Review

Alternativer Sound, der in Form von hartem Elektro, aber auch einer Menge Kultur kommt. Cain Johnson verbindet auf „Reset“ Synths, rhythmische Beats und klassische Instrumente miteinander. Und das auch noch mit nahtlosen Übergängen, sodass nie wirklich ausschließlich eine Schiene auf den elf Songs gefahren wird.

Jedoch kommt Cain Johnson keineswegs wie eine hyperaktive Truppe rüber, die nach dem experimentellsten Sound überhaupt sucht. Smooth und groovy geht es mit „End Of Days“ los, wo Cain Johnson schon mal die bluesigen Muskeln spielen lässt. Angefangen von Streichinstrumenten bis zu Klavieren ist auf „Reset“ alles vertreten. Dabei ist das Arrangement dieser Instrumente immer wieder aufs Neue überraschend ausgeglichen.

Sollte man denken, dass sich durch diese Kombinationen schlauchige Strukturen aufbauen, die aufgrund des ohnehin schon permanent langsamen Tempos an den Nerven zerren, irrt man sich. Cain Johnson kann beides, sowohl eine balladenartige Stimmung aufkommen lassen, als auch mal dezent auf den Putz hauen. „Forever“ ist ein gutes Beispiel für einen ruhigeren Charakter, der sich über leicht poppige Einschnitte legt, welche den Song dazu noch sehr catchy machen.

Kommt es zu „Machines“ oder „Corrupt“, schlägt „Reset“ auch durchaus mal drückendere Töne an. Im Falle von „Machines“ drückt die knarzende Elektronik den Sound gut nach vorne. Einem der besten Beats begegnet man in „Nobody“. Nicht nur bilden hier schnelle Synthis das Fundament, die Melodie besticht außerdem durch ein simples Tropfen-Muster. Bevor der Song mit Klavier und Atmosphäre aufbricht, könnte er auch gut im Club einige Seelen für sich gewinnen.

Ein anderes Element, welches dem Sound von Cain Johnson mehr Substanz gibt, ist der Gesang. Sehr tief und robust kommt die Stimme daher, welche besonders in den Blues- und Jazz-Passagen das gewisse Feeling aufkommen lässt. Wobei man sagen muss, dass manchmal ein wenig zu viel Theatralik an die falschen Stellen in die Vocals gelegt wurde, sodass die Musik drumherum diese locker ausspielt. Zum großen Teil fügt man sich hier gesanglich aber gut in den Gesamtsound ein und oft wirken Instrumente und variierende Stimmlagen wie aus einem Guss.

Cain Johnson (Copyright: Cain Johnson)

Cain Johnson (Copyright: Cain Johnson)

Doch je besser ein Titel ist, desto schneller fällt ein unscheinbarer auf. Auch „Reset“ beinhaltet so manchen, wie zum Beispiel „Rocket“, der einfach nach Schema F konstruiert wurde. Ebenfalls dienen viele Passagen nur als atmosphärische Lückenfüller. Dies fällt deswegen stärker ins Gewicht, da Cain Johnson oft genug beweist, dass er es schafft, interessante und abwechslungsreiche Ansätze in seine Musik mit hinein zu bringen.

Man hört es, man fühlt es. Auf „Reset“ macht es zu jederzeit oft genug schon zu Beginn ‚Klick‘, sodass man an der Platte dran bleiben möchte. Und obwohl hier ein qualitativ hohes musikalisches Niveau aufgefahren wird, drängt sich Cain Johnson dem Hörer nicht auf. Es eröffnen sich immer wieder Wechsel im Stil, ohne die eigentliche Intention der Musik aus den Augen zu verlieren.
Erst „Reset“, dann Repeat!

Anspieltipps:
Forever / Nobody / Reset / Machines / End Of Days / Me

Video

Trackliste

01 End Of Days
02 One Earth
03 Machines
04 The Spirit Goes
05 Rocket
06 Forever
07 Corrupt
08 Me
09 Nobody
10 Hope
11 Reset

Details

Cain Johnson – Homepage
Cain Johnson – Facebook

Label: BOD Music / Nova Media
Vö-Termin: 09.10.2015
Spielzeit: 41:27

Copyright Cover: BOD Music



Über den Autor

Christopher