Review

Fräsende Gitarren, energetisches Drumming und die zarten Klänge eines Pianos/Keyboards zeichnen den Dark Melodic Metal der kanadischen Band Borealis aus, die mit „Purgatory“ ihr drittes Album veröffentlicht und es darauf nicht einfach beim simplen Schubladendenken belässt. Warum nicht? Weil das Quintett sich diverser zusätzlicher Elemente unterschiedlicher Genres bedient, sodass hier Essenzen des Power Metal ebenso zum Einsatz kommen wie sinfonische Zugaben oder progressive Züge.

Das Ganze bietet sich dank der satten und fetten Produktion an, auf hoher Lautstärke gehört zu werden, auf dass die Boxen bersten mögen.

Irgendwo zwischen Kamelot, Sonata Arctica und alten Ordan Ogan platzieren sich Borealis mit ihrer in sich stimmigen Stilmixtur und weisen doch eine hohe Eigenständigkeit auf.

Allen voran ist dies auf Sänger Matt Marinelli zurückzuführen. Seine Stimme ist warm und dunkel. Sie meistert die Lyrics in den treibenden metallischen Songs ebenso wie jene der balladesken Momente. Mal wirkt sie erwachsen und AOR-tauglich, dann wieder modern und hart wie man es von Nu/Modern Metal Bands kennt. Hinzu kommt eine Tiefe und Rauheit, die den Sound von Borealis prägt und bereichert.

Und obwohl Marinelli das Album „Purgatory“ gesanglich im Alleingang bewältigen kann, schadet auch die weibliche Stimme im Song „From The Ashes“ nicht. Hierzu lud man die kanadische Rock/Alternative Sängerin Sarah Dee ein, die im Kontext von Borealis‘ Sound komplett anders klingt, als auf ihren Solopfaden. Das überrascht, aber auf eine angenehme Art und Weise, sodass die junge Sängerin hier die Kraft in ihrer Stimme zum Besten gibt und damit genau die richtige Besetzung für das „borealische“ Duett ist. Jenes ist sinfonisch angelegt, sodass inszenierte Streicher das Metal-Geschehen ergänzen. Wer bei einem Duett nun aber an eine Ballade denkt, der liegt falsch, denn die folgt erst an fünfter Stelle mit dem Song „Darkest Sin“.

Auf kleine Verschnaufpausen – auch abseits der reinen Balladen und innerhalb der schnelleren und härteren Songs – muss man jedoch nicht verzichten, denn Borealis integrieren auch hier mehrfach instrumentale Passagen und balladeskere Parts oder nehmen kurzzeitig das Tempo heraus. Das unterstützt den melodischen Charakter ihrer Lieder.

Borealis (Copyright: Borealis)

Borealis (Copyright: Borealis)

Der oftmals bei solchen Bands anzutreffende Kitsch-Faktor, hervorgerufen durch alles zukleisternde, hell-süßlich klingende Keyboards, bleibt trotz der Dominanz des Instruments aus.
Was Borealis nicht komplett vermeiden können, ist die Tatsache, dass sich die zwölf Songs gegen Ende hin ähnlicher werden. Hier hätten Überraschungen wie das mit Frauengesang daherkommende „From The Ashes“ oder anderweitige Ideen dem Silberling gutgetan und ihm mehr Abwechslung beschert.
Gelungen ist der Band jedoch eine gewisse Epik, die (wie in „Welcome To Eternity“ zum Beispiel) an opulente Fantasyfilm- oder -game-Soundtracks erinnern.
Aus diesem Grund und durch die weiteren genannten positiven Eigenschaften von „Purgatory“ kann nur die „epische“ Wertung von 4,5 Sternen die Folge sein.

Teaser

Tracklist

01 Past The Veil
02 From The Ashes
03 The Chosen One
04 Destiny
05 Darkest Sin
06 My Peace
07 Place Of Darkness
08. Welcome To Eternity
09 Sacrifice
10 Rest My Child
11 Purgatory
12 Revelation

Details

Borealis – Homepage
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Label: AFM Records
Vö-Termin: 19.06.2015
Spielzeit: 52:25

Copyright Cover: AFM Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde