Review

Was Aborted für den Brutal Death Metal ist, ist Benighted für den Deathgrind, der so oft eher plump und langweilig daherkommt. Benighted waren da schon immer anders und konnten allein durch ihre Geschwindigkeit die Hörer in ihren Bann ziehen. Erinnert man sich an Alben wie „Asylum Cave“, dann weiß man, dass sich Fronter Julien viele Gedanken um seine Texte macht. „Necrobreed“ stellt diesbezüglich keine Ausnahme dar.

Das Intro „Hush Little Baby“ ist schon derbe krank, aber Benighted dürfen das – und zu ihrem abgefahrenen Hypergrind passt das sowieso wie die Faust aufs Auge.

„Reptilian“, der erste „richtige“ Track der Platte, greift das „Hush Little Baby“-Thema rein musikalisch sehr gut auf. Fans der Band erfreuen sich hier am extremen Deathgrind mit Punk-Einflüssen. Gerade die Drums schreddern dieses Mal wieder sämtliche Falten aus dem Gesicht der Zuhörer; wen wundert es, immerhin sitzt Romain Goulon an den Fellen, der einfach alles spielen kann.

Juliens Gesang ist nach wie vor energiegeladen und pervers gut. Er hält sich zudem nicht unbedingt an bekannte Konventionen, sondern hat mittlerweile seinen eigenen (im positiven Sinne) ekelhaften Stil kreiert. „Leatherface“ zeigt ziemlich gut das auf, wozu er imstande ist. Doch nicht nur aufgrund des Gesangs, sondern auch durch den gelungenen Mittelpart fungiert „Leatherface“ als Anspieltipp.

Benighted (Copyright: Benighted)

Wer Benighted hört, steht auf extreme Soundeinstellungen. Das Schlagzeug klingt wie immer schön natürlich und dennoch brachial. Die Gitarren wechseln häufig zwischen hohen und tiefen Tönen. Dabei drückt kein Ton den anderen weg, sondern lässt ihm Raum, um zu klingen. Eine absolut brillante Produktion, die durch ihre tiefen Sounds so richtig an Fahrt gewinnt. Es scheint, vor allem wenn man sich „Cum With Disgust“ anhört, als hätten ihre Songs noch nie so viel Tiefe besessen. Der Hörer fühlt sich nicht nur an die Wand gegrinded, sondern auch abgeholt. Ob „Forgive Me Father“ oder „Versipellis“, die Tracks überzeugen am laufenden Band, denn das Songwriting sowie die fetten Riffs stimmen einfach.

Hier gibt es nicht mehr viel zu sagen. Der französische Deathgrind Exportschlager Benighted legt 2017 mit „Necrobreed“ einen grandiosen Nachfolger von „Carnivore Sublime“ nach. „Necrobreed“ ist deutlich tiefgründiger und ausgereifter. Dieses Mal erzählt die Band den Hörern eine Geschichte mit guten Riffs und absoluter Härte. Wer diese extreme Band nicht kennt, muss sie spätestens mit „Necrobreed“ kennenlernen und sich dann langsam in ihrer Diskografie zurückarbeiten. Ein absoluter Hochgenuss für Deathgrind-Fans.

Video

Trackliste

01 Hush Little Baby
02 Reptilian
03 Psychosilencer
04 Forgive Me Father
05 Leatherface
06 Der Doppelgaenger
07 Necrobreed
08 Monsters Make Monsters
09 Cum With Disgust
10 Versipellis
11 Reeks Of Darkened Zoopsia
12 Mass Grave

Details

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Label: Season of Mist
Vö-Termin: 17.02.2017
Spielzeit: 38:29

Copyright Cover: Season of Mist



Über den Autor

Marcus
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