Review

Schwarzwald – Wenn der Name zum Programm wird. Genau aus diesem Reich stammt das Duo, das sich den Namen Brannthorde zugelegt hat. Debütiert wird dieses Jahr mit dem passenden Titel „Auf Teufel Komm Raus“.
Geschmückt mit einem Artwork von Tony Koehl, dessen Pinsel schon für u.a. The Black Dahlia Murder und Waking the Cadaver ran durfte. Getaucht in tiefste atmosphärische Dunkelheit, verkörpert durch Black Metal allerfeinster Art.

Das heißt, gnadenlose Drums treffen auf glühend heiß gespielte Saiten, die die Trommelfelle bis zum Zerbersten strapazieren. Passend dazu Geschrei direkt aus der Hölle und stellenweise so klar, dass man die deutschen Texte durchaus sofort verstehen kann. In der Stimme steckt eine Menge Volumen, sodass sie nie unangenehm auszubrechen scheint. Die Lyrics fallen den Themen entsprechend antichristlich, anarchistisch und misanthropisch aus. Aber Black Metal ist auch nun mal keine Folk-Musik, bei der alle Hände haltend über die Blumenwiese tanzen.

Neben dem durchgängigen Gebolze überraschen Brannthorde sogar mit kleinen melodischen Passagen, die den Sound überwiegen entschleunigen und ihn weniger anstrengend klingen lassen. So auf „ahd. Fleisc“, das mit Tremolo beginnt und sich im Mittelteil im groovigen Akkordaufbau verliert. Und auch „Dunkles Grün“ bietet mit dynamischen Riffs des Death Metal ein paar nette Abschweifungen vom schwarzen Genre.

Mit marschierenden Rhythmen geht es in „Staub“ voran. Dabei zunächst wieder fernab vom Black Metal Thema, bis es schließlich in die Schallgeschwindigkeit übergeht. Zum Ende zeigen sich Brannthorde erneut von ihrer ruhigeren Seite. Das Gitarrenspiel bietet viel Raum und mit dem Sample auch eine Menge zusätzliche Atmosphäre.

Brannthorde (Copyright: Brannthorde)

Brannthorde (Copyright: Brannthorde)

Stichwort Samples. Davon gibt es auf „Auf Teufel Komm Raus“ mehr als genug. Neben englischen Auszügen auch eine Menge aus den deutschen Medien. Überwiegend mit religiösen Themen. Dabei legt die Band neben den obligatorischen Intros und Outros auch mehrere Spuren übereinander. Eine reine Überflutung des menschlichen Geistes. Besonders das Schlusslicht „Ewige Angst“ fährt damit auf. Die Samples ersetzen die Vocals über die Gitarren und das Schlagzeug. Das und das Statement am Ende hinterlassen nach der Platte einen trockenen Geschmack im Mund.

Natürlich klingt alles zudem sehr düster und dreckig. Teilweise sogar ein wenig zu stumpf, das spiegelt zwar gut den Charakter des Sounds wider, aber manche Klänge enden irgendwo im Matsch, was besonders schade für die abgefahrenen Soli ist, deren Spur man ruhig etwas hätte aufdrehen können. Aber ansonsten klingt alles wirklich zwielichtig und bedrohlich.

Brannthorde bringen hier Kathedralen zum Brennen, ohne wirklich stark auf dem satanistischen Thema o.Ä. herumzureiten. Die Lyrics sind zwar sehr drastisch, aber trotzdem äußerst mitreißend verpackt. „Auf Teufel Komm Raus“ kracht an den Stellen, an denen es krachen soll, und schafft Atmosphäre, wenn sie benötigt wird. Wie es im Black Metal so üblich ist, klingt die Platte auch oft sehr durchwachsen und anstrengend. Im Kontrast dazu lockert die Band die Strukturen allerdings immer wieder etwas auf. Zugänglich auch für Krachfetischisten, die mal über ihren eigenen Horizont hinausschauen wollen. Brannthorde mähen musikalisch und lyrisch alles nieder.

Video

Trackliste

01 Der Verweser
02 Taufe In Feuer
03 ahd. Fleisc
04 Erleuchtung
05 Staub
06 Dunkles Grün
07 Der Erste Schnee
08 Durch Das Finster
09 Der Alte Hass
10 Pendulum
11 Ewige Angst

Details

Brannthorde – Facebook

Label: ASTAT entertainment
Vö-Termin: 12.05.2015
Spielzeit: 44:24

Copyright Cover: Brannthorde



Über den Autor

Christopher