Review

Neues Futter für Leute mit Geschmacksverkalkungen. Wobei man ja bei Goregrind eigentlich nicht von eigentlicher Musik reden kann, da es ja nie wirklich die Intention solcher Bands ist, akustische Signale von sich zu geben, die in irgendeiner Weise mit den Ohren harmonieren. Darum heute: Clitorape mit ihrer neuesten Kreation, bei der man sich sämtliche Muskeln in der Zunge zerrt: „Gynaecological Apocalypse“ (es lebe die Erfindung des Copy-Paste).

Jedenfalls schmeißen die Jungs mit ihrer Platte den Motor ihrer Gore-/Porngrind-Walze an, um mal akustisch so richtig aufzuräumen. Überwiegend bieten einem Clitorape hier ihre Portion „everyday Goregrind“. Mit ausschließlich gutturalem Gesang, Humpa-Beats und Feuer aus der Riff-Kanone.

Womit die Band auf jeden Fall schon mal so gut wie in jedem Song punkten kann, ist der aggressive Groove; teils durch lässig eingeworfene Gitarren, teils in diversen Slam-Parts, die einen mitzubewegen wissen. Und das sogar zu Beginn von „Intracranial Seminal Discharge Performed By A Pervert Surgeon“.

Aber gut, nörgeln wir an „Gynaecological Apocalypse“ erst ein wenig rum. Wie es oft vorkommt bei einem Album mit siebzehn Titeln, besonders in diesem Bereich, bleibt eine gewisse Monotonie nicht aus. Bei den immer gleichen Riff- und Rhythmus-Mustern fragt man sich oft, wann denn jetzt ein Song zu Ende ist und der nächste angefangen hat. Auch ein 15-sekündiger „Your Clit Is Mine“, der von Grind geprägt ist, bietet hier keine Innovationen.

Wie die meisten ihrer Spezies nehmen sich Clitorape auch nicht gerade ernst und der (fragwürdige) Humor steht dabei im Vordergrund. Ein wenig mehr Kreativität bei der Titelvergabe hätte man sich da schon wünschen können. „Menstrual Party“, „Smegmageddon“ und „Vulvattack“? Mehr als einmal grinsen ist da nicht drin, und auch „Natural Porn Killer“ gab es bestimmt irgendwo schon mal. Zugegeben, „Baptized in Cumshots“ war schon ein wenig witzig. Aber nur ein wenig!

Clitorape (Copyright: Clitorape)

Clitorape (Copyright: Clitorape)

Und dennoch geben sich Clitorape doch nicht so stumpf, wie es den Anschein hat. Beginnend mit „Bubble Butt Blues“ und seinen Effekten auf den Gitarren, während es dann in einen jazzigen Gurgel-Teil übergeht (klasse!), weiß man auch sonst auf „Gynaecological Apocalypse“ zu überraschen. Besonders wenn es um schnelle Stil-Wechsel geht, in denen die Platte einfach nur nach vorne prescht. Dazu noch ein Zusammenspiel von Drums und verzerrten Saiten, das an den richtigen Stellen den Hammer krachend fallen lässt, und man findet Abwechslung weitab der üblichen Goregrind-Manier. Clitorape zeigen sich diesbezüglich oft von ihrer experimentellen Seite.

Dafür, dass die eigenen Grenzen nur gelegentlich angekratzt wurden, muss man sagen, dass „Gynaecological Apocalypse“ spätestens beim zweiten Durchgang richtig Spaß macht. Mit den komplett überzogenen Vocals, die kurz davor stehen, sich im Hirn zu übergeben, und den teilweise energetischen Ansätzen der Band kommt man hier voll auf seine Kosten. Diese verstehen es, den Hörer aus der Sitzposition zu bringen. Mit den Features bekommt man oben drauf sogar noch neue Stile und generell geht das Ganze runter wie der „Lowcost Blowjob“. Wenn man sich also nicht gerade allzu engstirnig nur auf Indie-Rock fokussiert hat, sollte man hier durchaus unterhalten werden. Als Anhänger wird man es zu 100 Prozent.

Anspieltipps:
Smegmageddon / Bubble Butt Blues / Intracranial Seminal Discharge Performed By A Pervert Surgeon / Natural Porn Killers

Video

Trackliste

01 Raped At First Date
02 Ass To Mouth Reanimation
03 Lowcost Blowjob
04 Dehymenized
05 Bubble Butt Blues
06 Menstrual Party
07 Bulimic Biastophiliac Bitch
08 Your Clit Is Mine
09 Vulvattack
10 Natural Porn Killer
11 We Are The Porn Gangster
12 Smegmageddon
13 Intracranial Seminal Discharge Performed By A Pervert Surgeon
14 Funeral Fist Fuck (Feat. MULK)
15 Baptized In Cumshots (Feat. Rico 5 Stabbed 4 Corpses)
16 Double Anal Penetration (Ultimo Mondo Cannibale Cover)
17 We Come To Eat You (SxRxOxM Cover)

Details

Clitorape – Facebook

Label: Splatter Zombie Records
Vö-Termin: 00.09.2015
Spielzeit: 34:38

Copyright Cover: Splatter Zombie Records



Über den Autor

Christopher