealcan (Copyright: Dan Deagh Wealcan)

Dan Deagh Wealcan (Copyright: Dan Deagh Wealcan)

Im Gegensatz zum Vorgänger bleibt bei diesem Album auch viel mehr hängen. Was nicht zuletzt daran liegt, dass das Duo ihre melodischen Parts viel besser arrangiert. Dem neunminütigen Song „Easy Way – Long Way“ mangelt es beispielsweise nicht an Variationen. Dabei switcht die Band zwischen Atmosphäre und harten Riffs hin und her. Und der groovige, leicht jazzige Teil gegen Ende, überfließend in die Synths, ist wohl einer der besten Momente auf „Who Cares What Music Is Playing In My Headphones?“.

Dan Deagh Wealcans neues Album ist definitiv ein Schritt nach vorne. Leider etwas weiter weg von der abgefahrenen Mathcore-Schiene, aber dafür zeigen die Jungs Entwicklung in den musikalischen Fähigkeiten und im Songwriting. Die Band hat sich weiterentwickelt und herausgekommen ist ein mehr als nur einmal erklingendes Hörerlebnis. Weg von der Psychose, hin zum gezielten Angriff auf Gehirnzellen und Trommelfelle.

Video

Trackliste

01 Anamorphic Widesound
02 Dogs In A Box
03 Easy Way – Long Way
04 No More Than Usual
05 Neutral Moresnet
06 What Was That?
07 Baseless Hatred
08 I Killed Everything That Was Good In Me
09 Endless Apathy

Details

Dan Deagh Wealcan – Homepage
Dan Deagh Wealcan – Facebook
Dan Daegh Wealcan – Twitter

Label: Total Metal Records (Metal Scrap Records)
Vö-Termin: 25.05.2015
Spielzeit: 35:18

Copyright Cover: Total Metal Records



Über den Autor

Christopher