Review

Zwei Jahre nach der Veröffentlichung ihrer Debüt-EP „Dull Days“ meldet sich das Trio Cunning Mantrap aus Köln mit ihrem ersten Studioalbum „Hazmat“ zurück. Zwei Jahre, die u.a. dafür genutzt wurden, zwölf Songs entstehen zu lassen, die den Silberling zunächst recht lässig und rockig beginnen, ihn im Laufe der Spielzeit jedoch immer vertrackter werden lassen. Schuld daran ist die Absicht, sich nicht auf einen einzigen Stil limitieren zu wollen, sondern stattdessen die gesamte Bandbreite des Rock auszuschöpfen.

Mit einem Grundgerüst aus dem Hardrock der 70er und 80er sind Cunning Mantrap traditionell veranlagt, adaptieren ihre Musik jedoch an die Neuzeit. Ein roher, vom Garage-Rock und Grunge inspirierter Sound wird im Klangbild beibehalten und erzeugt eine schroffe Heavyness.

Ergänzt wird das jeweilige Song-Podium um Elemente aus den Bereichen Progressive, Psychedelic, Blues, Sleaze, Stoner und Funk Rock.
Cunning Mantrap vereinen auf „Hazmat“ damit viele unterschiedliche, aber verwandte Musikstile, die in erster Linie Abwechslung versprechen. Jene wird auch geboten, es fehlt allerdings an Raffinesse in der Umsetzung. Eher willkürlich als strukturiert werden die Titel mit zunehmender Spielzeit zusammengesetzt. Was anfangs noch nachvollziehbar begann, mündet immer mehr in einem schwergängigen Hörgenuss. Gewollt schiefe Töne, Disharmonien und kaum vorhandene oder nur sehr sperrige und unbequemen Melodien (alles beispielsweise in „Detox“ zu hören) sind diesbezüglich nicht förderlich.

Ebenso glücken den Mannen ihre Songenden nicht immer. Ausgefadet und abrupt oder gar mitten in einem progressiven Part abbrechend wirken Titel wie „Play The Prophet“ dadurch am Ende teilweise unvollständig.

Auch die Songlängen hätten knackiger ausfallen können. So konfrontieren Cunning Mantrap ihre Hörer mit vier bis knapp zehn Minuten andauernden Titeln, von denen nur selten einer auf den Punkt zu kommen scheint. Permanentes Draufgehaue und lautstarkes Gesinge dominieren das Geschehen, sodass eine Ballade wie „A Light That Should Have Shined“ gerade recht kommt.
Hier zeigt sich auch, dass dem Sänger des Dreiergespanns die gefühlvolle Seite und die leiseren, tieferen Töne sehr gut, wenn nicht sogar besser stehen. Erstmals wirkt es auch nicht so, als ob die Titel mit Lyrics überschwemmt werden. Ein gefühlt sehr langer Songtext, der häufig über die dargebotenen Melodien herausragt, in Kombination mit der meist lautstarken Stimme verleiht einigen Tracks eher einen Vortrags- statt einen Lied-Charakter. Die Ballade zeigt jedoch, dass Cunning Mantrap auch akzentuierter vorgehen können.

Cunning Mantrap (Copyright: Cunning Mantrap)

Cunning Mantrap (Copyright: Cunning Mantrap)

Herausragend ist schließlich noch „The Future II“ zu nennen, der mit seiner schleppenden Spielweise überzeugt und nach mehr schreit. Titel dieses Stils hätte es ruhig mehr geben können.

Letztendlich bedeutet gut gemeint nicht immer auch gut gemacht, und so verarbeiten Cunning Mantrap derart viele Stile auf ganz unkonventionelle und zugleich scheinbar teils unkoordinierte Art und Weise, wodurch vielen Titeln beinahe schon ein experimenteller Charakter verliehen und dem Hörer im Laufe des Albums der Zugang zu den Tracks erschwert wird. Greifbar bleibt somit eher oftmals nur das physische Exemplar der Veröffentlichung, nicht aber die darauf zu hörende Musik.

Video

Tracklist

01 Red
02 Company
03 Play The Prophet
04 Uncanny Valley
05 A Light That Should Have Shined
06 Detox
07 Weary
08 The Past
09 The Future II
10 Orange
11 Straight Outta Hand
12 The Curse Of The Leaden Tongue

Details

Cunning Mantrap – Homepage
Cunning Mantrap – Facebook

Label: Fastball Music / Soulfood
Vö-Termin: 09.09.2016
Spielzeit: 65:04

Copyright Cover: Fastball Music



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde