Review

Als würden wir nicht sowieso schon täglich von A nach B hetzen. Was nicht zuletzt durch den Zwang, ständig und überall erreichbar zu sein, noch verstärkt wird. Hinzu kommt die momentane „festliche Stimmung“, durch Geschäfte zu jagen, um den Lieben eine Freude zu machen. Kurz gesagt: 24/7 unter Spannung. Aber zum Glück gibt es Musik, die uns daran erinnert, auch mal einen Gang runterzuschalten.

Und genau das bieten Children auf ihrem Debüt „Leaving Home“.
Der durch Crowdfunding finanzierte Titel verspricht schon einiges: Gewohntes aufgeben, neue Wege gehen, Veränderung. Bestehend aus André, hauptverantwortlich für das Arrangement der Songs, und den beiden Sängerinnen Steffi und Laura, zeichnet sich das Trio durch eine Mischung aus ruhigem Indie-Pop mit Club-Faktor aus. Also quasi wie Icona Pop, nur nicht ganz so einfallslos, stumpf und belanglos.

Der Gesang, wer hätte es anders erwartet, ist durchgehend auf einem sehr hohen Level. Jeder Ton wird getroffen und jeder Ton wird variiert. Die beiden Sängerinnen spielen sich die Bälle gekonnt gegenseitig zu. Obwohl sie doch leicht unterschiedlich klingen, harmonieren beide Organe sehr gut miteinander und es werden angenehme Übergänge innerhalb der acht Songs geschaffen. Es ist sehr nett anzuhören, wie die eine tief und erwachsen, die andere etwas höher und jünger klingt.

Lyrisch bewegt man sich hier oft im leicht metaphorischen Bereich, ohne ins Übertriebene abzudriften, mit vielen persönlichen Inhalten.

Der instrumentale Teil der Titel klingt hauptsächlich sehr gefasst. Keine großen Ausschweifungen und viel Grundlegendes. Zum größten Teil jedoch simple Gitarrenriffs und Basslinien, die wirklich direkt ins Ohr gehen, wie z.B. in den Songs „Cut“ oder „Quiet Voices“. Besonders die klare, leicht verzerrte Gitarre kommt auf „Leaving Home“ super zur Geltung. Hinzu kommt ein smoother Synthi, der dem Gesamten ein leichtes House-Flair verleiht. Hinzu kommt noch eine kleine Palette verschiedener anderer Instrumente. Ein sympathischer Sound, der alles andere als abgehoben klingt.

„Leaving Home“ ist definitiv eine Platte, für die man sich zu Beginn etwas Zeit nehmen sollte, denn es verstecken sich wirklich viele kleine Details innerhalb der Songs. Auch ist es keine Art Rock-Album, das auf Schnelligkeit, sondern mehr auf einen gewissen Zeitlupeneffekt ausgelegt ist. Jedoch, so langsam es sich zunächst anhört, bringt die Band eine gewisse Dynamik in die Songstrukturen. Manchmal ist weniger nun mal einfach mehr.

Children (Copyright: Anna Aicher)

Children (Copyright: Anna Aicher)

Ein Blick in das Booklet vermittelt dem Hörer zusätzlich noch, dass Children mit ihrer Musik wirklich etwas rüberbringen wollen. Auf den Seiten werden alte Familienfotos nachgestellt, allerdings unbearbeitet und, noch viel wichtiger, unverfälscht. Beitragend dazu die übereinandergelegten verschiedenen Fotos, die sich zu einem Gesamtbild vermischen.

Mit „Leaving Home“ hat man sich wirklich Mühe gegeben und das Ergebnis kann sich durchaus hören lassen. Es ist zwar weit weg von Perfektion, aber ich finde das gar nicht so schlimm, denn gerade dieses „im Rahmen bleiben“ macht den Gesamtsound des Albums aus. Außerdem spürt man deutlich den frischen Einfluss der jungen Künstler. Zusätzlich senkt die Platte den Blutdruck. Also Kopfhörer rein, „Leaving Home“ auf Play und zusehen, wie sich um einen herum alles im Zeitraffer bewegt, während man selbst innerlich komplett ausgeglichen ist.

Video

Trackliste

01 Cut
02 Grace
03 Back
04 No Future
05 Rivers
06 Leaving Home
07 Quiet Voices
08 Close Strangers

Details

Children – Homepage
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Label: Fleet Union
Vö-Termin: 05.09.2014
Spielzeit: 32:38

Copyright Cover: Fleet Union



Über den Autor

Christopher