Review

„378“ ist nur eins der beiden Alben, mit denen Ça aus Frankreich ihre Vorstellung von extremer Musik an den Mann bzw. an die Frau bringen wollen. Der Sound des Trios scheint direkt aus dem Chemielabor zu kommen – mit experimentellem Jazz und jeder Menge spaltendem Math-Rock/Mathcore. Das bedeutet, es wird ordentlich auf den Gitarren herumgehackt, unkonventionelle Rhythmen werden die Hörer aus der Bahn werfen und urplötzlich verliert man sich in melodischen Parts, die genau dagegen ansteuern.

Mit dem Song „3“ fängt es noch relativ harmlos an, indem akustische Gitarren die Ohren umschmeicheln. Man mag hier vielleicht noch an Progressive Rock denken, doch sobald sich Ça mit aller Gewalt ihrer Instrumente auf die Trommelfelle stürzen, scheint „378“ erst richtig zu beginnen.

Was die aggressive Musik der Band auszeichnet, sind die abgehackten Stakkato-Riffs in Kombination mit der puren Schlagkraft des Schlagzeugs, die das Tempo hochschraubt und wirre Takte angibt. Dennoch stürmen die Titel nicht einfach nur nach vorne, sondern wissen auch mit einigen smoothen Jazz-Einlagen zu überzeugen. Immer mal wieder brechen Strukturen auf und Ça nehmen sich alle Zeit der Welt, ihre Tonleitern zu erforschen; dies zieht sich manchmal etwas hin und bringt auch nicht unbedingt Abwechslung mit sich.

Ideen sind jedoch auf dieser Platte durchaus vorhanden. Auf „7“ gibt es gleich zu Beginn ein grooviges Tapping-Riff, welches viel zu schnell endet, dass man sich in ihm verlieren könnte. Dafür bekommt man ab der Mitte spacige Sounds unter atmosphärischen Melodien, welche den Song um einiges auflockern.
Auch „8“ startet direkt mit einer gewissen Dynamik und entfernt sich des Weiteren deutlich von der Hardcore-Seite der Band – obwohl es zum Schluss dann doch noch einmal ausartet.

Ça (Copyright: Ça)

Ça (Copyright: Ça)

Aufgrund der kurzen Laufzeit scheint es so, als hätte man das Potenzial auf „378“ nicht voll ausgenutzt. Der Hörer erwartet immer noch den Knaller des Albums, der es richtig durch die Decke schießen lässt. Bis dahin bekommt man leider auch nur Mathcore-typische Einlagen, die Vorreiter des Genres schon zur Genüge in ihre Musik eingebunden haben. So wirkt trotz des angestrebten Chaos nicht allzu viel überraschend. Selbst der Anteil an Jazz erscheint arg konstruiert und vorhersehbar.

Das steht der Unterhaltung der Platte aber keineswegs im Wege, zumal sich die Mitglieder mit musikalischer und technischer Finesse an die Materie begeben. Vor allem ist „378“ dazu noch leicht bekömmlich und somit für ein paar Durchläufe mehr geeignet.

Video

Trackliste

01 3
02 7
03 8
04 Bonus Track

Details

Ça – Facebook

Label: Atypeek Music
Vö-Termin: 00.04.2016
Spielzeit: 20:48

Copright Cover: Atypeek Music



Über den Autor

Christopher