Review

EPs erfreuen sich großer Beliebtheit. Carnalation nehmen sich da nicht aus und veröffentlichen 2015 ihre Kurzfassung namens „Ghosts“.

Seit 2009 sind die Jungs unterwegs. Ihr Ziel damals war es, kompromisslose Musik zu machen, die hier und da mit Besonderheiten geschmückt ist. Den Finnen gelingt das auch heute noch ziemlich gut. Ihr Mix aus modernem groovigem Death Metal und Grindcore zündet sofort. Ob das auch von Anfang bis Ende von „Ghosts“ der Fall ist, klären wir jetzt.

Ihr Opener „Drown in Silver“ schlägt sofort ins Gesicht; Carnalation halten sich nicht lange mit Intros auf. Zwar kommt hier die geballte Brutal Death Metal Keule um die Ecke, jedoch klingt das schon deutlich frischer als vieles, was derzeit auf dem Markt ist. Das Riff hätte auch von Gojira stammen können. Der darunterliegende Blastbeat in Verbindung mit dem fiesen Gekeife macht allein den Anfang schon extrem episch und lässt die Gänsehaut sprießen.

Oftmals spielen Carnalation nicht mit melodischen Parts, die Dissonanz hat es ihnen angetan und passt hervorragend zum düsteren Image der Jungs. Bei „Against the Burning Sky“ hat man zwar Angst, dass gleich der Metalcore um die Ecke kommt, doch das Interludium fühlt sich schön und organisch an. Die Drums sind getriggert, was vielleicht hier nicht so ganz passt, dennoch ist das Gitarrenspiel herrlich. Aber genug davon, denn auch das wird sofort unterbrochen durch die blanke Gewalt des Nachgelagerten. Was man Carnalation aber zugutehalten muss, sie greifen immer wieder bekannte Themen in abgewandelter Form auf. Das machen sie so gekonnt, dass sich die Aha-Effekte nur so tummeln. Nicht selten werde ich an unsere Freunde von Aborted erinnert, die gehen ja mit einer ähnlichen Kompromisslosigkeit an ihre Platten heran.

Weiterhin fällt die Produktion positiv ins Gewicht. Auch wenn das Schlagzeug modern getriggert ist, tut es der Musik keinen Abbruch. Immerhin vereint die Band modernen und oldschool groovigen Death Metal.

Die Grooveparts in „Prometheus“ erinnern stellenweise an das Projekt von Krimh. Viele einzelne Töne treffen auf brachiale Blastsbeats und Gekreische bzw. Gesang à la Soilwork. Ganz großes Kino!
Ebenso großes Kino ist die Geschwindigkeit, die die Jungs an den Tag legen. Unfassbar, wie fix teilweise Schlagzeugparts oder Gitarrenlinien eingeprügelt wurden, die übrigens von ihrem fetten Sound an Decapitated erinnern. Das ist natürlich nicht immer ein Garant für gute Musik, aber in diesem Fall trifft es zu.

Carnalation (Copyright: Inverse Records)

Carnalation (Copyright: Inverse Records)

Melodic Death Metal gefällig? Dann ist „Passengers“ euer Stück. Das Ganze gepaart mit etwas Stoner und schon entsteht ein melancholisches Groovegewitter.

In „Death and Rust“ kommt Carnalations Hardcore-Charakter mehr heraus. Man möchte sich auf die Fresse geben und ordentlich im Pit abgehen. Der Song nimmt aber an Tempo und Brutalität ab, sodass es sich zum Schluss eher um ein Outro handelt. Schöner Abgang!

In der EP „Ghosts“ steckt so viel Power und Kreativität, dass es wahrscheinlich auch für einen Longplayer gereicht hätte, den ich mir an dieser Stelle wünsche.

Fazit: Wirklich klasse, was die Dudes von Carnalation 2015 mit ihrer EP abliefern. Man merkt, dass sie ihren Stil gefunden und perfektioniert haben. Man hört die Spielfreude förmlich heraus. Jeder, der brutale und fixe Riffs mag, sich gerne mal überraschen lässt und dieses Jahr noch keinen Leckerbissen gefunden hat, wird hier vielleicht fündig.

Video

Trackliste

01 Drown in Silver
02 Against the Buring Sky
03 Prometheus
04 Passengers
05 Death and Rust

Details

Carnalation – Homepage
Carnalation – Facebook

Label: Inverse Records
Vö-Termin: 12.06.2015
Spielzeit: 24:08

Copright Cover: Inverse Records



Über den Autor

Marcus