Review

Cattle Decapitation sind wieder da und wollen uns vom Fleischessen abhalten. Dabei klingt ihre neue Scheibe doch gerade so fleischig und organisch. „The Anthropocene Extinction“ heißt das Werk der Jungs auch San Diego. Seit mehreren Jahren eine feste Größe im Metal-Geschäft, ist man immer wieder erstaunt, mit was für einer Brutalität und Geschwindigkeit die Gorer an den Start gehen. Musikalisch stagnieren sie nicht, jedoch sagen sie von sich aus schon, dass sie mit dem Alter immer weniger zu verlieren haben und einfach das machen können, was sie wollen. Diesen Status hätten viele Bands gerne. Ob das im Fall von Cattle Decapitation so auch funktioniert? Wir hören es uns an.

Habt ihr die „Monolith of Inhumanity“ geliebt? Dann haben wir schon etwas gemeinsam. Diese Platte hat auch Cattle Decapitation die Türen geöffnet. „The Anthropocene Extinction“ kann man klar als „Monolith II“ ansehen. Die Songs grooven teilweise höllisch gut und haben wieder diese massive Brutalität, für welche die Jungs bekannt sind.

Allerdings stellt sich nach dem ersten Durchlauf die Frage: Wo sind die Aha-Momente? Auf dem Vorgänger konnte fast jeder Song überzeugen, jetzt läuft die Platte eher so durch. Trotzdem sind die Songs immer noch stark.

„The Prophets of Loss“ kann z.B. mit seinem Black-Metal-Charakter richtig überzeugen. In Verbindung mit dem kraftvollen und berstenden Gesang von Travis Ryan ist das ein ziemliches Monster.
Dabei bleibt die Produktion immer auf hohem Niveau. Natürlich ist der Sound extrem fett und gewaltig, doch für Cattle Decapitation ist das genau richtig. Der Grad an Natürlichkeit wird nicht unterschritten und so erwartet uns kein Gewitter à la Fleshgod Apocalypse.

An dieser Stelle muss man zudem die Leistung der Musiker loben. Kreativität trifft Highskill. Jeder hat sein Instrument unter Kontrolle und so klingen die schwierigen Riffs dennoch nicht aneinander gestückelt, sondern aus einem Guss. Das ist bei dieser Geschwindigkeit fast eine Seltenheit. McGraw ist aber auch ein Tier.

Cattle Decapitation (Copyright: Zach Coroner)

Cattle Decapitation (Copyright: Zach Coroner)

Songs wie „Plagueborne“ oder „Mammals in Babylon“ bringen dann wieder die Gesangparts in den Vordergrund, die bei Cattle Decapitation immer etwas merkwürdig klingen; nicht schlecht, eher originell. Oft kommen sie zusammen mit viel Melancholie daher. Das passt richtig gut und gibt den Songs mehr Tiefe. Erstaunlich, liegen ihre Wurzeln doch im anspruchsvollen Grindcore. Irgendwann schafft jeder den Sprung zum Death Metal.

Mit „Ave Exitium“ finden wir sogar ein ruhiges Instrumentalstück vor. Im ersten Moment hat es mich an Diablo erinnert. Es dient als Intro, wenn auch nicht ganz gekonnt zum letzten Song „Pacific Grim“. Er bildet einen soliden Abschluss aber auch hier ist kein Highlight zu erwarten.

Fazit: Schade, ich habe mir sehr viel von dieser Platte erhofft. Die Songs sind gut, keine Frage, aber man sieht keine Weiterentwicklung, sondern eher eine „Monolith 2.0“, wobei ich Version 1.0 vorziehen würde. Natürlich ist die Fanbase da und die kauft auch ohne Wenn und Aber. Allen anderen empfehle ich eher die Vorgänger und sich ein wenig durch die Geschichte der Band zu wühlen.

Video

Trackliste

01 Manufactured Extinct
02 The Prophets of Loss
03 Plagueborne
04 Clandestine Ways (Krokodil Rot)
05 Circo Inhumanitas
06 The Burden of Seven Billion
07 Mammals in Babylon
08 Mutual Assured Destruction
09 Not Suitable for Life
10 Apex Blasphemy
11 Ave Exitium
12 Pacific Grim

Details

Cattle Decapitation – Homepage
Cattle Decapitation – Facebook
Cattle Decapitation – Twitter

Label: Metal Blade Records
Vö-Termin: 07.08.2015
Spielzeit: 46:10

Copyright Cover: Metal Blade Records



Über den Autor

Marcus