Review

Prog technisch sind wir aus Amerika viel und besonders einen hohen Standard gewohnt. Ob Intronaut, Cloudkicker, Dream Theater oder Mastodon, Platten dieser Bands strengen euer Oberstübchen an. Die Jungs von Bearstorm wollen genau das Gleiche erreichen, doch ist ihr Mix etwas interessanter als der klassische Prog Rock/Metal, denn sie mixen progressiven Rock mit Stoner/Sludge und einer gehörigen Portion Black Metal.

Wenn man bedenkt, welche musikalischen Wurzeln die Mitglieder eigentlich haben, wird schnell klar, dass dieses Projekt in eine völlig andere Richtung geht. Die Metalfreunde kommen eher aus der Klassik, dem Jazz oder gar Country. Klasse, wenn man sich dann so einem Projekt verschreibt.
Bearstorm sind im Kern eine progressive Rock/Metal Band; ihr Black Metal-Anteil kommt eher durch Fronter Michael, der sich in gewohnter Manier die Seele aus dem Leib schreit. Recht widerwertig, aber so muss truer Black Metal klingen.
Hört man die Scheibe einige Male durch, so erkennt man die sinnvolle Verbindung der beiden Stile.

Bearstorm machen das nicht stümperhaft, sondern fahren in bester The Ocean- oder Mastodon-Manier auf. Ihr Prog Metal klingt stark garagig, was zum größten Teil an der Produktion liegt. Manche würden fragen, wie man so etwas veröffentlichen kann, doch dieser extrem rohe Sound bringt den gewissen Kick auf die Scheibe.

Der Opener „Glacial Relic \ Riparian Forest“ ist recht emotional und tiefgreifend. Schon allein die Länge von 11:21 Minuten kann zu Beginn überfordern. Dabei gilt es hier, am Ball zu bleiben.
Positiv hervorzuheben ist der Mut zum Basssound, der sich nicht nur unterhalb einfügt, sondern gerne mal etwas präsenter ist. Dadurch wirken die Stücke etwas virtuoser und lebhafter.

„De Soto“ kommt ziemlich hektisch daher. Viel Noise und komische Hintergrundtöne lassen die Freude etwas verfliegen. Allgemein ist der Song kein Wunderwerk der Schreibkunst, da die Riffs ziemlich einfallslos sind, dennoch hat „De Soto“ einen guten Drive. Das können die Jungs einfach.

In den Songs lassen sich Bearstorm stets ziemlich viel Zeit. Bei fünf Tracks ist das aber auch kein Thema, denn der Hörer kann ruhig mal etwas genauer hinhören. Zu skippen gibt es nämlich nicht sehr viel. Jeder Song klingt anders, wodurch sich viele Facetten der Jungs zeigen. Immer wieder kommt aber die Metal-Keule um die Ecke. „Why we can’t have nice things“ beginnt beispielsweise äußerst schleppend, um dann mit Doublebass und suboptimalen Blastbeats durchzustarten.

Der Gitarrensound bleibt stets fett und wird gerne mal mit Effekten versehen. Das ist ziemlich entspannend, denn wir alle sind tief gestimmte Gitarren gewöhnt. Mut zum Standard Tuning.

Bearstorm (Copyright: Hartman Photography)

Bearstorm (Copyright: Hartman Photography)

„Glacial Relic II“ schließt an den Opener an und bringt noch mehr ungemütliche Stimmung mit sich. Ein paar abgewandelte Riffs und ein eher fixeres Feeling. Hier zeigen noch mal alle Musiker, dass sie kreativ sein können. Beide Gitarrenstimmen arbeiten sehr gut miteinander, während Drummer Patrick zusammen mit Jay die Basis bilden. Ab der Mitte gehen sie in einen dissonanten Jazz-Part über. Ziemlich merkwürdiger Noise-Kram, der aber überzeugen kann. Vielleicht nicht beim einmaligen Hören, aber dafür ist „Americanus“ so oder so nicht geeignet.

Fazit: Fans von Mastodon, The Ocean und gelegentlichem Noise können hier zugreifen, wenn sie gerne mal abseits der Großen schauen. Bearstorm sind anders was Songwriting, Riffs und Sound angeht. Deshalb natürlich nicht schlecht, aber der Zugang zu ihrer Musik fällt deutlich schwerer. Wer sich dadurch nicht abschrecken lässt, wird auch das eine oder andere Country-Riff ansprechend finden.

Trackliste

01 Glacial Relic – Riparian Forest
02 De Soto
03 Little Portals to the Greater Sadness
04 Why we can’t have nice things
05 Glacial Relic II

Details

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Label: Grimoire Records
Vö-Termin: 30.06.2015
Spielzeit: 36:17

Copyright Cover: Grimoire Records



Über den Autor

Marcus
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