Review

Nach dem überragenden Werk „Ghostlights“ schlägt Tobias Sammet mit seinem Projekt Avantasia nun ein neues Kapital auf.

„Moonglow“ heißt das neue Album und „handelt von einem Wesen, das in der grellen Realität, in die es hineingeschaffen wird, keinen Platz findet und sich in die Dunkelheit zurückzieht, um dort die Tür in eine andere Welt aufzustoßen.“ 

Konzept mit musikalischer Spannweite

Präsentiert wird das Konzept in gewohnt opulenter Form, wobei laut Sammet „keltische Elemente, Einflüsse aus der Weltmusik, große Chöre, atmosphärische Parts [und] Thrash-Elemente“ Einzug in die einzelnen Tracks halten.
Der musikalischen Spannweite von „Moonglow“ kommt dies auf jeden Fall zugute, ist es doch das mit Sicherheit abwechslungsreichste Avantasia-Album bisher.

Neben Power Metal-Hymen wie „Book Of Shallows“, „Starlight“ und „Requiem For A Dream“ finden sich hier auch Songs in Richtung Symphonic Metal („Moonglow“) und Titel mit starken Rock-Oper- und Musical-Anleihen wieder. Dazu gehört gleich der Opener „Ghost In The Moon“, dessen Refraingesang, ähnlich wie auch in „Lavender“, durch einen Gospel-Chor unterstützt wird.

Überlange Songs

Herzstück des Albums ist das elf-minütige „The Raven Child“, das in allen Belangen eine stetige Steigerung erfährt. Balladesk beginnend, setzen im weiteren Verlauf Band und Orchester zunächst nur Akzente. Mit zunehmender Dauer nehmen auch deren Einsatz und Intensität zu; der Titel wird zusätzlich mit einem Gitarrensolo versetzt und wechselt zum Finale nochmals das Tempo.

Überhaupt gibt es eine ganze Reihe überlanger Songs auf „Moonglow“ zu genießen, die den Hörern zwar einiges an Durchhaltevermögen abverlangen, dieses aber wiederum mit einer Reise zwischen Realität, Traum, Übermut und Melancholie entlohnen.

Zahlreiche Gäste

Natürlich geben wieder zahlreiche Gastsänger/innen ihre Visitenkarte ab und tragen damit zum typischen, unverwechselbaren Avantasia-Klang bei. Ein Wiedersehen bzw. -hören gibt es beispielsweise mit Michael Kiske (Helloween), Ronnie Atkins (Pretty Maids), Eric Martin (Mr. Big), Geoff Tate (Original-Queensryche), Jorn Lande und Bob Catley (Magnum).

Als Neuzugänge sind Candice Night (Blackmore’s Night), Hansi Kürsch (Blind Guardian) und Mille Petrozza (Kreator) zu hören.

Streitfrage: Coverversion

Tobias Sammet / Avantasia (Copyright: Alex Kuehr)

Die zuletzt platzierte Coverversion von „Maniac“ wird wiederum nicht überall auf Begeisterung stoßen. Zwar schafft es Avantasia, den Song durch die Arrangements zu eigen zu machen, sodass er auf dem Album nicht deplatziert wirkt. Andererseits hat man sich gerade an diesem Titel durch seine permanente Radiopräsenz mehr als sattgehört.

Resümee

Avantasia entwickelt sich auch mit „Moonglow“ von einem reinen Power Metal Projekt weiter in Richtung Rock-Oper und Musical. Die musikalische Vielfalt ist enorm, dürfte derart aber auch nicht jedermanns Geschmack sein. Zu theatralisch werden einigen die hier vermittelten Geschichten, Welten, Charaktere und Bilder sein.

Anderen wird „Moonglow“ eventuell zu wenig Heavyness besitzen. Neben den knackigen, auf den Punkt gebrachten Songs wirken die überlangen Titel, wenn man sich nicht zu hundert Prozent darauf einlässt, doch recht sperrig.

Fazit

„Moonglow“ ist epische, bombastische Musik, entfernt sich aber zusehends von seinen Power Metal-Wurzeln. Wer bereit ist, diesen musikalischen Weg mitzugehen, wird mit einem weiteren Meisterwerk von Tobias Sammet belohnt.

Video

Tracklist

01 Ghost In The Moon
02 Book Of Shallows
03 Moonglow
04 The Raven Child
05 Starlight
06 Invincible
07 Alchemy
08 The Piper At The Gates Of Dawn
09 Lavender
10 Requiem For A Dream
11 Maniac

Details

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Label: Nuclear Blast
Vö-Termin: 15.02.2019
Spielzeit: 66:43

Copyright Cover: Nuclear Blast



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde