Review

Code Orange beziehungsweise Code Orange Kids waren den meisten bis zu ihrem Album „I am King“ 2014 kein Begriff. Mit „Forever“ will die Hardcore-, Grind- und Stoner-/Sludge-Truppe nun voll durchstarten. Dank Roadrunner Records sollte das auf jeden Fall möglich sein.

Sieht man sich die Shows der Band an oder hört ihre Musik, stellt man einen hohen Grad an Aggressivität fest. Die Band aus Pittsburgh zeigt auf „Forever“ aber eine deutlich tiefgründigere Seite. Sie probieren mehr aus – und das teilweise ziemlich irreführend.

Zunächst beginnt das dritte Studioalbum aber mit dem Oberkracher „Forever“. Er ist zeitgleich Titeltrack und strotzt nur so vor Energie. Das Hauptriff ist zudem äußerst eingängig und schiebt sich zwischen die Gehirnhälften des Hörers. Schlagzeuger Jami übernimmt dabei den gesanglichen Löwenanteil. Er klingt herrlich angepisst und hysterisch, dass man der Band ihr Image einfach abkaufen muss. Eric und Reba an den Gitarren legen zudem eine ordentliche Groovenummer hin, während Joes Bass auf dem Album ebenfalls immer wieder Platz eingeräumt wird.
Kurzum: Hinter der ganzen Aggression liegt auch ein Drang nach gutem Songwriting und Freiraum. Als Anspieltipp wird dieser Song dringend empfohlen.

Eine weitere Facette der Band ist der Groove-Metal. In Songs wie „Kill The Creator“, „Real“ oder „The Mud“ zeigt sich, dass sich das auch ziemlich gut mit ihrer Musik vereinen lässt. Gerade „The Mud“ erinnert stark an die Band Chimaira, die ebenfalls ziemlich groovig daherkommen.
In diesem Song findet sich aber auch einer jener harten Breaks, die immer wieder negativ auffallen, denn ist man nach dem ersten Durchlauf zwar positiv überrascht, wie vielseitig diese Scheibe doch ist, führen die abrupten Breaks in den Songs relativ schnell in die Irre. Teilweise weiß man nicht mehr, ob ein Song nun anfängt oder der Vorgänger noch läuft. Mitten im Titel wird jener gekappt und es geht mit einem Gewitter los. So etwas kann Spaß machen, sofern es sinnvoll zusammengebastelt wird. Das hier gefahrene Schema „Cut & Go“ ist aber einfach etwas zu einfach.

Wie eingangs erwähnt, streuen Code Orange ein wenig Stoner/Sludge gekonnt in ihre Musik ein. In ihrem Song „Bleeding In The Blur“ wird diese Stilrichtung jedoch als Hauptthema genommen.

In diesem Zusammenhang ist der Mix der Platte sehr gut gelungen. Zwar klingt die Doublebass etwas matschig, die Snare dafür aber schön grindig und das Schlagzeug chaotisch und kräftig. Die Gitarrenfraktion ist basslastig unterwegs, was gerade in den moshigeren Slamparts optimal wirkt. Das fette Schlagzeug kann dagegen in Intros und bei der Tom-Arbeit richtig punkten. Paradebeispiele dafür sind die Tracks „Spy“ und „No One Is Untouchable“.
Allgemein ist der Sound auf „Forever“ ziemlich roh und teilweise etwas unübersichtlich, ohne aber den roten Faden zu verlieren.

Code Orange (Copyright: Code Orange)

Auf knapp 35 Minuten Spielzeit bekommt der Hörer außerdem ein hohes Maß an Virtuosität geboten, die zu überraschen weiß. Allein „Ugly“ ist ein starker Rock-/Metal-Song, den bestimmt niemand von Code Orange erwartet hätte. Möglich, dass dies an der Einfachheit der Riffs in Kombination mit der Experimentierfreudigkeit im Songwriting liegt. Das macht die Tracks interessant und wirklich abwechslungsreich.

Code Orange liefern mit „Forever“ ein absolut geniales Album ab. Viele Ideen fließen in ihren wilden Mix aus Hardcore, Grind, Stoner und Groove Metal ein – und der Hörer liebt es. Das öffnet Türen für interessantes Material, was wir hoffentlich auch in den nächsten Jahren von dieser Truppe erleben dürfen.
Klare Kaufempfehlung für Fans; Freunde slammiger Töne mit viel Kraft dürfen ebenfalls gerne zugreifen.

Video

Trackliste

01 Forever
02 Kill the Creator
03 Real
04 Bleeding In The Blur
05 The Mud
06 The New Reality
07 Spy
08 Ugly
09 No One Is Untouchable
10 Hurt Goes On
11 dream2

Details

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Label: Roadrunner Records
Vö-Termin: 13.01.2017
Spielzeit: 34:52

Copyright Cover: Roadrunner Records



Über den Autor

Marcus
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