Review

Was passiert, wenn Einflüsse von Gothic, Klassik, Steampunk und Metal aufeinandertreffen, zeigt die Band Celtica auf ihrem inzwischen vierten Album namens „Steamphonia“. Mittels der darauf zu findenden 14 Eigenkompositionen entführt das international besetzte Projekt seine Hörer in das Viktorianische Zeitalter – und dies tun Celtica auf eine sehr modern klingende Art und Weise.

Dreh- und Angelpunkt des Ganzen ist der Dudelsack. Trotz dieser „Pipe Rock“-Präsenz wirkt „Steamphonia“ jedoch weder gleichförmig noch – wie es das Instrument auf Albumlänge oftmals an sich hat – nervig. Vielmehr geben sich Celtica unerwartet abwechslungsreich, sodass ihre Veröffentlichung zu keinem Zeitpunkt an Spannung verliert oder langweilig wird.

Zutaten wie Chöre, Geigen, harte Gitarrenläufe oder eine treibende Schlagzeugarbeit, die nicht selten auch energische Doublebass-Attacken in die Titel einstreut und dem musikalischen Geschehen damit einen gehörigen metal-lastigen Härtegrad verpasst, werden von Track zu Track anders gewichtet. Dadurch stößt der Hörer in „Carmina Celtica“ beispielsweise auf ein modernes Geigenspiel à la Lindsey Stirling, während sich „Demon of Carbonium“ von einer eher klassischen Ausrichtung beeinflusst zeigt und diesbezüglich an Rondò Veneziano erinnert. Metal-Fans werden durch die Gitarren- und Drumarbeit sehr gut bedient, und kommen dann noch sinfonische Elemente dominanter ins Spiel wie z.B. in „Harbour in the Sky“, erinnern diese gar an Bands wie Equilibrium und holen auch Hörer mit derlei Vorlieben ab.

Nahtlose Übergänge von Song zu Song sorgen außerdem für einen angenehmen Hörfluss, der immer etwas Neues zum Entdecken bereithält.

Nebenbei betreiben Celtica zudem noch ein wenig Geschichtsunterricht, denn ein Titel wie „Antarctica“ erzählt von dem Wettlauf zwischen Roald Amundsen und Robert Falcon Scott um die Eroberung des Südpols. Dass die Tracks dabei häufig ohne oder mit nur wenig Text auskommen, ist erstaunlich und faszinierend zugleich, lässt man doch die Musik für sich sprechen. Und jener gelingt es, die Intentionen und Stimmungen mit schönen, stets passenden Melodien an die Hörer zu transportieren. Die harmonische Kombination der zum Einsatz gebrachten Instrumente wirkt wie eine dynamische Interaktion. Legt die Gitarre beispielsweise vor, antwortet die Geige darauf mit stimmiger und lebhafter Spielweise. Es entsteht der Eindruck eines Gesprächs unter den Instrumenten, das seine Botschaften auch an die Hörer weiterzutragen imstande ist.

Ein kleiner Minuspunkt, der jedoch nicht in die Wertung einfließt, ist ein fehlendes Booklet. Zwar ist jenes auch nicht zwingend erforderlich, da (wie erwähnt) die Tracks mit nur wenig bzw. gar keinen Text auskommen und die Band ihre Instrumente und Musik für sich sprechen lässt – und das tun sie sehr überzeugend und mit einer enormen Durchschlagskraft -, doch das hervorragende und detailreiche Coverartwork zeugt davon, dass Celtica ihr Konzept auch visuell perfekt umgesetzt haben. Davon hätte man gerne anhand von Bandfotos und/oder Artworks mehr gesehen. Vielleicht beim nächsten Mal.

Celtica (Copyright: Celtica)

Celtica (Copyright: Celtica)

Bis dahin kann sich – trotz eng gestecktem Konzept – eine breite Hörerschaft mit „Steamphonia“ die Zeit vertreiben, denn von Fans der Gregorians, über Lindsey Stirling- und The Dark Tenor-Begeisterte bis hin zu Equilibrium-Konsumenten kommen hier Hörer jeglicher Fa­çon auf ihre Kosten. Auch Fans moderner Klassik sollten ein Ohr riskieren. Zwar dominiert der Dudelsack, sodass man schon ein Faible für dieses Instrument mitbringen sollte, darüber hinaus nehmen Celtica mit ihrer Virtuosität, einem vollen Klangbild und wundervollen Melodien aber auch Hörer gefangen, die zunächst vielleicht skeptisch sind.

Video

Tracklist

01 Steamphonia
02 Demon Of Carbonium
03 Harbour In The Sky
04 Telegram for Monsieur Verne
05 Carmina Celtica
06 The Iron Angel
07 Full Steam Ahead
08 Nautilus Descending
09 Antarctica
10 Victoria’s Desire
11 Deus Ex Machina
12 A Sinister Romance
13 Megawatt
14 Gateway To Utopia

Details

Celtica – Homepage
Celtica – Facebook

Label: Stringdependent Records / Membran
Vö-Termin: 23.09.2016
Spielzeit: 61:31

Copyright Cover: Stringdependent Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde