Review

Mit internationalen Standards präsentieren Crystal Palace aus Berlin ihren Progressive Rock auf dem neuen Album „Dawn Of Eternity“.

In jenes leitet zunächst ein atmosphärisches Intro namens „Dawn“ mit reichlich (zum Teil verzerrten) elektronischen Elementen ein, die auch im weiteren Verlauf das eine und andere Mal ihren Platz finden.
„Dawn“ hält sich stilistisch zunächst noch alle Möglichkeiten und Richtungen offen; erst der erste richtige Track „Confess Your Crime“ schafft nach einem nahtlosen Übergang mehr Klarheit über den musikalischen Weg, den Crystal Palace hier beschreiten. Jener Titel spiegelt zudem die guten Entwicklungen wider, welche die Band ihren Tracks des Öfteren angedeihen lassen. Von ausgedehnten Instrumentalparts über ein gesangliches Miteinander bis hin zu ausschweifenden Soli werden die Möglichkeiten des Genres ausgeschöpft.

Vor allem die Gitarrensoli sind es auch, die durchaus Spaß machen, indem sie nie allzu hektisch und verspielt, aber dennoch sehr ausgereift und komplex ihren Platz finden und zugleich fast immer die Highlights eines Titels darstellen.
Selten brechen aber die härter angespielten Gitarren auch im Kontext mit den anderen Instrumenten aus (wie beispielsweise in „Fields Of Consciousness“). Davon hätte es letztlich sehr viel mehr geben können, denn ein großes Manko an „Dawn Of Eternity“ ist die fehlende Griffigkeit und die dominierende Ruhe, währenddessen Crystal Palace mehr auf Atmosphäre statt auf Melodie setzen. Für Genreliebhaber mit Hang zum Eintauchen in die Musik ist das genau das Richtige, lediglich nebenbei hören sollte man „Dawn Of Eternity“ jedoch nicht, denn dann bleibt vom Album nur wenig hängen.

Crystal Palace (Copyright: Crystal Palace)

Crystal Palace (Copyright: Crystal Palace)

Insgesamt fällt „Dawn Of Eternity“ sehr (bzw. häufig zu) ruhig aus, was dazu führt, dass sowohl der rote Faden als auch die Spannung des jeweiligen Songs dadurch oft verloren gehen.
Umso positiver nimmt man daher die Tracks wahr, die mit schönen und zum Teil eingängigen Melodien herausstechen. Diesbezüglich sind „Hearts On Sale“ und das an Coldplay erinnernde „Sky Without Stars“ gute Beispiele. Da diese Momente jedoch sehr rar gesät sind, muss man schon in der richtigen Stimmung sein, um mit „Dawn Of Eternity“ langfristig warm zu werden. Daran ändert auch die dichte, satte Produktion der elf Stücke nichts.

Abgesehen davon erfüllen Crystal Palace jedoch die Erwartungen, die man an ein Prog Rock Album stellt. Die Band überzeugt insbesondere durch die (oftmals mittels wabernde Synthies erzeugte) Atmosphäre ihrer Songs und dürfte Fans des Genres durchaus zufriedenstellen. Wer seinen Progressive Rock also modern, stimmungsvoll und verhältnismäßig linear und dennoch komplex gestaltet sehen möchte, der sollte zugreifen.

Video

Tracklist

01 Dawn
02 Confess Your Crime
03 Eternal Step
04 Any Colour You Need
05 Daylight After The Rain (feat. Markus Reuter)
06 Fields Of Consciousness
07 Hearts On Sale
08 Eternity
09 All Of This
10 Sky Without Stars
11 The Day That Doesn’t End

Details

Crystal Palace – Homepage
Crystal Palace – Facebook

Label: Gentle Art Of Music / Soulfood
Vö-Termin: 10.06.2016
Spielzeit: 60:10

Copyright Cover: Gentle Art Of Music



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde