Review

Crystal Viper legen ihr siebtes Studioalbum vor. „Tales Of Fire And Ice“ heißt der neue Longplayer und wird sicherlich – so viel sei jetzt schon verraten – die Fan-Gemeinde spalten. Denn die neue musikalische Ausrichtung, die sich mit der Vorab-Single „Still Alive“ bereits angedeutet hat, zieht sich nahezu komplett durch das neue Album.

Standen Crystal Viper bisher für erdigen Heavy Metal, beackert man mit der aktuellen Veröffentlichung eher die Gefilde des (Melodic) Power Metal.

Die Songs

Bereits erwähntes „Still Alive“ ist dazu genau der passende Opener. Ein sehr Melodie orientierter Track, in dem Frontfrau Marta Gabriel ungewohnt „zahm“ singt. Nichtsdestotrotz passt hier alles und Crystal Viper präsentieren eine Nummer, die ungemein catchy ist und man nur schwerlich wieder aus den Gehörgängen bekommt.

In eine ähnliche Kerbe schlägt das später folgende „Under Ice“. Auch hier gehen Melodie und Eingängigkeit Hand in Hand.

„Crystal Sphere“ kommt dann insgesamt schneller und kerniger daher und wartet mit viel Doublebass auf. Trotz der Sounddichte bleibt es melodisch. Ein gut platzierter Rhythmuswechsel im Zwischenpart rundet diesen Song gelungen ab.

Das darauf folgende „Bright Lights“ kann diese Merkmale ebenfalls für sich verbuchen, bevor dann mit „Neverending Fire“ eine Midtempo-Nummer folgt. Der vordergründige Orgelsound verleiht dem Lied viel Atmosphäre, während ein schnellerer Instrumentalpart und anschließender ruhiger Teil für stimmige Abwechslung sorgen. Der wieder sehr eingängige Refrain garantiert auch hier die Ohrwurmqualität.

Zwei heavigere Nummern findet man auf der zweiten Albumhälfte. Fast schon Speed Metal-artig prescht „One Question“ aus den Boxen. Marta Gabriel agiert hier dann auch gesanglich mal etwas rockiger. Ein ansprechendes Solo lässt in diesem Track keinen Leerlauf aufkommen und dürfte derart vor allem Fans früherer Crystal Viper-Veröffentlichungen zufriedenstellen. Auch „Tomorrow Never Comes“ bedient eher die härtere Fan-Fraktion und punktet vor allem mit einem coolen, mit Screams versehenen Refrain.

Danach folgt dann noch eine unaufgeregte, sehr ruhig gehaltene Ballade („Tears Of Arizona“) sowie der CD-Bonustrack „Dream Warriors“, der sich allerdings als laue Rock-Nummer entpuppt. (Der Bonustrack der Vinyl-Ausgabe, „Alone“, lag zur Rezension leider nicht vor.)

Bewertung

Es bleibt auch nach mehreren Hördurchläufen von „Tales Of Fire And Ice“ ein eher zwiespältiges Gefühl zurück. Die offensichtliche Fokussierung auf erhöhte Eingängigkeit ist sicherlich eine Frage des individuellen Musikgeschmacks. Nichtsdestotrotz kann man den meisten Songs echte Ohrwurmqualitäten bescheinigen.

Zwei kurze Instrumentalstücke („Prelude“ und „Interlude“) sowie zwei unauffällige und auch entbehrliche Nummern am Ende des Albums bieten für den Hörer allerdings keinen nennenswerten Mehrwert und kaschieren ein wenig die kurze Spielzeit von „Tales Of Fire And Ice“.

Crystal Viper (Copyright: Tim Tronckoe)

Marta Gabriels rockig-rotzige Attitüde in ihrer Gesangsstimme, die man von bisherigen Crystal Viper-Songs kennt und auch ein Markenzeichen der Band war, mag man vermissen; allerdings intoniert sie durchaus gefällig und zu den Songs passend.

Die Gitarrensoli sind ansprechend, in die jeweiligen Songs gut integriert und auf den Punkt. Auch Orgelklänge findet man des Öfteren im Sound wieder. Diese verleihen den Tracks eine zusätzliche Dichte im Klang.

Fazit

Aufgrund des stilistischen Wechsels empfiehlt sich für alle bisherigen Crystal Viper-Fans vor dem Kauf des Albums sicherlich ein Probehören, um sich selber einen Eindruck vom aktuellen Longplayer der Polen zu verschaffen.

 

Video

Tracklist

01 Prelude
02 Still Alive
03 Crystal Sphere
04 Bright Lights
05 Neverending Fire
06 Interlude
07 Under Ice
08 One Question
09 Tomorrow Never Comes (Dyatlov Pass)
10 Tears Of Arizona
11 Dream Warriors

Details

Crystal Viper – Homepage | Crystal Viper – Facebook | Crystal Viper – Twitter

Label: AFM Records
Vö-Termin: 22.11.2019
Spielzeit: 42:04

Copyright Cover: AFM Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde