Review

Mit dem Debütalbum „Stirb oder friss“ liefert die Hamburger Band Biest ein solides Werk ab.

Das Quartett, bestehend aus Jen Sanusi, Tim Schneider, Daniel Gerdes, Marc Andrejkovits und Simon Schröder, präsentiert mit dem zwölf Titel umfassenden Silberling deutschsprachige Texte, kombiniert mit viel Power, Nachdruck, aber ebenso viel Gefühl. Es macht einfach Spaß, dem Ganzen zuzuhören.

Die Songs

Bereits das Intro ist erfrischend, denn „Ehrlich & Verlogen“ reißt mit. Nicht nur aufgrund der eingängigen Beats, sondern auch aufgrund der lyrischen Message – und das lässt auf mehr hoffen.

Gleiches gilt für den darauffolgenden Song „Kamikaze“. Der Titel verspricht nicht zu viel und drischt mit einem Low-Sound in den Gehörgang, der tatsächlich dem Sinkflug eines Kamikaze entsprechen dürfte. Bass und Gitarren untermalen die voluminöse Stimme von Sängerin Jen und verbreiten gute Laune.

Richtig aufgedreht wird bei „Abrakadabra“, der zweifelsohne als Kraftpaket bezeichnet werden kann. Der Song hat Witz und Power.

„Halte es aus“ ist eine Kampfansage und auch musikalisch in der Lage, genau diese Botschaft zu transportieren.
Weitere Songs mit „Rums“ reihen sich durch „Nervengift“ und „Seelenräuber“ hier ein. Letzterer ist allerdings etwas repetitiv. Die Textzeile „Immer wieder“ tritt tatsächlich immer wieder – und einfach zu oft – auf und schwächt so die eigentliche Message, die durch den Song transportiert werden soll.

Allerdings ist der albumgebende Titel „Stirb oder friss“ der Beweis, wieso die Band den Namen trägt, den sie eben trägt, und beißt förmlich los. Insbesondere die Lyricpassage „Sterben und sterben lassen“ ist ebenso eingängig, wie konstant mächtig.

Biest (Copyright: lost realist photography)

Aber Biest wären wohl kein Biest, wenn sie nicht auch lauern und somit auch ruhigere Töne anschlagen könnten. So ist beispielsweise der Titel „Anders“ tatsächlich anders und hat Tiefgang. Klar wird dabei, dass man sich selbst treu bleiben sollte, sich bestenfalls nicht verkaufen lässt. Weiter reihen sich dabei „Stillstand“ und „Hier bei mir“ ein. Komm bei dir selbst an und vertrau auf dich ist das, worauf es ankommt und die eindringlichen, aber leiseren Töne berühren gleichmäßig mit Nachdruck, aber auch gedeckten Tönen. Gleiches gilt auch für „Wenn alles gesagt ist“. Das ist tatsächlich ein dazu abschließendes Statement.

Das Outro „Ich bleib“ beginnt ebenso nachdenklich, wird dann stark. Die Heimatliebe, die hier besungen wird, geht ins Herz, da das Bild des „Biestes“ zu schwarz-rot-gold projiziert wird und klar macht, dass es ein Zuhause und Zufluchtsort ist und Hass und falscher Stolz deplatziert sind. Das hinterlässt einen bleibenden Eindruck.

Fazit

Ein rundum gelungenes Debüt. Da darf ruhig mehr kommen.

Video

Tracklist

01 Ehrlich & Verlogen
02 Kamikaze
03 Abrakadabra
04 Halte es aus
05 Anders
06 Nervengift
07 Seelenräuber
08 Stillstand
09 Hier bei mir
10 Stirb oder Friss
11 Wenn alles gesagt ist
12 Ich bleib

Details

Biest – Homepage | Biest – Facebook

Label: Metalville / Rough Trade
Vö-Termin: 22.05.2020
Spielzeit: 44:23

Copyright Cover: Metalville



Über den Autor

Daggy
Daggy
Es war einmal...vor langer Zeit..., ein Mädel aus Bayern, das den Sprung von einer katholischen Klosterschule schaffte und ans andere Ende Deutschlands reiste. Dort absolvierte sie als eine der ersten Frauen ihren Dienst bei der Marine. Von dort aus führte ihr Weg zu ihrem jetzigen Job, der sie seither rund um die Welt führt. So lebte sie bisher in den USA (Atlanta), Berlin (ohnehin ihre Wahlheimat), Indien (Mumbai) und derzeit China (Peking). Dabei ist das Reisen, als auch das Fotografieren ein wesentlicher Teil von ihr. Das Ganze wird untermalt von ihren "exzessiven" Konzert- und Festivalbesuchen, denn Musik öffnet überall auf der Welt Tür und Tor.