Review

Schmutzig und laut wird es dieses Jahr mit „Rise To Infamy“. Die Hardcore/Sludge Band Cowards aus Frankreich stampft mit dieser Platte ordnungsgemäß alle Gehörgänge platt. In zehn Songs wird vierzig Minuten lang durchgebolzt, sodass kein Auge trocken bleibt. Werfen wir uns also ins Getümmel und hoffen, dass wir den einen oder anderen Ellenbogen abbekommen.

Adjektiv der Stunde, das diese Platte am besten umschreibt, wäre dann wohl „schwer“, sehr „schwer“.
Regelmäßige Beat Downs sorgen dafür, dass tonnenschwere Gitarrenriffs und Schlagzeugattacken auf den Hörer niederprasseln. Langsam und rhythmisch lassen Cowards den Kopf mitnicken. Dennoch geht es stellenweise mit Highspeed voran, nur um im Umschwung die Geschwindigkeit erneut stark zu drosseln.

Die Produktion, die wie zu erwarten sehr roh ausfällt, lässt den Sound oft in einem Gemisch aus verzerrten Saiten und Geräuschen enden. Auch vor wiederkehrenden Rückkopplungen scheut man hierbei nicht. Es ist halt Sludge, das muss nun mal so klingen, es geht hier ja auch nicht um Regenbögen oder Einhörner. Dennoch klingt das Ganze so, als hätte man es in einem Schuh voll mit Wasser aufgenommen.

Cowards (Copright: Creative Eclipse)

Cowards (Copright: Creative Eclipse)

Das führt dazu, dass man als Hörer das Gefühl hat, einen insgesamt sehr langen einzigen Song zu hören, anstatt mehrere unterschiedliche. Cowards differenzieren in ihren Titeln einfach nicht genug, obwohl stellenweise ein paar interessante Ansätze wie groovige Rhythmen oder abwechslungsreiche Riffs vorhanden sind.

Natürlich darf das obligatorische Rumgebrülle nicht fehlen. Was den Gesang bei Cowards angeht: entweder man mag ihn oder eben nicht. Dieser tendiert oft zu hysterischem Geschrei, dessen Stimmqualität gewöhnungsbedürftig ist. Lässt man das aber mal außer Acht, fügt er sich durch die hohlen Stimmbänder gut in den dreckigen Sludge-Stil ein.

Ändern tut das alles dennoch nichts. Selbst nach mehrmaligen Durchgängen fällt es immer noch schwer, herausstechende Songs zu nennen. Dafür verschwimmt alles in einem Matsch aus Aggressivität, Krach und gezwungener Brutalität.

Dabei ist die Intention hinter „Rise To Infamy“ an sich doch ganz passend. Die Lyrics sind zwar nicht überragend, dennoch ist dieser fetzenartige Aufbau, dessen Verse nur die stärksten Keywords raushauen, sehr passend. Unterstützend dazu das sterile Artwork. Außerdem wurden verschiedenste weibliche Stimmen-Samples in die Songs eingebaut. So etwas erzeugt stellenweise noch mehr drückende Stimmung.

Leider scheitern die Ansätze an der musikalischen Umsetzung. „Rise To Infamy“ klingt rau und trocken. Es fehlen aber entscheidende Elemente, die den Hörgenuss steigern und zum erneuten Durchlauf einladen. Fans von unbarmherziger Krachmusik, die sich wirklich einen Tritt ins Gesicht abholen wollen, sind hiermit gut bedient. Den großen Durchbruch braucht man aber nicht erwarten.

Video

Trackliste

01 Shame Along Shame
02 Never To Shine
03 Frustration (Is My Girl)
04 Beyond my Hands
05 Birth Of the Sadistic Son
06 Low Esteem
07 Anything But The Highroad
08 Wish For Infamy
09 Bend The Knee
10 So Easy

Details

Cowards – Homepage
Cowards – Facebook

Label: Throatruiner Records / Ruins Records / Deadlight Entertainment
Vö-Termin: 09.02.2015
Spielzeit: 40:40

Copyright Cover: Throatruiner Records



Über den Autor

Christopher