Review

Sie sehen aus wie eine Gothic Rock Band, hören sich jedoch überhaupt nicht so an: Batalion d’Amour melden sich nach elf Jahren Veröffentlichungsabstinenz mit ihrem sechsten Album namens „Fenix“ zurück. Und wer meint, mit dem Export aus Polen einen weiteren Genrevertreter für die eigene düstere Playlist gefunden zu haben, wird enttäuscht sein, denn die Mannen um Frontfrau Karolina Andrzejewska weisen kaum Merkmale des proklamierten Gothic Rock auf. Vielmehr gehen sie auf „Fenix“ sehr progressiv und gleichsam experimentell vor, nicht ohne auch eine gewisse Pop-Rock-Nuance in ihre Titel einzubauen. Das Ergebnis sind elf neue und zugleich äußerst sperrige Songs, die um vier Bonustracks (verschiedene Versionen des Songs „Charlotte“, der auch als Single veröffentlicht wurde) ergänzt werden.

Es gibt Bands wie Andem oder Dalriada, da passt die Heimatsprache hervorragend zur Musik. Mal liegt dies an der gespielten Stilistik, mal gibt das die Stimmfarbe der jeweiligen SängerInnen her. Bei Batalion d’Amour wirken die polnischen Vocals hingegen nur in den progressiven Momenten des Albums einigermaßen passend.

Doch genau jene erschweren sowieso schon den Zugang zum Album, das durch die teils vorhandene poppige Ausrichtung eigentlich viel Potenzial für eingängige Melodien geboten hätte. Kommen dann auch noch die Lyrics auf Polnisch hinzu, verhindern diese in Kombination mit den Prog-Parts bei hiesigen Hörern ein unvermitteltes Reinkommen in „Fenix“.

In seltenen Momenten blitzt auf „Fenix“ aber eine Melodiosität auf, die an die bereits erwähnte russische Band Andem erinnert; zum einen aufgrund der ebenfalls hier vorhandenen klaren weiblichen Gesangsstimme, zum anderen durch die betonte Eingängigkeit, die man phasenweise dann doch mal intensiver verfolgt.
Auch der Song „Moje Remedium“ sticht durch den Gastvocal-Beitrag von Sänger Tomasz Grochola positiv heraus, zeigt er doch, dass weniger oftmals mehr ist.

Batalion d'Amour (Copyright: Hektor Werios)

Batalion d’Amour (Copyright: Hektor Werios)

Diese Richtung hätten Batalion d’Amour hartnäckiger einschlagen und beibehalten sollen, denn von diesen raren Augenblicken einmal abgesehen vermittelt „Fenix“ eher den Anschein einer langen (und oftmals recht lahmen) Jamsession, die zwar zum Nebenbeihören geeignet ist, nicht aber zum intensiven Konsum einlädt, sodass man den detailreichen und in guten Sound gekleideten Kompositionen nur unzulänglich gewahr wird.

Insgesamt scheint die Käuferschicht für „Fenix“ hierzulande extrem eingeschränkt zu sein, denn für das Album muss man dringend gleich mehrere Voraussetzungen (wie u.a. ein Faible für progressive Musik sowie die polnische Sprache) mitbringen, um überhaupt die Chance zu haben, einen Zugang zu „Fenix“ zu finden.
Ansonsten nur eine Empfehlung für jene, die in all ihrer Offenheit ihren musikalischen Horizont erweitern möchten.

Video

Tracklist

01 Bez Nas
02 Charlotte
03 Miedzy Slowami
04 Zawróceni
05 Za Granica Marzen
06 Moje Remedium (feat. Tomasz Grochola)
07 Ktos Calkiem Obcy
08 Dwie Prawdy
09 Zaklety (feat. Joyful Voice)
10 The Lost Diary (feat. John Porter)
11 Mechaniczny
12 Charlotte (Acoustic Version)
13 Charlotte (English Version)
14 Charlotte (Pawel Penarski Remix)
15 Charlotte (Radio Edit)

Details

Batalion d’Amour – Homepage
Batalion d’Amour – Facebook
Batalion d’Amour – Twitter

Label: Echozone / Soulfood / Believe Digital
Vö-Termin: 04.11.2016
Spielzeit: 77:56

Copyright Cover: Echozone



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde