Review

Aus dem Berliner Untergrund kommt mit der Band Barreleye eine Perle ans Licht, die sich jeder mal auf seine Liste schreiben sollte. Moderner Metal trifft auf Thrash Metal mit einer ordentlichen Hardcore/Post-Attitüde. Dieses Powerhouse präsentiert uns mit „Urgend To Fall“ seinen Beitrag zur deutschen Metalszene und ohne zu viel vorwegzunehmen, das Ding könnte auch über die Grenzen hinaus schwappen. Wieso das so ist, klären wir hier.

Mit „From The Inside“ legen die sympathischen Jungs aus dem Currywurst-Gebiet schon so richtig los. Anfangs sogar etwas progressive angehaucht, wirkt die Nummer als guter Groover, der immer wieder durch derbe Skank Beats aufgebrochen wird. Jetzt schon hervorragend ist der Gitarrensound, der schön dreckig um die Ecke kommt. Ab und an fühlt man sich an Schweden-Death erinnert. Dieser Grad zwischen Moderne und Old School ist die große Stärke der Band.

Ziemlich interessant ist die Stimme vom Frontschwein Micha. In den melodiösen und emotionalen Parts, die die Band des Öfteren mal einspielt, hört man wunderbar das Leiden des jungen Mannes heraus.

Was die melodiösen Parts angeht, braucht ihr aber keine Angst haben, dass ihr Metalcore aus dem Jahre 2015 um die Nase gewedelt bekommt, sondern knallharte und gut geschriebene Linien, die unter die Haut gehen. So oft wie die Hardcore-Keule geschwungen wird, kommt der Old School Death Metal à la Slayer zum Vorschein, denn richtig guten Death Metal können die Jungs auch. Das in Kombination mit ihrer Spielfreude ist wirklich schön mit anzuhören. „A Feast For Maggots“ ist da ein Paradebeispiel. Einfach mal antesten.

Besonders ans Herz zu legen ist der Titeltrack „Urged To Fall“. Beginnend mit einem Black’n Death Riff, geht es direkt in einen Groove über, der euch die Eier abzieht. Man hat das Bedürfnis, sich zu bewegen. Das kommt vor allen durch das gute Songwriting der Band, denn immer wieder werden Themen aufgegriffen, sodass man sich nicht in den Strukturen verliert und am Ball bleiben kann. Da können sich die Großen noch was von abschauen.

In der gleichen Kategorie spielt das Können der Musiker. Alle beherrschen ihre Instrumente und vor allem hört man sämtliche Details auch heraus, was mittlerweile nicht mehr selbstverständlich ist. Ob mal ein kleiner schneller Wechselschlag oder eine Triole an der Doublebass, alles kommt so durch, wie es muss, ohne dabei klinisch zu klingen. Da hat Jan Oberg von Earthship aber mal gute Arbeit geleistet.

Ach, und kennt ihr noch Darkest Hour? Damals als sie gut klangen mit klasse Gesang und guten Songs? Ein wenig spiegelt sich das auch bei Barreleye wider. Gerade der Gesang ist an manchen Stellen ein Mix aus Brüllen und Singen, der den Hörer sofort an Darkest Hour erinnert.

Barreleye (Copyright: Barreleye)

Barreleye (Copyright: Barreleye)

Ein instrumentales Stück hat sich ebenfalls auf „Urged To Fall“ verirrt. „Trail Of Ashes“ ist einer dieser Überleitungssongs, der richtig gut klingt, aber nicht unbedingt sein muss. Der Vibe wird hier ein wenig zurückgenommen, es kommen dennoch ein wenig Assoziationen zu Ulcerate auf.

Ein kleines Problem haben Barreleye jedoch: einige Songs kränkeln an belanglosen Riffs und wirken eher wie Lückenfüller. Klar kann man nicht ein Smashriff nach dem anderen raushauen, jedoch neigt der Hörer leider dazu, den einen oder anderen Song zu skippen.

Fazit: Barreleye bringen mit „Urged To Fall“ ein wirklich grandioses erstes Album auf den Markt. Die Werbetrommel wird gerührt und bald geht es auf Tour. Das haben sich die Jungs auch verdient, denn das Material wird live ordentlich überzeugen und hoffentlich die Langhaarigen zahlreich aus dem Keller locken.
Fans von modernen Klängen sind herzlich eingeladen, mal reinzuhören.

Video

Trackliste

01 From The Inside
02 A Feast For Maggots
03 Urged To Fall
04 Migratory Nail
05 Hate Will Tear Us Apart
06 Trail Of Ashes
07 Flesh Tie
08 Eight Letters
09 Inner Fiend
10 Poem For The Numb
11 Saviors Death March

Details

Barreleye – Homepage
Barreleye – Facebook

Label: Self Release
Vö-Termin: 01.09.2015
Spielzeit: 49:16

Copyright Cover: Barreleye



Über den Autor

Marcus
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