Review

Während Beyond Obsession derzeit mit And One auf Tour sind, erscheint ihr neues Album „Pieces of Machinery“. Dass jenes mit den positiven Eindrücken, die ihr Debütalbum „Listen Speak and Learn“ bei Hörern und Kritikern hinterließ, mithalten kann, wollen insgesamt zehn Songs unter Beweis stellen.

Über lange Strecken gelingt ihnen das auch sehr gut. Eingängige Synthpop-Tracks ertönen aus den Boxen und verleiten den Hörer zum fröhlichen Mitwippen. Leider können Beyond Obsession jedoch das anfängliche Niveau nicht bis zum Schluss halten. „Pieces of Machinery“ wird zunehmend langweiliger und eintöniger, sodass einige Titel gegen Ende am Hörer nur noch unaufdringlich vorbeirauschen. Die Hits scheinen gespielt zu sein, die Aufmerksamkeit des Konsumenten erschöpft, besagte Songs verlieren sich in Beliebigkeiten.

Dabei beginnt „Pieces of Machinery“ sehr vielversprechend und gut. „Run To You (Some Call It Love)“ startet den Silberling mit retro-charmanten 80er Synthieklängen, der Gesang zeigt sich schon jetzt sehr variabel, indem Nils Upahl sowohl mit warmer Stimmfarbe als auch in hoch gepitchten oder verzerrten Phasen überzeugt.
Der melodische, im Ohr bleibende Refrain will sofort mitgesungen werden und wird auch in Clubs sicherlich das eine oder andere Tanzbein zum Schwingen bringen.

Auch „Black White Hearts“ gefällt auf ganzer Linie. Der Bass imitiert dumpf ein schlagendes Herz und leitet den Beat des Tracks direkt in die Eingeweide des Hörers. Melodie und Gesang erinnern an einstige Hits von Depeche Mode; insgesamt kann man sagen, dass soundtechnisch eine Qualität abgeliefert wird, die eher an internationale Standards gemahnt als vermuten lässt, dass das Trio Beyond Obsession aus Deutschland kommt. Hut ab!

Ein wenig ruhiger und balladesker geht es in „Let Me Go“ zu. In der dabei musikalisch zum Ausdruck gebrachten angenehmen Monotonie dieses Titels kann man sich verlieren.

Beyond Obsession (Copyright: Micha Bock Photography 2014)

Beyond Obsession (Copyright: Micha Bock Photography 2014)

Ebenfalls balladeske Züge weist der Anfang von „Song For The Dead“ auf, der sich aber im Refrain zum heimlichen Highlight des Albums entwickelt. Mitreißende Synthpop-Rhythmen, die Einflüsse aus vergangenen Tagen mit jenen der Moderne verbinden, lassen abermals Assoziationen zu Depeche Mode zu, weisen aber den bis hierhin schon mehrfach gezeigten vielschichtigen Gesang von Beyond Obsession auf, der fast schon als Markenzeichen des Projekts gewertet werden kann.

Nachdem das hypnotisch wirkende „Beautiful Pain“ schließlich verklungen ist, macht sich die Ernüchterung breit.
Zwar liefern Beyond Obsession im Folgenden kein schlechtes Songmaterial ab, die Highlights sind jedoch schon präsentiert worden.

Hätte man auch in dieser Phase des Albums das Tempo hin und wieder prägnanter angezogen oder andere Höhepunkte in die Tracks eingebaut, würde „Pieces of Machinery“ noch weitaus öfter den Weg in den Player finden. Synthpop-Hörer sollten trotzdem mal ein Ohr riskieren!

Tracklist

01 Run To You (Some Call It Love)
02 Black White Hearts
03 Let Me Go
04 Song For The Dead
05 Beautiful Pain
06 Failing
07 Unwinnable War
08 Pieces of Machinery
09 Washed Away
10 Love Child

Details

Beyond Obsession – Homepage
Beyond Obsession – Facebook

Label: Popgefahr Records / Soulfood
Vö-Termin: 03.04.2015
Spielzeit: 42:17

Copyright Cover: Popgefahr Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde