Review

Prog Rock aus Chile bescheren uns Bauda mit ihrem dritten Album „Sporelights“.

Bauda stehen darauf für Weite, Atmosphäre und aufwendige Songarrangements. Ihnen ist neben der progressiven Ausrichtung auch ein experimenteller Charakter nicht abzusprechen, doch dieser hält sich auf „Sporelights“ angenehm zurück. Trotzdem sind ihre darauf anzutreffenden sieben Stücke nicht umgehend fassbar und jeder weitere Hördurchlauf lässt die einzelnen Titel in einem anderen Licht erscheinen.
Damit bleibt „Sporelights“ für lange Zeit interessant. Doch bevor sich nun eingefleischte Prog Rock Fans auf das Album von Bauda stürzen, sei gesagt, dass jene insgesamt eine sehr poppige Schiene fahren.

Mal sind zudem träumerische Melodiebögen à la The Gathering auszumachen, was insofern nicht verwundert, da sich The Gathering-Mitglied René Rutten für die Produktion verantwortlich zeigt, mal setzt man auf Detailverliebtheit und Leichtigkeit à la Porcupine Tree. Soundtechnisch gibt es dichte, kraftvolle Klänge auf die Ohren, die sich am Alternative orientieren und stadion- sowie zugleich sehr massentauglich ausfallen, sodass Bauda trotz der verschachtelten prog-rockigen Songstrukturen sogar im Kontext von Bands wie Thirty Seconds To Mars denkbar wären. Was dabei jedoch ausbleibt, sind Titel, die sich im Ohr festsetzen. Bauda verlangen von ihren Hörern, dass sich diese Zeit nehmen und das Album nicht im Schnelldurchgang oder gar einmalig zu Gemüte führen.

Der Vorteil eines solchen ausgiebigen Hörgenusses liegt auf der Hand: Bauda konfrontieren die Hörer dadurch nicht nur immer wieder auf ein Neues mit verschiedenen Eindrücken, sondern präsentieren ihnen auch zahlreiche Details, die erst nach und nach wahrgenommen werden und relativ spät ihre Wirkung entfalten – und das, obwohl einige dieser Feinheiten das Album deutlich prägen.

Bauda (Copyright: Álvaro Manríquez)

Bauda (Copyright: Álvaro Manríquez)

So wird man feststellen, dass die Gitarrenarbeit zwar vorhanden, aber zugunsten von Drums, Bass und Gesang doch ziemlich in den Hintergrund gerückt ist. Ferner spielen die Synthies eine große Rolle, die für zusätzliche Atmosphäre und Dichte sorgen. In „War“ klingt diese Mischung jedoch zeitweise sehr undifferenziert. Hier blitzt der progressiv-experimentelle Zug der Band auffallend und mehr als in anderen Titeln hervor. Das Instrumentalstück „Tectonic Cell“ drückt den Bass hingegen in den Vordergrund, doch an die Tracks mit Gesang kommt die Nummer nicht heran, denn jener passt unfassbar gut in das musikalische Gesamtgeschehen, sodass bei sieben Tracks jedes Instrumentalstück überflüssig wirkt. Nichtsdestotrotz muss „Tectonic Cell“ zugutegehalten werden, dass durch die Synthies ein cinematisches, wenn auch 80er Jahre angehauchtes Hörerlebnis erzeugt wird.

Obwohl die einzelnen Lieder in ihren Spielzeiten zwischen 4 und 8 Minuten pendeln, gelangt „Sporelights“ schnell am Ende an. Beinahe kurzweilig wirkt das Ganze daher.
Fans von atmosphärischem Progressive Rock mit poppigem Flair sei ein Reinhören dringend angeraten.

Video

Tracklist

01 Aurora
02 Vigil
03 Sporelights
04 War
05 Tectonic Cells
06 Asleep In Layers
07 Dawn Of Ages

Details

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Label: Temple Of Torturous 
Vö-Termin: 20.10.2015
Spielzeit: 40:57

Copyright Cover: Temple Of Torturous



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde