Review

Indem Timezone Records das zweite Album „Oblivion“ ihrer Schützlinge Bulletride als „kleinen Geniestreich“ ankündigt, stapelt das Label nicht gerade niedrig. Ob der Silberling mit seinen zwölf Songs die Vorschusslorbeeren tatsächlich verdient, klären wir in diesem Review.

Eigentlich gebe ich nicht viel auf Wortwahl und Lobeshymnen eines Promotextes, da hier doch meist sowieso nur werbewirksam formuliert und angepriesen wird. Mit dem Begriff „Geniestreich“ legt man die Latte, an der sich „Oblivion“ nun also messen lassen muss, allerdings sehr hoch und schürt gleichzeitig die Erwartungen der Hörer entsprechend, denn gehen wir von der klassischen Definition des Wortes aus, so handelt es sich bei einem Genie um „eine Person mit überragend schöpferischer Geisteskraft […] oder auch besonders herausragenden Leistungen auf anderen Gebieten“, nachzulesen auf Wikipedia.
Eine schöpferische Geisteskraft (Lyrics) und solide Leistung (Songwriting, musikalisches Können) weisen Bulletride auch in der Tat auf, um allerdings als genial bezeichnet werden zu können, hätten einige Melodien und Songs noch eigenständiger ausfallen müssen, zumindest so weit, ohne dass der Eindruck entsteht, sie (z.B. „Centerfold“) so oder ähnlich bereits schon einmal gehört zu haben. Zum „Geniestreich“ reicht es daher durch diesen Kritikpunkt in unseren Augen und Ohren noch nicht, aber Bulletride können so einiges auf der Habenseite verbuchen.

Darunter allen voran Spielfreude, Eingängigkeit und Abwechslung.
Das Quintett aus Osnabrück hat eindeutig Bock, seine Songs zu spielen. Das hört man insbesondere den energiegeladenen Rocknummern an, die dynamisch und druckvoll nach vorne preschen und mit satter Gitarrenbreitseite daherkommen. Dies steckt auch die Hörer an und sicherlich wird es einige zu Recht neugierig auf die Liveperformance der Band machen.

War ihr Debütalbum „Morphine“ noch auf klassische Hard Rock Töne ausgerichtet, präsentieren sich Bulletride nun mit Alternative Rock Einschlag, der modern und frisch aus den Boxen knallt. Dass es dabei nicht bleibt und man auch ansonsten nicht allzu einseitig agiert, beweisen Titel wie „Broken“ (absolutes Highlight!) und „Home“, welche die ruhigere Seite der Band betonen.

Nicht erst hier, aber umso intensiver kommt in diesen Songs die Gesangsstimme dabei ausdrucksstark zum Vorschein, die durch die zurückgenommene Instrumentierung an Gewicht gewinnt und einen Kontrast zum härteren Gesang in beispielsweise „White Devil“ bildet. Es ist als großes Kompliment zu verstehen, dass „Broken“ zuweilen an den traurig-schönen Song „Hurt“ von Johnny Cash erinnert und er auch stimmlich der einstigen Singer-Songwriter-Ikone sehr nahe kommt.

Bulletride (Copyright: Bulletride)

Bulletride (Copyright: Bulletride)

Zudem stellt man die auch zuvor schon des Öfteren gehörten Streicher-Zugaben mehr in das Zentrum des musikalischen Geschehens. Besonders „Home“ verpasst man dadurch nicht nur einen sehr erhabenen, sondern zugleich auch einen leicht folkigen Touch, ohne die eigentliche alternative Rock-Richtung aus den Augen zu verlieren.

Dem Album „Oblivion“ kommt außerdem zugute, dass Bulletride die Songs darauf sehr abwechslungsreich platziert haben. So gibt man mit dem äußerst aggressiv eingesungenen „Spitfire“ und dem eher metallischen „Centerfold“ ordentlich Gas, bietet dem Hörer durch die balladeskeren Titel jedoch immer mal wieder auch eine Verschnaufpause. Dieses Muster ist schon bald vorausseh- und berechenbar, verfehlt seine Wirkung aber nicht.

Die eingängigen Melodien eines jeden Songs prädestinieren „Oblivion“ darüber hinaus, von einigen Radiostationen in die festen Playlists aufgenommen werden zu können. Zu wünschen ist dies der noch jungen, 2013 gegründeten Band, die es auch zukünftig zu beobachten gilt, denn sieht man von einigen abgekupferten Ideen und bekannteren Tönen ab, so rocken sich Bulletride mehr als solide in die Herzen der Hörer, die modernem Rock etwas abgewinnen können.

Video

Tracklist

01 The Rising
02 Spitfire
03 Centerfold
04 White Devil
05 Ashes To Ashes
06 Broken
07 Oblivion
08 Little Lies
09 Home
10 Blood For Blood
11 Gone Baby Gone
12 Bulldozer

Details

Bulletride – Facebook

Label: Timezone Records
Vö-Termin: 12.06.2015
Spielzeit: 41:21

Copyright Cover: Timezone Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde