Review

Das Battle Beast ist wieder los!

Die Finnen um Frontfrau Noora Louhimo haben derzeit ihr viertes Studioalbum „Bringer Of Pain“ am Start. Wie auf den bisherigen Veröffentlichungen bewegt man sich auch mit dem aktuellen Longplayer musikalisch im Bereich Heavy Metal, Rock und Pop – eine Mischung, die auch dieses Mal wieder polarisieren wird. Doch der Reihe nach.

Einen richtig guten Einstieg finden die Nordleute mit „Straight To The Heart“ – kraftvoller und Keyboard-dominierter Power Metal à la Sabaton. Der Song geht mit seiner einprägsamen Hookline direkt ins Ohr und ist ein garantierter Mitbanger.

Der anschließende gleichnamige Titelsong „Bringer Of Pain“ setzt die musikalische Marschrichtung nahtlos fort. Ein temporeicher, kerniger Track, den Nooras aggressiver Gesang und die Band-Shouts im Refrain gekonnt veredeln. Leider ist der Song mit seinen gut drei Minuten Spielzeit relativ kurz.

„King For A Day“ entpuppt sich dann schnell als echter Rocker. Der sehr schönen und intensiven Gesangsmelodie in der Strophe kann sich der Hörer einfach nicht entziehen. Die stark nach 80er-Jahre klingenden Keyboardarrangements bringen in den Song auch eine gehörige Portion Pop; eine Kombination, die in diesem Lied gut funktioniert.

Mit „Beyond The Burning Skies“ wird es dann wieder schneller. Ein Track, den man fast als typischen female-fronted Power Metal-Song bezeichnen möchte und der mit viel Melodie umgehend ins Ohr geht.

Das folgende „Familiar Hell“ ist anschließend sicherlich eine Frage des individuellen musikalischen Geschmacks. Im Grunde ist es ein auf rockig getrimmter Pop-Song und damit insgesamt zu unspektakulär.

Die volle Aufmerksamkeit verdient hingegen „Lost In Wars“ wieder. Mit der gesanglichen Unterstützung von Tomi Joutsen (Amorphis) ist der Song hinsichtlich der Komposition und den Arrangements, u.a. dem Einsatz von Elementen des Industrial, ein wirkliches Highlight des Albums. Das Gesangsduett Tomi und Noora harmoniert hervorragend. Die insgesamt recht düstere Stimmung des Liedes wird erst mit dem liedhaften Refrain aufgebrochen.

„Bastard Son Of Odin“ und „We Will Fight“ entpuppen sich als fast schon typische Battle Beast-Nummern; mal vorwärtstreibend mit prägnanter Keyboard-Linie, mal groovig-rockig fügen sie sich auf diese Weise in den metallischen Reigen der Band ein.

An dieser Stelle hätten Battle Beast ihr Album eigentlich schließen können – machen sie aber nicht und müssen sich die Kritik an „Dancing With The Beast“ und „Far From Heaven“ gefallen lassen. Bei diesen zwei Songs im 80er-Jahre-Popgewand fragt man sich dann schon, was jene auf einem Metal-Album – unter diesem Label wird es ja verkauft – verloren haben. Hier darf jeder Hörer letztendlich selber entscheiden, ob er sich diese anhören möchte und Gefallen daran findet oder doch lieber vorher die Stopp-Taste des Players drückt.

Und so bleibt am Ende ein leider durchwachsenes Fazit. „Bringer Of Pain“ deckt in seiner musikalischen Bandbreite wieder das gesamte Repertoire von Battle Beast ab. Von eingängigen Metalhymnen bis belanglosen Pop-Nümmerchen ist alles vorhanden. Natürlich hatten Battle Beast auch in der Vergangenheit schon immer eine gewisse Portion „Pop“ in ihren Songs und auf ihren Alben; so augenscheinlich wie auf „Bringer Of Pain“ war es aber bisher nicht.

Battle Beast (Copyright: Juuso Soinio & Aki Anttila)

Dazu kommt, dass auch Sängerin Noora sich gesanglich nur noch sehr selten auf ihre Rock-Röhre besinnt, welche noch zu Zeiten des „Battle Beast“-Albums ein echtes Markenzeichen der Band war. So werden eingeschworene Metalheads bei einigen Songs mit Sicherheit eine gewisse Grundaggressivität vermissen.

Nichts zu kritisieren gibt es hingegen an der Produktion und am Sound des Albums.

So stehen letztendlich bei der Bewertung 4 Punkte für ein Album, das bei den Hörern wahrscheinlich sehr zwiespältig aufgenommen werden wird, verbunden mit der Hoffnung, dass Battle Beast in Zukunft ihren Fokus wieder mehr in Richtung Metal verschieben werden.

Video

Tracklist

01 Straight To The Heart
02 Bringer Of Pain
03 King For A Day
04 Beyond The Burning Skies
05 Familiar Hell
06 Lost In Wars
07 Bastard Son Of Odin
08 We Will Fight
09 Dancing With The Beast
10 Far From Heaven

Details

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Label: Nuclear Blast
Veröffentlichung: 17.02.2017
Spielzeit: 39:50

Copyright Cover: Nuclear Blast



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde