Review

Nachdem Avatar mit „Avatar Country“ 2018 ihr eigenes Königreich ausriefen, legen sie nun mit „Hunter Gatherer“ ein neues – und zugleich das achte Studioalbum – nach.

Zehn Songs haben die Schweden darauf verewigt – und jene zeugen von ihrer titelgebenden Tätigkeit als „Jäger und Sammler“. Entstanden ist daher ein knapp 46-minütiges musikalisches Sammelsurium, das weder an Härte noch an eingängigen Melodien spart.

Die Songs

Das zeigt schon der Growl-lastige Opener „Silence in the Age of Apes“, der in dieser Hinsicht bereits die erste Überraschung ist.

Die zweite Überraschung lässt mit dem sich anschließenden Titel „Colossus“ nicht lange auf sich warten. Seine interessanten Effekte, elektronischen Elemente und der intensive Beat, der schließlich vom Schlagzeug und den Gitarren aufgenommen wird, bilden einen hervorragenden Kontrast zum Albumeinstieg.

Im folgenden „A Secret Door“, dem längsten Track des Albums, täuschen Avatar einen ruhigen Beginn an, belassen den Titel aber keineswegs auf seiner Gesamtlänge von etwa 6 Minuten in diesem bedächtigen Zustand. Während zwischendurch somit die typische Handschrift Avatars erkennbar ist, kehren diese langsameren und ruhigeren Parts immer wieder auf; Stellen, in denen die Band auf ganzer Linie überzeugen kann und abseits des Growlens auch ihr gesangliches Können unter Beweis stellt. Einzig der Abschluss des Songs, obschon stimmig, scheint optimierbar, indem man ihn weniger in die Länge gezogen hätte.

Nachdem mit der Single „Gods of Sick Dreams“ Töne angeschlagen werden, wie man sie vom Vorgängeralbum kennt, weiß „Child“ schließlich für eine kleine Verschnaufpause zu sorgen. Doch während man noch den ruhigen, fast schon besinnlichen letzten Tönen des Titels lauscht, sorgt der auf die Zwölf gebende Beginn des nächsten Songs „Justice“ für ein kurzes kritisches Überdenken der Songanordung. Zu extrem fällt der Übergang dieser beiden unterschiedlichen Songs aus.

Eine komplett andere Band meint man beim Hören des Songs „Gun“ im Player zu haben. Die Ballade strotzt vor Emotionalität und zeigt eine komplett neue Seite der Schweden.
Als ob sie hier Luft für das Finale holen, stellt „Gun“ alles in allem die Ruhe vor dem Sturm dar, der sodann mit dem kürzesten Titel des Albums, „When All but Force Has Failed“, und dem Rauswurf „Wormhole“ folgt. Leider wirkt der Abschluss, bestehend aus diesen beiden Titeln, im Gegensatz zum vorherigen musikalischen Geschehen sehr lieblos. Es wird auf Tempo gespielt und mangelt an guten Ideen.

Von Abwechslung, Vielseitigkeit und Stilbrüchen

Avatar (Copyright: Avatar)

Nichtsdestotrotz: Nicht nur Song für Song bieten Avatar reichlich Abwechslung für die Hörer. Auch innerhalb eines Tracks tobt sich das Quintett immer mal wieder kreativ aus. Songentwicklungen mit Tempo- und Melodiewechsel sowie einigen Überraschungen sind dabei garantiert. Das macht „Hunter Gatherer“ jedoch nicht nur spannend zu hören, sondern gleichsam auch unberechenbar. Das könnte nicht jedem zusagen. Positiv ist diesbezüglich allerdings zu erwähnen, dass der Band – trotz der gebotenen Vielseitigkeit inklusive einiger Stilbrüche – ein in sich stimmiges und nicht zusammengestückelt wirkendes Album gelungen ist.

Fazit

„Hunter Gatherer“ ist abwechslungsreich, aber in erster Linie hart. Dabei wird das entsprechende Songmaterial aber nicht stumpf und stupide runtergeknüppelt. Vielmehr gehen Avatar raffiniert, einfallsreich und auf Eingängigkeit bedacht zu Werke – und können so auch 2020 gefallen.

Video

Tracklist

01 Silence in the Age of Apes
02 Colossus
03 A Secret Door
04 God of Sick Dreams
05 Scream Until You Wake
06 Child
07 Justice
08 Gun
09 When All but Force Has Failed
10 Wormhole

Details

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Label: Century Media
Vö-Termin: 07.08.2020
Spielzeit: 45:33

Copyright Cover: Century Media



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde