Review

Eine junge, frische Band mit hörbarer Vorliebe für das Kombinieren diverser Genres – das klingt und ist hierzulande vergleichbar mit einer Band wie Run Liberty Run. Und tatsächlich weisen Blind Channel musikalische Parallelen zu den Karlsruhern, aber auch zu Bands wie GrooVenoM auf. Geografisch trennen diese Bands aber einige Kilometer, denn Blind Channel stammen aus Finnland. Ihr Debütalbum „Revolutions“ dürfte mit seinen elf Songs diese Entfernung jedoch mühelos überwinden und auch in Deutschland auf große Begeisterung stoßen.

Ein Grund dafür ist die enorme Energie und Spielfreude, die das Quintett in ihren Tracks an den Tag legt. Dadurch besitzen die Songs ein hohes Livepotenzial, sorgen aber auch daheim genossen für ordentliche Durchschlagskraft.

Dass Blind Channel auf „Revolutions“ nonstop Gas geben, unterstützt diesen Eindruck einmal mehr. Nur selten gönnt die Band sich und den Hörern durch kleine Breaks eine Verschnaufpause, die meiste Zeit regiert jedoch das Tempo und die Mixtur aus verschiedenen kreativ eingebauten Zutaten.

Blind Channel bedienen sich dabei an Elementen aus dem Electro, Core, Nu Metal, Pop, Metal und sogar Rap. Man mag von Alternative Metal sprechen; sie selbst formieren dies alles, stets präsentiert mit einem aggressiven Touch, unter dem Begriff „Violent Pop“. Pop ist in diesem Fall allerdings nicht im herkömmlichen Sinne zu verstehen, vielmehr unterstreicht diese Komponente ihrer Genrebezeichnung die massentauglichen Melodien, die für Ohrwürmer sorgen. Durch die vorherrschende Aggression, Härte und das metallische Grundgerüst eines jeden Songs verkommt man bei all der Eingängigkeit dennoch nicht zu einer reinen charttauglichen Boyband.

Was sich zunächst sehr willkürlich und chaotisch zusammengewürfelt anhört, klingt im Ergebnis äußerst stimmig. Blind Channel gelingt es außerdem, immer genau dann neue Ideen in ihre Songs unterzubringen, sobald ein integriertes Element (wie beispielsweise dubstep-ähnliche Parts) zu nerven anfangen könnten. Damit bleibt „Revolutions“ auf Albumlänge und auch nach mehrmaligem Hören noch interessant.

Und das, obwohl Blind Channel auf Albumlänge Gefahr laufen, trotz in sich stimmiger Stilvielfalt durch die konstant hohe Geschwindigkeit mit den elf Tracks recht ähnlich zu klingen. Darauf könnte zukünftig noch ein bisschen genauer geachtet werden.

Blind Channel (Copyright: Janica Lönn)

Dass sie für kreative Überlegungen offen sind und dieser Kritikpunkt damit schnell auszumerzen ist, zeigt u.a. der Abschlusssong „Don’t“. Jener, eine Coverversion des Hits von Ed Sheeran, hält sich zwar am Original, weist aber deutlich die eigene Handschrift des finnischen Nachwuchses auf. Der scheut auch nicht davor zurück, anders als in Sheerans Ursprungsfassung, den Text konkret auszuformulieren. Verschwindet das Wort „fuck“ im Original noch anbiedernd unter elektronischen Spielereien, bringen Blind Channel die Lyrics in aller Deutlichkeit auf den Punkt: „Don’t fuck my love“. Und auch in ihren anderen Titeln hält sich die Band mit den Begriffen „fuck“ und „motherfucker“ nicht zurück. Verbuchen wir dies einfach unter dem Banner einer jugendsprachlichen Revolution, dem Hörgenuss von „Revolutions“ steht dies jedenfalls nicht im Weg. Weiter so!

Video

Tracklist

01 Bullet (With Your Name On It)
02 Darker Than Black
03 Enemy For Me
04 Pitfall
05 Deja Fu**
06 Hold On To Hopeless
07 What’s Wrong
08 My Revolution
09 Another Sun
10 Unforgiving
11 Don’t

Details

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Label: Ranka Kustannus / Soulfood
Vö-Termin: 16.12.2016
Spielzeit: 38:59

Copyright Cover: Ranka Kustannus



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde