Review

Die Sonne scheint, die Biergärten platzen aus allen Nähten, es herrscht ausgelassene Stimmung – und Bacio di Tosca bringen ein Album heraus, das so gar nicht zu dieser Jahreszeit passen möchte, denn die auf „Was ich liebe“ zu hörende düsterromantische Musik, welche von der Klassik unüberhörbar beeinflusst ist und nicht zuletzt durch den Mezzosopran von Sängerin Dörthe Flemming getragen wird, kommt sehr schwermütig und melancholisch aus den Boxen.

Spätestens der Titel namens „Advent“, der mit Glockenläuten versetzt wurde, verdeutlicht, dass der Zeitpunkt der Veröffentlichung vielleicht ein wenig zu früh angesetzt wurde, verlangt der selbst ernannte „Symphonic Wave“ auf „Was ich liebe“ doch geradezu nach einem Glas Rotwein bei Kerzenschein.

Und so stößt man selten bis gar nicht bei den insgesamt 13 Tracks auf fröhliche Melodien, die eine gewisse Leichtigkeit versprühen.
Eine Ausnahme bildet diesbezüglich eigentlich nur der Song „Liebe“, der das Tempo ein wenig aufdreht und die elektronischen Beigaben hell erschallen lässt.

Zwar gesellen sich auch in „Das Wasser“ nach einiger Zeit wummernde Elektro-Elemente zum im Vordergrund stehenden Gesang, diese fallen jedoch sehr dunkel aus, was dem Titel noch keinen Leichtmut verpasst, dafür aber die bisher sehr tragend-erhabenen Klänge auflockert.
Negativ fällt in diesem Song jedoch erstmals der Gesang auf, denn ein wenig nuschelig wird das Gedicht „Das Wasser“ (im Original von Ernst Moritz Arndt) vorgetragen.

Dörte Flemming (Copyright: Dörte Flemming)

Dörte Flemming (Copyright: Dörte Flemming)

Apropos Gesang und Lyrics: Auch auf dem inzwischen vierten Album „Was ich liebe“ werden in Bacio di Tosca Manier Texte berühmter Schriftsteller und romantischer Dichter vertont und in das eigens gegründete Genre gepresst; darunter Werke wie beispielsweise „O du, die mir die Liebste war“ von Wilhelm Busch, „Sommerbild“ von Friedrich Hebel, „Advent“ von Rainer Maria Rilke oder „Beginn des Endes“ von Theodor Storm. Allerdings beschränkt man sich erstmals nicht nur auf Fremdwerke, sondern räumt ebenfalls Textstücken von Dörthe Flemming selbst Raum ein. „Dünnes Eis“ und „Bleib bei mir“ sprechen damit der Sängerin aus der Seele.
Die stimmliche Interpretation ist technisch versiert, verliert durch den Drang nach Perfektion jedoch an Ausdruck. Nicht immer wirken damit die Tracks berührend, sondern eher statisch.

Durch die zudem immer gleich bleibende Stimmung, die auf dem Album „Was ich liebe“, welches außerdem den Untertitel „ist seltsam und krank“ besitzt, herrscht, wird insbesondere an sonnenreichen Tagen der Konsum des Silberlings zu einer Last. Dies gelingt reinen Klassikalben wesentlich besser, die auch für den Sommer die eindeutig bessere Alternative darstellen.
Gegen Herbst, spätestens aber an langen Wintertagen und vielleicht sogar unter Kopfhörern, um die Intensität der Musik Bacio di Toscas zu unterstreichen, ist „Was ich liebe“ eine annehmbare Wahl. Bis dahin verleitet selbst der Rauswurf, die qualitativ hochwertige Liveaufnahme „Die Eiche“, der man die Livesituation erst am aufbrandenden Applaus am Ende anhört, nicht zum Hören.

Ein großes Kompliment muss allerdings der Aufmachung des Albums gemacht werden, denn mit der Veröffentlichung von „Was ich liebe“ feiert gleichsam die als Patent angemeldete „Relief-CD“ ihre Premiere. Die Mechanik, die dabei zum Einsatz kommt, ermöglicht es, auf der Oberfläche der CD Verzierungen anzubringen, sodass ein dunkelroter Swarovski ™ Stein den hier vorliegenden Rundling verziert. Schade nur, dass man diesen im Idealfall nur selten bewundern kann, ist es doch wünschenswert, dass die CD unaufhörlich ihre Runden im Player dreht. Dies wird sie sicherlich noch nicht jetzt machen, aber sobald sich die kälteren Tage ankündigen, kann man sich „Was ich liebe“ ja wieder ins Gedächtnis rufen.

Tracklist

01 O du die mir die Liebste war
02 Ave Maria
03 Das Wasser
04 Musik
05 Sommerbild
06 Was ich liebe
07 Advent
08 Beginn des Endes
09 Totengräberlied
10 Dünnes Eis
11 Bleib bei mir
12 Liebe
13 Die Eichen (Live)

Details

Bacio di Tosca – Homepage
Bacio di Tosca – Facebook

Label: Caput Medusae Records / Broken Silence
Vö-Termin: 27.06.2014
Spielzeit: 44:47 Minuten

Copyright Cover: Caput Medusae Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde