Review

In der skandinavischen Hardrock-Szene sind die Billion Dollar Babies schon längst und vor allem durch ihre Liveperformance etabliert. Mit dem aktuellen Album „Chemical God“ fanden die drei Schweden Pat Kramer, Frankie Rich und Max Lander beim Label Metalville ein neues Zuhause und beide – Band sowie Label – dürften mächtig stolz auf die Veröffentlichung sein, denn auf „Chemical God“ klingt nicht nur jeder Song anders und abwechslungsreich, jeder Track ist auch definitiv ein Brett und bringt immer wieder die Ohren zum Glühen. Lassen Billion Dollar Babies regelmäßig die Bühnen beben, reißen sie nun mit ihrem neuen Output auch noch die Hütten der Hörer ab.

Die Band prescht also mit einer Dynamik durch ihre insgesamt elf Titel, die dem Konsumenten nicht mal durch balladeskere Einschübe namens „One“ oder „The Nightmare Began“ eine Verschnaufpause gewähren.
Zwar kommt gerade „One“ weniger hart und metallisch, sondern vielmehr gefällig und im Stile von poppiger ans Werk gehenden Landsleuten The Poodles daher, während der Balladen-Charakter des Songs mit Streicher-Parts untermauert wird, doch für Melancholie oder Ruhe bleibt auf „Chemical God“ keine Zeit. Und so jagt ein Kracher den nächsten und es fällt schwer, überhaupt Ansätze für Kritik auszumachen.

Entsprechend unmöglich ist es außerdem, für „Chemical God“ konkrete Anspieltipps zu benennen.
Gleich zu Beginn legt man die Messlatte für den Fortgang des Albums mit „I Want To See You Burn“ selbst sehr hoch. Energetisch die Drums, massiv das Riffing, eingängig der gesamte Titel; Billion Dollar Babies verpassen dem eingestaubten Hardrock einen Tritt in den Allerwertesten und fügen seinen bewährten Strukturen und Trademarks rohen, gewaltigen Metal-Sound hinzu. Das Ergebnis: ein repeatwürdiger Song purer Energie.

Dieses Niveau wird auch mit „Everyone’s In Love With A Chemical God“ gehalten, dem man ein paar Manson- und industrialartige Facetten zugefügt hat.
Jene behält man auch in „The Junkies Ball“ bei, zu dem die Band bereits ein Video veröffentlicht hat. Das Tempo wird hier – im Vergleich zu den vorherigen Tracks – ein wenig reduziert, sodass der Song (im positiven Sinne) zäh und schleppender aus den Boxen fließt.

Billion Dollar Babies (Copyright: Billion Dollar Babies)

Billion Dollar Babies (Copyright: Billion Dollar Babies)

Im Sog der hier freigesetzten Energie und Spielfreude nimmt der Hörer den Track „Election Day“, welcher nur 36 Sekunden dauert, kaum als eigenständigen anspielbaren Titel wahr, sodass seine Funktion als Intro für Folgesong „President Payne“ nicht beeinträchtigt wird, auch wenn man ihn somit direkt vor das Lied „President Payne“ hätte setzen können. Das wiederum gibt ordentlich Gas und trumpft mit Samples und partiellen core-artigen Gesangparts auf.

Bleibt abschließend festzuhalten: Es bedarf weder mehrerer Durchläufe, um mit den Titeln warm zu werden oder ihre Zündung zu erleben, noch wird man müde, das Album zum wiederholten Male zu hören. Ob als Beschallung für die nächste Metal-Party, als tägliche Dosis metallischen Hardrocks oder als Liveperformance bei einem sich nächstmöglich bietenden Auftritt der Mannen – „Chemical God“ macht in fast allen Lebenslagen eine gute Figur und sollte in keiner CD-Sammlung bzw. Playlist fehlen.

Video

Tracklist

01 I Want To See You Burn
02 Everyone’s In Love With A Chemical God
03 The Junkies Ball
04 One
05 Why Don’t You Put Up A Fight
06 Election Day
07 President Payne
08 When The Light Goes Out
09 The Nightmare Began
10 The Man I Am
11 House Of Dreams

Details

Billion Dollar Babies – Homepage
Billion Dollar Babies – Facebook

Label: Metalville / Rough Trade
Vö-Termin: 29.01.2016
Spielzeit: 45:42

Copyright Cover: Metalville



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde