Review

Mittlerweile scheint sich Frankreich zum echten Land des Metals zu entwickeln. Bands wie Benighted, Gojira oder Pitbulls in the Nursery zeigen, was möglich ist und wie frisch Death Metal doch klingen kann. Dagoba bilden da keine Ausnahme. Viel vereinen sie. Man fühlt sich erinnert an Fear Factory, Septicflesh oder hier und da an ein wenig Nu Metal. Klingt interessant? Ist es auch.

Der Einstieg hätte treffender nicht heißen können: „Epilogue“ verbreitet Stimmung und heizt den Hörer an. Erstmals kommen direkt Assoziationen zu Septicflesh auf.

Songs wie „Half Damn Life“ bleiben mit ihren catchy Main-Riffs im Ohr. Das Gespür für fetzige und eingängige Songs haben die Jungs. Gekonnt verbinden sie ihre groovigen Death Metal Kracher mit einer ordentlichen Prise Brutal Death. Dazu gesellen sich melodische Parts in Verbindung mit stark Industrial-lastigen Songstrukturen und Soundquellen. Diese Mischung ist der Hammer. So viel Energie habe ich schon lange nicht mehr vernommen.

Der Sound der Platte trägt viel dazu bei. So muss ein modernes Metal-Album im Jahre 2015 klingen. Zu keiner Zeit wird einem langweilig beim Hören, da so viel drumherum passiert. Ein Groove jagt den nächsten Thrash-Part. Viel Pause zum Verschnaufen gibt es nicht.

Ziemlich pushend ist auch der Gesang von Fronter Shawter. Von Growls bis hin zum Scream oder kernigen Klargesang ist alles dabei. Variation ist bei Dagoba das A und O – auch den Gesang betreffend. So etwas sollte es öfter geben. Wenn auch die Härte im Vordergrund steht, ist dennoch Platz für Emotionen.

Der facettenreiche Gesang erinnert teilweise zudem an Corey Taylor und seine Jungs von Stone Sour. Einige Samples runden den Song „The Loss“ zum Beispiel richtig gut ab. Man könnte jetzt gemein sein und meinen, dass der Song eher für Pussys ist, denn er ist getrieben von Melodien und viel Tiefe, oder man hat Eier in der Hose und gesteht der Band zu, dass sie ein Gespür für gutes und gehaltvolles Songwriting hat.

„Born Twice“ klingt schließlich so sehr nach Fear Factory, dass man sie direkt gemeinsam auf eine Tour schicken will; als würde Dino Cazares selbst an der Gitarre spielen. Dabei sind Dagoba jedoch etwas frischer unterwegs. Viele Einflüsse prallen hier aufeinander, sodass selbst Divine Heresy ebenfalls zum Vorschein kommen.

Dagoba (Copyright: Dagoba)

Dagoba (Copyright: Dagoba)

Jetzt lassen wir aber die Bandvergleiche, denn das würde Dagoba nicht gerecht werden. Sie kombinieren ihre Vorlieben sehr gekonnt und formen daraus ihr eigenes Werk, welches den Großen in nichts nachsteht.

Was extrem auffällt, ist der Einsatz der Doublebass; die wird eigentlich immer durchgedrückt. Das ist aber keineswegs nervig, sondern eher treibend und angenehm.

Fazit: Dagoba können mit ihrem neuen Album „Tales Of The Black Dawn“ auf ganzer Linie überzeugen. Ob Grooves, melodiöse Parts oder Brutal Death Metal, alles scheint zu gelingen. Parallelen zu Größen wie zum Beispiel Fear Factory sind da, jedoch reden wir hier nicht von einem billigen Abklatsch, denn Dagoba können sehr gut ohne die großen Brüder überleben und zeigen, dass der Metal aus Frankreich stark ist und man nicht nur in den USA danach suchen muss.
Solltet ihr die Möglichkeit haben, die Jungs live zu sehen, dann solltet ihr das Ticket ohne groß zu überlegen sofort kaufen.

Video

Trackliste

01 Epilogue
02 The Sunset Curse
03 Half Damn Life
04 Eclipsed
05 Born Twice
06 The Loss
07 Sorcery
08 O, Inverted World
09 The Dawn
10 Morning Light

Details

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Label: earMUSIC / Edel
Vö-Termin: 10.07.2015
Spielzeit: 40:22

Copyright Cover: earMUSIC



Über den Autor

Marcus