Review

Barbara Lehnhoff alias Camilla Sparksss debütiert dieses Jahr über On The Camper Records mit ihrer Platte „For You The Wild“. Beschrieben wird der Sound als Cold Wave/Hyper Pop, aber um den Musikschrank nicht mit noch mehr Genreschubladen voll zu stopfen, könnte man die Songs dem elektronischen Bereich unterordnen.

Camilla Sparksss scheint eine von den Künstlern zu sein, die mit ihrer Musik einen individuelleren Weg einschlagen, mit einer tieferen „Message“. In diesem Fall ist es unter anderem die Unschuld und Unberechenbarkeit der Natur.
Naja, mal schauen, wie weit es in Richtung Greenpeace auf der Platte geht, und starten mit Track „Move Like A Shark“, der gleichzeitig die Single zum Album ist.

Nach ein wenig Snare, Bassdrum und Synth-Geräuschen werden die Trommelfelle mit hohen, übersteuerten Sounds strapaziert. Diese wirken total fehl am Platz und man fragt sich, ob bei der Produktion irgendetwas schief gelaufen ist, oder vielleicht sind es einfach Töne, die nur von Meereslebewesen wahrgenommen werden können. Der Rest des Songs tröpfelt so vor sich hin und Frau Sparksss gibt in gewissen Abständen ihre Lyrics von sich.

Na gut, erster Song, vielleicht nur eine Einleitung in die Platte, dennoch schwach für eine Single.

Folgetrack „Precious People“ besticht durch eine lässige Steel Pan-Melodie und einem guten Drop in der Mitte. Diesen kann man sich nach zwei Durchgängen getrost öfters geben, leider ist „Precious People“ auch der einzige Song, bei dem das klappt.

Spätestens nach „I´ll Teach You To Hunt“ hat man das Gefühl, man wäre in einen Song von Icona Pop rein gerutscht. Synthsounds dümpeln im Standardbereich herum, dazu ein Gitarrenriff und diese typischen Texte im Befehlston, die man dann in jeder Disco und in jedem Zustand mitsingen kann.

„Europe“ punktet danach durch groovige, pumpende Drums und dazu passenden Streichinstrumenten.
Auch der ruhige Gesang zu Beginn findet sich sehr gut in den Song ein, bis dann wieder irgendwelche Protestrufe die Stimmung zerschneiden.

Und danach endet eigentlich schon der einigermaßen interessante Teil von „For You The Wild“; die restlichen Songs haben weder eine Aussage noch steuern sie eine tragende Rolle zur Platte bei.

Es ist die Chemie, die alles miteinander verbindet, die fehlt. Die Beats sind durchaus gelungen, hier und da setzen sie sich sogar im Gehirn fest. Ebenfalls retten sie noch einiges an verloren gegangener Stimmung innerhalb der Songs.

Camilla Sparksss (Copyright: Camilla Sparksss)

Camilla Sparksss (Copyright: Camilla Sparksss)

Die Kehrseite der Medaille ist der Gesang und besonders die Lyrics. Es ist natürlich nicht unüblich, dass in Songs dieses Genres mal gesungen und mal gebrüllt wird. Aber Camilla Sparksss schafft es nicht, diese Gesangselemente passend zu platzieren.
Hinzu kommen dann irrelevante Lyrics wie „Yeah“ , „Wow“ sowie diverse Schimpfwörter. Wenn es dann mal zu ganzen gesungenen oder gesprochenen Sätzen kommt, wirken diese doch sehr klischeebehaftet und zweitklassig.

Aber warum ist das so dramatisch, beim Feiern geht so was doch absolut klar? Klar, auf einer Party ist so etwas durchaus vertretbar, aber nicht, wenn man die Intention, die hinter diesem Album steht, deutlich machen möchte.
Was also nützt das Gesamtbild, wenn es keinen interessiert. Hier fehlt einfach der berühmte rote Faden.

Wenn man der Platte dann doch noch einmal, oder sogar dreimal eine Chance gegeben hat, sind manche Songs durchaus vertretbar und eventuell gewöhnt man sich an den eigenen Charakter. Aber tief im Inneren muss man sich dann doch eingestehen, dass nichts hängen geblieben ist und man sich mehr zwingen muss, den Play-Knopf zu drücken, als dass man es aus reiner Laune heraus tut.

„For You The Wild“? Höchstens schlechtes Benehmen.

Video

Tracklist

01 Move Like A Shark
02 Precious People
03 I´ll Teach You To Hunt
04 Europe
05 This Is Huge
06 Sharing
07 For You The Wild
08 You Are Awesome
09 Killer
10 White Cat

Details

Camilla Sparksss – Homepage
Camilla Sparksss – Facebook

Label: On the Camper Records
Vö-Termin: 20.06.2014
Spielzeit: 31:10

Copyright Cover: On the Camper Records



Über den Autor

Christopher