Review

Mit „Love in Black“ kommt von Child Of Caesar ein Album im Gothic Metal Bereich auf uns zu, das Globalisierung großzuschreiben scheint: Die Band selbst stammt aus Deutschland, Sänger Daniel Mitchell wurde dem Mikro der US-amerikanischen Metal-Truppe Autumns Eyes entrissen, aufgenommen wurden die zehn Songs des Silberlings in Oberhausen und den Feinschliff verpasste ihnen schließlich Mika Jussila in den Finnvox Studios in Helsinki. „Love in Black“ kam also ganz schön weit rum, bevor er schließlich im Player der Konsumenten landet.

Ganz klischeelos geht es bei dem Genre auf dem „finnisch“ geprägten „Love in Black“ natürlich nicht zu, wie bereits der Titel des Albums andeutet. Entsprechend handeln Child Of Caesar morbide Themen über Leben, Liebe und Tod ab, verpacken das Ganze aber in eine angenehme Melancholie, die authentisch wirkt und an die starken Veröffentlichungen der 90er Jahre erinnert. Eine Zeit, in der der Melancholie noch mehr Bedeutung beigemessen wurde als lediglich konzipiert zu wirken, weil es das Genre eben verlangt.

Dass sich Child Of Caesar an eben jener „Epoche“ orientieren, verheimlichen sie nicht und so schielt man mit Songs wie „You“ in Richtung Paradise Lost zu „One Second“-Zeiten und auch an Sentenced-Alben wie „Down“ und dessen Düsternis erinnern einige Tracks. Mehr aber schimmern die eher neuzeitlichen Lord of the Lost heraus, vor allem, wenn man sich die Songs „Red Sun“ und „Lost Sacrifice“ anhört.

„Lost Sacrifice“ ist zudem einer der Tracks, der durch den Ausdruck im Gesang die Intention des Textes sehr deutlich an die Hörer transportiert. Die „Sickness“ des Sängers, der da verlauten lässt „I am sick of heavens devotion […], I am sick of holy corruption“, ist hörbar, glaubhaft und ausdrucksstark.

In die Gitarrendominanz des Rauswurfs „Worlds Without Skies“ platziert man schließlich noch schöne Pianomelodien, die der Atmosphäre dienen, ohne zu kitschig oder aufgesetzt zu wirken. Neue Elemente auf „Love in Black“ stellen zudem die Sprachsamples in „Worlds Without Skies“ dar.

Child Of Caesar (Copyright: Child Of Caesar)

Child Of Caesar (Copyright: Child Of Caesar)

„Love in Black“ hätte insgesamt trotzdem noch ein wenig mehr Variationen vertragen können, um offensichtlicher die Unterschiede zwischen den einzelnen Songs ausmachen zu können. Mehr also von Titeln wie „Defector“, das mit schnellem Drumparts aufwartet, oder „Love in Black“, der ebenfalls das Tempo deutlicher durchdrückt, ohne aber die Stimmung des Albums komplett zu verändern. Da diesbezüglich jedoch mehr als gute Ansätze vorhanden sind, fällt dieser Kritikpunkt nicht weiter ins Gewicht.

Davon abgesehen liefern Child Of Caesar außerdem genretypisch ihr Songmaterial ab, das mehr als solide die Fans dieser Spielart auf ihre Kosten kommen lässt und sie mit Atmosphäre und bewährten Trademarks der Stilrichtung bestens bedient. Die Band zaubert zwar kein Masterpiece hervor, schüttelt aber locker ein großartiges Debüt aus dem Ärmel, das eine Steigerung auf einer weiteren Veröffentlichung dadurch erfahren könnte, indem Child Of Caesar ihre Eigenständigkeit präsenter herausarbeiten. Dies sollte man dringend im Auge behalten, zu oft wirkt „Love in Black“ noch wie der kleine Bruder von Lord of the Lost-Platten.

Video

Tracklist

01 Defector
02 Red Sun
03 Gates
04 Nero
05 Long Live the Night
06 Lost Sacrifice
07 You
08 At Heart
09 Love in Black
10 Worlds Without Skies

Details

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Label: Inverse Records
Vö-Termin: 12.06.2015
Spielzeit: 45:19

Copyright Cover: Inverse Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde