Review

Wenn es um die extremeren Spielarten des Metals geht, wo geklotzt und nicht gekleckert wird, lasse ich sehr gerne meinen lieben und geschätzten Kollegen beim Reviewen den Vortritt. Anders verhält es sich bei der aus Colorado Springs stammenden Band Circaic, die auf ihrem Debüt „False Prophetic Roads“ nicht nur viele melodische Momente, sondern auch eine interessante Mixtur aus Progressive, (Technical) Death und Black Metal verspricht. Grund und interessant genug, um in den sechs Songs umfassenden Rundling einmal reinzuhören.

Die Ankündigungen des in Deutschland vermutlich noch recht unbekannten Quintetts bestätigen sich dann auch schon nach dem ersten Hördurchlauf, sodass man behaupten kann, mit „False Prophetic Roads“ ein Modern Death Metal Album mit Melodic Prog Metal Einflüssen vorliegen zu haben. Circaic berücksichtigen dabei vor allem den „neuen“ Metal und machen auch vor immer mal wieder präzise platzierten Rockriffs keinen Halt.
Als Laie könnte man behaupten, das Album klingt wie eine Death Metal Band, die eine Progressive und Black Metal Truppe zum Frühstück verspeist hat, nur um diese – einer sich Haarballen entledigenden Katze gleich – immer wieder hervorzuwürgen. Dies aber natürlich im positiven Sinne gemeint!
Die Fachkompetenz in einem spricht hingegen eher von handwerklichem Geschick und variabler Stimmgewalt.

Und so gibt Sänger Brian Palmer auf „False Prophetic Roads“ stimmlich alles, was in dem hier präsentierten Genremix möglich ist. Dabei verschluckt er schön tief sein Mikro, spuckt dadurch gutturale Vocals aus, lässt Black Metal Gesang vernehmen und setzt dem Ganzen die Krone auf, indem auch melodischer Klargesang zum Einsatz kommt.
Insbesondere letztere Phasen kommen bei mir persönlich sehr gut an und die Freude über diese Kombination aus gutturalem Lyrics-Zerfleischen und stimmlichen Süßholzraspeln funktioniert auf der gesamten Länge von knapp 28 Minuten.

Das ist aber eine kurze Spielzeit? Richtig, ist es, und in Anbetracht der Tatsache, dass mit jedem Song neue Highlights gesetzt und großartige Stücke hervorgezaubert werden, ist es auch zudem sehr schade, dass „False Prophetic Roads“ eher als EP-Format denn als Album durchgeht. An der Qualität der Titel ändert dies jedoch nichts.

Und so starten Circaic mit „The Spewing of Venom“ temporeich, atmosphärisch und gleichzeitig melodisch mit anfänglichem Black Metal Anstrich in das Album. Ehe man es sich versieht, ist der mit 3:31 Minuten kürzeste Song von „False Prophetic Roads“ auch schon zu Ende und leitet fast nahtlos in den etwas dunkler anmutenden Track „Floodgates“ über.

„Floodgates“ besitzt prägnante Klavierpassagen und auch der progressive Einfluss macht sich bemerkbar. Trotzdem verliert sich der Titel nicht in komplizierten Arrangements, sondern weist klare Strukturen auf, denen man als Hörer gerne folgt. Auch das Gitarrensolo kann überzeugen.

Circaic (Copyright: Circaic)

Circaic (Copyright: Circaic)

Ebenfalls von Tasteninstrumentenklängen durchzogen ist „Polarity“. In diesem Fall sind es recht helle Keyboards, die man mögen muss, um sie nicht stellenweise als zu dominant und schrill zu empfinden.

Highlights sind schließlich „Beyond Recalibration“ und der Titeltrack. Wunderbare Melodiebögen zeichnen diese abwechslungsreichen Tracks aus.
Insbesondere bei „Beyond Recalibration“ kommen jene Hörer auf ihre Kosten, die den Klargesang befürworten, denn dieser bildet die Hauptgesangsart, während die gutturalen Elemente – anders als in der Mehrheit der Tracks auf „False Prophetic Roads“ – lediglich als Zusatz eingebracht werden.

Allen Songs ist außerdem eine runde Produktion zu bescheinigen, die deutlich hörbar macht, dass die Jungs an ihren jeweiligen Instrumenten durchaus was können. Zwischendurch erinnern Circaic an The Arcane Order, weisen aber darüber hinaus eine Eigenständigkeit auf, die neugierig darauf macht, was in der Zukunft von der Band noch erwartet werden kann. Man kann gespannt sein und sollte sich bis dahin mit „False Prophetic Roads“ beschallen.

Video

Tracklist

01 The Spewing of Venom
02 Floodgates
03 Polarity
04 The Separation Phase
05 Beyond Recalibration
06 False Prophetic Roads

Details

Circaic – Homepage
Circaic – Facebook

Label: Eigenproduktion
Vö-Termin: 00.07.2014
Spielzeit: 27:54

Copyright Cover: Circaic



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde